Menschen mit einer überstandenen Sepsis benötigen auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eine strukturierte Nachsorge. Darauf weist die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September hin. Die Fachgesellschaft fordert Kliniken auf, Betroffene und Angehörige umfassender über mögliche Langzeitfolgen zu informieren und Nachsorgebedarfe systematisch zu dokumentieren.
Nach Angaben der DIVI werden in Deutschland jährlich rund 320.000 Sepsisfälle in Krankenhäusern erfasst. Zugleich überlebten dank Fortschritten in der Früherkennung und Intensivmedizin heute mehr Menschen auch schwere Krankheitsverläufe. Damit gewinnt die Sepsis-Nachsorge aus Sicht der Fachgesellschaft an Bedeutung.
"Nur das Überleben zu sichern, ohne die Nachsorge sicherzustellen, kann kein vernünftiges Ziel sein", sagte DIVI-Generalsekretär Alexander Zarbock.
Langzeitfolgen nach Sepsis oft erst später sichtbar
Nach Angaben der DIVI können nach einer Sepsis dauerhafte Schäden an Organen wie Nieren, Lunge oder Herz zurückbleiben. Hinzukommen mögliche Einschränkungen der Beweglichkeit, kognitive Beeinträchtigungen oder psychische Belastungen. Einige Folgen treten erst Monate oder Jahre nach der Erkrankung auf.
"Wir müssen allerdings und unbedingt den ganzen Menschen sehen und nicht nur einzelne Organe", betonte Zarbock.
Die Fachgesellschaft fordert deshalb, Informationen zu betroffenen Organen, möglichen Risiken und erforderlichen Kontrolluntersuchungen verbindlich im Entlassbrief festzuhalten. Dies soll die Weiterbehandlung von Sepsis-Überlebenden durch Haus- und Fachärztinnen sowie -ärzte erleichtern.
DIVI fordert mehr Unterstützung für Angehörige
Neben den Betroffenen selbst hebt die DIVI die Bedeutung von Angehörigen hervor. Eine Sepsis betreffe häufig das gesamte familiäre Umfeld und führe innerhalb kurzer Zeit zu einer Ausnahmesituation.
"Nicht nur die Patienten bekommen eine Sepsis, sondern eine ganze Familie gerät binnen Stunden in einen medizinischen Ausnahmezustand. Angehörige brauchen deshalb früh ehrliche und verständliche Informationen – und bei Bedarf auch psychologische oder seelsorgerische Unterstützung", sagte die stellvertretende Sprecherin der DIVI-Sektion Systemische Inflammation und Sepsis, Christina Scharf-Janßen.
Für ehemalige Sepsispatientinnen und -patienten spricht sich die Fachgesellschaft zudem für spezialisierte Ambulanzen oder andere regionale Anlaufstellen aus. Ziel sei eine koordinierte medizinische und psychosoziale Unterstützung nach dem Krankenhausaufenthalt.
Prävention und Früherkennung bleiben im Fokus
Der Welt-Sepsis-Tag fällt in eine Phase verstärkter Aufmerksamkeit für Prävention, Früherkennung und Versorgung. Erst Anfang September hatte die Sepsis-Stiftung eine nationale Infektionsmanagementstrategie gefordert, um die Zahl sepsisbedingter Todesfälle in Deutschland zu senken.
Auch der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) verweist zum Welt-Sepsis-Tag auf die Bedeutung der Infektionsprävention. Nach Angaben des Verbands könnten nosokomiale Infektionen durch konsequente Hygienemaßnahmen teilweise verhindert und damit auch das Risiko für eine Sepsis reduziert werden. Dies gelte nicht nur für Krankenhäuser, sondern auch für die ambulante und häusliche Versorgung. Der Verband fordert deshalb, Infektionsprävention und standardisierte Hygienemaßnahmen bei künftigen Reformen des Gesundheitssystems stärker zu berücksichtigen.
Für Kliniken und beruflich Pflegende gewinnt das Thema zusätzlich durch die seit 2026 geltenden Vorgaben zur Sepsis-Früherkennung und Sepsis-Versorgung an Bedeutung. Ziel ist es, Warnzeichen früher zu erkennen und zeitkritische Behandlungsprozesse zu verbessern.