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Debatte um Impfpflicht

Corona-Impfung ethisch geboten für Pflegende?

Könnte bald eine Impfpflicht für Pflegepersonal kommen? Für Politiker und Ethiker ist das vor allem eine Frage der Moral.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist gegen eine Corona-Impfpflicht, hält Impfungen für bestimmte Berufsgruppen allerdings für selbstverständlich. Für ihn gehöre "die Impfung zur Ethik bestimmter Berufe, etwa dem pflegenden oder dem lehrenden Beruf" dazu, sagte Laumann in der "Rheinischen Post" am Dienstag.

Es sollte selbstverständlich sein, dass jemand, der z. B. andere Menschen pflegt, alles dafür tue, seine Patientinnen und Patienten vor der Ansteckung mit COVID-19 zu schützen.

Bayern führt Testpflicht für Beschäftige in Pflegeheimen ein

In Bayern greifen ab 16. August schärfere Regelungen. Dann gilt eine Testpflicht für nicht geimpfte oder genesene Beschäftigte in Pflegeheimen sowie Besucherinnen und Besucher. Das kündigte der bayerische Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch an. Die Erfolge der vergangenen Monate im Kampf gegen das Coronavirus dürften nicht verspielt werden.

Nicht geimpftes oder genesenes Personal muss sich 2 Mal pro Woche testen lassen.

Die Regelung gilt auch für Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen.

Holetschek warnte:

"Derzeit infizieren sich wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus. Dies wird sich zeitversetzt auch in den Einrichtungen widerspiegeln. (…) Gerade jetzt in der Urlaubssaison müssen wir das Risiko minimieren, das Virus wieder in die Heime (…) zu tragen."

Indirekte Impfpflicht am Klinikum Ludwigshafen

Auch das Klinikum Ludwigshafen sieht sein Personal in der Verantwortung. Wer nicht geimpft sei, werde sich früher oder später infizieren, so die sichere Annahme des Hauses. Auch wenn eine schwerwiegende Erkrankung möglicherweise ausbleibe – Überträger des Virus seien infizierte Personen in jedem Fall.

Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther betonte bereits Ende Juni:

"Wer im Krankenhaus arbeitet und nicht geimpft ist, stellt eine Gefahr dar, die wir unseren Patienten nicht zumuten dürfen und wollen."

Sicherheit sei nicht verhandelbar. Dazu gehört für Günther, dass sich alle Mitarbeitenden impfen lassen.

Mittlerweile sei innerhalb der Belegschaft zwar eine Impfquote von rd. 90 % erreicht. Dennoch seien viele Personen unentschlossen oder hätten sich bewusst gegen eine Impfung entschieden.

"Das ist für uns ein Problem. (…) Schlussendlich muss sich ein Mitarbeiter, der Corona-Leugner ist oder die Impfung für überflüssig hält, ernsthaft überlegen, ob ein Krankenhaus, wie wir es sind – mit einer sehr großen Verantwortung für die Menschen dieser Region –, der passende Arbeitsplatz ist."

Ethiker: Impfpflicht das letzte Mittel der Wahl

Der Tübinger Ethiker Franz-Josef Bormann sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, nach moralischen Maßstäben sei jeder verpflichtet, über eine Impfung nachzudenken, "weil nur sehr wenig dagegenspricht".

Für Berufsgruppen wie Altenpflege- oder Krankenhauspersonal kann allerdings aus Sicht des Mitglieds im Deutschen Ethikrat eine Impfpflicht das letzte Mittel der Wahl sein. Jeder habe die Verpflich­tung, Schäden für sich und andere möglichst klein zu halten. Impfverweigerer sollen nach Bormanns Vorstellung künftig ihre Tests selbst zahlen, wenn sie ein Impfangebot ausgeschlagen haben.

Auch die Medizinethikerin Christiane Woopen appellierte im Tagesspiegel an die Moral:

"Keiner hat die Pflicht, überhaupt gar kein Risiko für andere Menschen zu sein. Dann dürften wir alle auch nicht Auto fahren."

Es gebe aber die moralische Pflicht, auf die Gesundheit anderer möglichst gut aufzupassen und sie nicht willkürlich zu gefährden.

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