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DBfK-Befragung "Pflege, wie geht es dir?"

Hohe Zufriedenheit, aber auch großer Frust

Pflegefachpersonen lieben ihren Beruf – sind aber mit Arbeitsbedingungen, Führung und Mitsprache zunehmend unzufrieden. Forderung nach strukturellen Reformen.

Die meisten Pflegefachpersonen würden ihren Beruf wieder wählen – gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. Das zeigen aktuelle Umfrageergebnisse des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) im Rahmen seiner Online-Befragung "Pflege, wie geht es dir?". 

Demnach empfinden 83 Prozent der Befragten ihre Tätigkeit weiterhin als sinnstiftend, aber nur 55 Prozent würden sich erneut für den Beruf entscheiden. 

Hohe Bindung, aber steigender Frust

Die Ergebnisse der DBfK‑Befragung zeichnen aber auch ein widersprüchliches Bild: Die Mehrheit der Pflegefachpersonen identifiziert sich stark mit ihrem Beruf, gleichzeitig nehmen Unzufriedenheit und Wechselgedanken zu. 

So sind 44 Prozent der Befragten mit ihrer Arbeitsauslastung unzufrieden, 43 Prozent bewerten Führung und Management kritisch. 

Auch die Perspektive auf den eigenen Berufsverbleib ist angespannt: 37 Prozent können sich nicht vorstellen, bis zum Renteneintritt in der Pflege zu arbeiten.

"Nicht der Beruf selbst ist das Problem, sondern die Bedingungen, unter denen Pflege heute geleistet wird", heißt es im Fazit der Studie. 

Die Online-Befragung "Pflege, wie geht es dir?" wird seit 2024 jährlich vom DBfK durchgeführt. Teilnehmen konnten 2026 vom 1. März bis 6. April alle beruflich Pflegenden, unabhängig von einer DBfK-Mitgliedschaft.

Insgesamt beteiligten sich nach DBfK-Angaben 3.003 Personen. Die Erhebung ist nicht repräsentativ, bildet aber als jährlich wiederkehrendes Stimmungsbarometer zentrale Entwicklungen in der professionellen Pflege ab.

Systemprobleme statt Teamkonflikte

Auffällig ist laut DBfK: Die größten Kritikpunkte betreffen weniger die Zusammenarbeit im Team als vielmehr strukturelle Rahmenbedingungen. 

Genannt werden vor allem hohe Arbeitsbelastung, fehlende Wertschätzung durch Arbeitgeber und mangelnde gesellschaftliche Anerkennung. Nur rund drei Prozent der Befragten stimmen der Aussage voll zu, dass ihre Kompetenz gesellschaftlich anerkannt wird. 

Gleichzeitig zeigen sich viele Pflegende bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen: 76 Prozent äußerten diesen Wunsch. 

Führung und Beteiligung als Schlüssel

Ein Schwerpunkt der Befragung lag auf Führung. Dabei zeigt sich ein deutlicher Bedarf an mehr Transparenz und Mitbestimmung:

  • 46,3 Prozent kritisieren mangelnde Transparenz bei Entscheidungen.
  • 54,2 Prozent sehen zu wenig Beteiligung an Veränderungen.
  • Nur 22 Prozent erleben Veränderungen als partizipativ gestaltet.

"Dort, wo Transparenz, Beteiligung und verlässliche Kommunikation fehlen, wächst der Frust", resümiert der DBfK. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass weniger individuelles Führungsverhalten als vielmehr organisatorische Strukturen als Problem wahrgenommen würden.

DBfK fordert strukturelle Veränderungen

Der DBfK sieht in den Ergebnissen einen klaren Handlungsauftrag an Politik und Einrichtungen. "Wer Pflege stärken will, darf es nicht bei der symbolischen Versicherung von Systemrelevanz und Wertschätzung belassen", so die zentrale Forderung. 

Notwendig seien unter anderem:

  • verbindliche Personalausstattung
  • mehr Mitsprache der Pflege in Entscheidungen
  • strukturelle Absicherung erweiterter Kompetenzen

Auch die Weiterentwicklung des Pflegebudgets und stärkere Mitbestimmungsrechte seien zentrale Stellschrauben. 

Pflegebudget sinnvoll und wirksam

Das Pflegebudget werde von Teilnehmenden mit Budgetverantwortung und Führungsfunktion in der Pflege überwiegend als sinnvoll und wirksam bewertet. Es schaffe Spielräume für pflegerische Kernaufgaben, Professionalisierung, Rollenentwicklung und Innovation.

Gleichzeitig bleibe die tatsächliche Beteiligung der Pflege an Budgetverhandlungen jedoch gering: Nur 15 Prozent der Befragten mit Führungsfunktion gaben an, direkt an Verhandlungen zum Pflegebudget beteiligt zu sein. "Das Pflegebudget ist nicht das Problem. Problematisch ist, dass sein Potenzial noch immer nicht konsequent genutzt wird", so DBfK-Präsidentin Vera Lux vor dem Hintergrund der im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geplanten Deckelung des Pflegebudgets. Hier würden nicht "abstrakte Kosten" begrenzt, sondern konkret die Entwicklungsmöglichkeiten der Pflege: bessere Personalausstattung, Entlastung, Digitalisierung, neue Rollenprofile und die Weiterentwicklung professioneller Pflege. 

Der Verband betont zugleich, dass Pflege stärker als aktive Gestalterin der Versorgung einzubinden sei. Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai richtet der DBfK deshalb einen klaren Appell an Politik und Einrichtungen: Wer die Versorgung sichern wolle, müsse Pflege als Profession stärken. "Pflege darf nicht länger Gegenstand von Politik sein – sie muss endlich Mitgestalterin von Versorgung werden", betont Lux.

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