Dem Schweizer Pflegedachverband "alliance care" droht das Ende. Der sogenannte Steuerungsausschuss des Verbands hat dem Pflegerat und der Delegiertenversammlung empfohlen, Konkurs anzumelden und die Organisation aufzulösen. Über den Antrag sollen die beiden Gremien an diesem Mittwoch entscheiden.
Mit "alliance care" stünde ausgerechnet jene Organisation vor dem Aus, die erst 2025 gegründet worden war, um die Interessen der Pflegeberufe in der Schweiz auf nationaler Ebene zu bündeln. Als Grund nennt der Verband eine anhaltend angespannte Finanzlage. Insbesondere das erwartete Mitgliederwachstum sei ausgeblieben.
Sanierung scheitert trotz Stellenabbau
Bereits im Frühjahr hatte "alliance care" erste Sanierungsmaßnahmen eingeleitet. Im Juni trennte sich der Verband von 17 Mitarbeitenden. Zudem unterstützte der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) die Organisation mit Darlehen, um die Liquidität vorübergehend zu sichern.
Dennoch sei es nicht gelungen, die finanzielle Situation nachhaltig zu stabilisieren. Eine im Juli beauftragte externe Prüfung kam laut Verband zu dem Ergebnis, dass "alliance care" nicht mehr sanierungsfähig sei. Die Kosten ließen sich nicht decken, weil die prognostizierten Mitgliederzahlen deutlich verfehlt worden seien. Höhere Mitgliederbeiträge, zusätzliche Drittmittel oder ein weiterer Stellenabbau seien demnach keine realistischen Lösungen. Auch weitere Darlehen des SBK kommen nach Angaben des Verbands nicht infrage.
Mit dem beantragten Konkursverfahren sollen die Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitenden und Gläubigern geordnet abgewickelt werden.
Präsidentin zeigt sich betroffen
Verbandspräsidentin Sophie Ley bezeichnete den Schritt als schmerzhaft.
"Der notwendige Antrag auf Konkurs von alliance care macht mich und die Mitglieder im Steuerungsausschuss sehr betroffen. Wir sind mit großer Überzeugung angetreten, der Pflege mit einem Dachverband in der Schweiz eine starke, gemeinsame Stimme zu geben. Dass uns dies nicht in der erhofften Form gelungen ist, schmerzt mich sehr."
Besonders betroffen seien auch die Beschäftigten, die sich für den Aufbau des Verbands engagiert hätten, so Ley.
Rückschlag für die Pflegevertretung
Der mögliche Konkurs markiert einen bemerkenswerten Wendepunkt. Noch Ende Juni hatte sich der Schweizer Pflegerat konstituiert, der als gemeinsames politisches Gremium der Pflege fungieren sollte. Die Gründung galt als wichtiger Schritt, um die bislang zersplitterte Interessenvertretung der Pflege in der Schweiz zu bündeln.
Der Pflegefachmann und Schweizer Nationalrat Patrick Hässig bezeichnete die Entwicklung auf LinkedIn als bedrückend. Dort schrieb er: "Ein Dachverband steht vor dem Aus. Aber die Stimme der Pflege wird nicht verstummen!" Zugleich verwies er darauf, dass die Umsetzung der Pflegeinitiative nun in eine entscheidende Phase gehe und Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Personalausstattung weiterverfolgt werden müssten.
Offen ist, ob und in welcher Form einzelne Aufgaben von "alliance care" fortgeführt werden können. Der SBK kündigte an, zu prüfen, ob ausgewählte Leistungen künftig von anderen Trägern übernommen werden könnten.