Die Sepsis-Stiftung fordert eine nationale Infektionsmanagementstrategie, um die Versorgung von Menschen mit Sepsis zu verbessern. Nach Angaben der Stiftung könnten dadurch jährlich mindestens 10.000 sepsisbedingte Todesfälle verhindert werden. Das geht aus dem "Sepsis-Dossier Deutschland 2026" hervor, das die Stiftung zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September vorgelegt hat.
Nach Angaben der Stiftung sterben in Deutschland jährlich mindestens 140.000 Menschen infolge einer Sepsis. Grundlage seien Datenauswertungen der Autoren des Global Burden of Disease Reports. Im internationalen Vergleich sieht die Stiftung erheblichen Nachholbedarf: Während die sepsisbezogene Mortalität in Deutschland zwischen 1990 und 2019 gestiegen sei, seien in mehreren nordischen Ländern Rückgänge verzeichnet worden.
"In Deutschland sollen künftig mindestens 10.000 sepsisbedingte Todesfälle pro Jahr verhindert werden", heißt es in dem Dossier.
Acht Forderungen für Prävention und Früherkennung
Die Stiftung verbindet in ihrem Forderungskatalog die Bereiche Infektionsprävention, Pandemievorsorge, Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen und Sepsisversorgung. Dazu schlägt sie eine Nationale Infektionsmanagementstrategie vor.
"Mit einer nationalen Infektionsmanagementstrategie wollen wir Prävention, Früherkennung, Akutversorgung, Rehabilitation sowie Forschung und Innovation bei Sepsis weiter deutlich verbessern", erklären die Stiftungsvorsitzenden Bernd Böttiger und Marlies Ostermann.
Zu den Schwerpunken zählen die frühere Erkennung von Infektionen und Sepsis, eine schnellere Versorgung entlang der Rettungs- und Behandlungskette sowie die stärkere Berücksichtigung von Langzeitfolgen.
Nach Ansicht der Stiftung kommt Hausärztinnen und Hausärzten eine wichtige Rolle bei Prävention und Früherkennung zu. Zugleich fordert sie einen niedrigschwelligen Zugang zu qualifizierter medizinischer Beratung für Betroffene und Angehörige, wenn sich der Gesundheitszustand akut verschlechtert.
Qualitätssicherung rückt Sepsis stärker in den Blick
Für Kliniken und beruflich Pflegende gewinnt das Thema Sepsis derzeit auch durch neue Vorgaben zur Qualitätssicherung an Bedeutung. Seit 2026 gelten bundesweit neue Standards zur Sepsis-Früherkennung und -Versorgung. Ziel ist es, Warnzeichen früher zu erkennen und zeitkritische Behandlungsprozesse zu verbessern.
Zur Unterstützung der Einrichtungen hat Bibliomed CAMPUS ein E-Learning-Modul zur Sepsis-Schulung eingeführt. Die Inhalte orientieren sich an den Anforderungen der Qualitätssicherung und an der aktuellen S3-Leitlinie "Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Im Fokus stehen unter anderem die frühzeitige Identifikation von Risikopatienten, strukturierte Eskalationswege und die interprofessionelle Zusammenarbeit.