Der Schweizer Pflegedachverband "alliance care" wird aufgelöst und ein Konkursverfahren eingeleitet. Das haben Pflegerat und Delegiertenversammlung am Mittwoch beschlossen. Damit scheitert knapp anderthalb Jahre nach Gründung der Versuch, die Interessenvertretung der Pflegeberufe in der Schweiz unter einem gemeinsamen Dach zu bündeln.
Der Beschluss folgt auf eine seit Monaten angespannte Finanzlage. BibliomedPflege berichtete bereits Anfang der Woche über die drohende Auflösung, nachdem der Steuerungsausschuss den zuständigen Gremien empfohlen hatte, Konkurs anzumelden und den Verband abzuwickeln.
Finanzielle Stabilisierung gescheitert
Nach Angaben von "alliance care" blieb die wirtschaftliche Entwicklung hinter den Erwartungen zurück. Im April aufgenommene Sanierungsbemühungen hatten nicht zum erhofften Ergebnis geführt; im Juni war 17 Mitarbeitenden gekündigt worden.
Zudem hatte der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) den Dachverband mit Darlehen unterstützt, um Zeit für den Aufbau der neuen Organisation zu gewinnen. Das erwartete Wachstum der Mitgliederzahlen blieb jedoch aus. Nach Angaben des Verbands fehlte damit eine wesentliche Grundlage für die langfristige Finanzierung.
Konkursverfahren soll geordneten Übergang ermöglichen
Mit dem Konkursverfahren sollen nun offene Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitenden und Gläubigern geregelt werden. Gleichzeitig wollen der SBK und die weiteren Mitgliedsverbände prüfen, wie bisher an "alliance care" ausgelagerte Dienstleistungen künftig weitergeführt werden können.
"Leider müssen wir anerkennen, dass sich ein Vorhaben trotz großem Einsatz nicht wie erhofft umsetzen lässt. Entscheidend ist jetzt, aus dieser Erfahrung die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir tragen Verantwortung für unsere Mitarbeitenden und die Zukunft der verschiedenen Verbände der Pflege. Ich bedauere diese Entwicklung ausserordentlich", sagte Präsidentin Sophie Ley.
Zukunft der Pflegevertretung offen
Mit der Auflösung verschwindet der organisatorische Rahmen, der die Interessen der Pflegeberufe auf nationaler Ebene bündeln sollte. Die bisherigen Mitgliedsverbände kündigten jedoch an, sich weiterhin gemeinsam für die Anliegen der Pflegenden in der Schweiz einzusetzen.
Offen bleibt, in welcher Struktur die politische Interessenvertretung künftig organisiert wird.