Menschen mit Demenz sollen mithilfe musikgesteuerter Fitnessbänder zu mehr Bewegung und sozialer Interaktion angeregt werden. Ein Forschungsprojekt der Universität Siegen erhält dafür von der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) eine Förderung in Höhe von 199.000 Euro.
Wie die AFI in der Vorwoche mitgeteilt hat, entwickelt das Team um den Wissenschaftler David Unbehaun elastische Bänder mit integrierten Sensoren. Die Technik reagiert auf Bewegungen und erzeugt dabei Klänge und Musik. Ziel ist es, ein niedrigschwelliges Bewegungsangebot für Menschen mit Demenz in unterschiedlichen Krankheitsstadien zu schaffen und zugleich den Nutzen für den Pflegealltag zu untersuchen.
Bewegung und Musik als gemeinsames Angebot
Je stärker oder schneller die Bänder bewegt werden, desto stärker verändert sich die Musik. Bis zu vier Personen können die Bänder gleichzeitig nutzen und gemeinsam Klänge erzeugen. Die Anwendung ist aber auch für einzelne Nutzerinnen und Nutzer vorgesehen.
Musik könne für Menschen mit Demenz Erinnerungen aktivieren, Gefühle ansprechen und Bewegung fördern, heißt es zum Projekt. "Uns interessiert vor allem, wie wir diese Wirkung so nutzen können, dass daraus ein Angebot für den Alltag entsteht. Die Bänder sollen Menschen motivieren, sich zu bewegen, selbst aktiv zu werden und gemeinsam mit anderen etwas entstehen zu lassen", sagte Projektleiter Unbehaun.
Entwicklung gemeinsam mit Pflegekräften
Das Projekt soll gemeinsam mit Menschen mit Demenz, Angehörigen und beruflich Pflegenden entwickelt werden. Dafür begleitet das Forschungsteam zunächst den Alltag der Beteiligten, um Anforderungen und Nutzungsmöglichkeiten zu analysieren.
"Bevor wir die Technik weiterentwickeln, wollen wir genau verstehen, was im Alltag funktioniert: Welche Bewegungen machen Menschen mit Demenz Freude? Was motiviert sie zum Mitmachen? Und was lässt sich gut in bestehende Abläufe integrieren?", verdeutlichte Unbehaun.
Anschließend sollen die Bänder in mehreren Pflegeeinrichtungen unter Alltagsbedingungen erprobt werden. Geplant sind sogenannte Living Labs, in denen die Technik sowohl in angeleiteten Gruppenangeboten als auch zur selbstständigen Nutzung eingesetzt wird.
Einsatz im Pflegealltag im Fokus
Neben den Auswirkungen auf Bewegung und soziale Teilhabe untersucht das Forschungsteam auch, ob sich das Angebot in den Pflegealltag integrieren lässt. Pflegekräfte sollen für den Einsatz der Bänder geschult werden und die Nutzung begleiten.
Darüber hinaus ist eine digitale Anwendung vorgesehen, die Musik- und Bewegungsangebote an die individuellen Fähigkeiten der Nutzenden anpassen soll. Langfristig halten die Forschenden auch eine vereinfachte Version für den Einsatz im häuslichen Umfeld für denkbar.
Nach Angaben der AFI handelt es sich um das zweite Projekt innerhalb ihres seit 2025 bestehenden Förderschwerpunkts für Pflegeforschung.