Welche Kompetenzen vermittelt eine pflegerische Weiterbildung, wie lassen sich unterschiedliche Spezialisierungen einordnen und wie können erworbene Qualifikationen anerkannt werden? Antworten auf diese Fragen soll das neue Strukturmodell "BAPID IV" liefern, das der Deutsche Pflegerat (DPR) am Donnerstag vorgestellt hat. Mit dem Projekt schließt der DPR zugleich die vierteilige Forschungsreihe "Bildungsarchitektur der Pflege in Deutschland (BAPID)" ab.
"Berufliche Entwicklungen in der Pflege transparent, durchlässig und zukunftsfähig gestalten"
"Mit BAPID IV führen wir die Ergebnisse der vier Teilprojekte zu einer zusammenhängenden Bildungsarchitektur zusammen. Damit schaffen wir eine wichtige Grundlage, um berufliche Entwicklungen in der Pflege transparent, durchlässig und zukunftsfähig zu gestalten", erklärt Christine Vogler, Präsidentin des DPR.
Im Mittelpunkt stehe die Frage, wie pflegerische Spezialisierungen unabhängig von ihrer Bezeichnung nachvollziehbar beschrieben und verglichen werden können. Denn Weiterbildungen etwa in den Bereichen Demenzpflege, Palliative Care oder Wundversorgung unterschieden sich häufig erheblich hinsichtlich ihrer Inhalte, Praxisanteile, Prüfungsformen und Abschlüsse.
Modell definiert fünf Spezialisierungsstufen
BAPID IV unterscheide deshalb zwischen dem formalen Qualifikationsniveau und dem Grad der fachlichen Spezialisierung. Dafür seien fünf Spezialisierungsstufen - von S0 bis S4 - im Modell definiert. Berücksichtigt würden nicht nur Umfang und Dauer einer Weiterbildung, sondern auch die Breite und Tiefe der vermittelten Kompetenzen, die Anforderungen an das praktische Lernen sowie die Qualität der Kompetenznachweise.
Das Strukturmodell umfasse verschiedene Qualifikationsniveaus – von der Pflegefachassistenz über beruflich qualifizierte Pflegefachpersonen bis hin zu Bachelor- und Masterabsolventinnen und -absolventen.
Für die Entwicklung wurden nach Angaben des DPR 76 Dokumente systematisch ausgewertet. Anschließend flossen die Rückmeldungen aus einem fachlichen Review-Verfahren in die Überarbeitung des Modells ein. Die wissenschaftliche Leitung hatte Wolfgang von Gahlen-Hoops, Professor für die Didaktik der Pflege und Gesundheitsberufe an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, inne.
Praktische Umsetzung soll nun im Fokus stehen
Nach Abschluss der vierteiligen Projektserie soll nun die praktische Anwendung im Vordergrund stehen, kündigte der DPR an. Er sieht BAPID IV als wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung der Pflegebildung, die Anerkennung erworbener Kompetenzen und die Entwicklung gemeinsamer Qualitätsstandards.
Ausführlich mit den Ergebnissen und der Bedeutung von BAPID IV für die pflegerische Weiterbildung beschäftigt sich die November-Ausgabe der Zeitschrift Die Schwester | Der Pfleger. Darin werden das Strukturmodell, seine wissenschaftlichen Grundlagen und mögliche Auswirkungen auf die Pflegebildung vertieft vorgestellt.