Eine Allianz aus 65 Organisationen fordert eine gesetzlich verankerte Nachhaltigkeitsstrategie für das deutsche Gesundheitssystem. Das geht aus einem gemeinsamen Eckpunktepapier hervor, auf das die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) aufmerksam macht. Ziel ist es, bestehende Nachhaltigkeitsinitiativen zu bündeln und ökologische, soziale und ökonomische Aspekte stärker in der Gesundheitsversorgung zu verankern.
Zu den Erstunterzeichnern gehören neben der MHH unter anderem der BKK Dachverband, die Bundesärztekammer, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, das Centre for Planetary Health Policy sowie weitere Akteure aus Gesundheitssystem, Wissenschaft und Wirtschaft. Das Papier soll dem Bundesministerium für Gesundheit und den Mitgliedern des Bundestags übergeben werden.
Pflege soll nachhaltiger organisiert werden
Für die Pflege sieht das Eckpunktepapier Handlungsbedarf insbesondere bei Prävention, wohnortnaher Versorgung und einer besseren Vernetzung der Versorgungsangebote. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich dafür aus, Gesundheitsförderung stärker auszubauen und Behandlungen möglichst dort anzubieten, wo Menschen leben. Zudem sollen digitale Angebote und Telehealth-Netzwerke dazu beitragen, Wege zu verkürzen und die Versorgung effizienter zu organisieren.
Auch ressourcenschonende Versorgungsprozesse werden als wichtiger Baustein genannt. Ziel sei, die Umweltbelastung des Gesundheitssystems zu senken, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen.
Neun Handlungsfelder benannt
Die Initiative begründet ihren Vorstoß mit den Folgen des Klimawandels für die Gesundheit sowie dem eigenen Ressourcenverbrauch des Gesundheitssystems. Das Eckpunktepapier beschreibt Handlungsbedarf in neun Bereichen, darunter Prävention, ambulante, pflegerische und stationäre Versorgung, Arzneimittel, Medizinprodukte, Digitalisierung, Transport und Abfallvermeidung.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen auch die nachhaltige Gestaltung von Kliniken sowie die Verringerung von Umweltbelastungen durch Arzneimittel und Medizinprodukte.
Forderung nach verbindlichem Rahmen
Nach Ansicht der Initiatoren reichen einzelne Projekte und freiwillige Maßnahmen nicht aus. Stattdessen brauche es politische Zielvorgaben, verbindliche Steuerungsinstrumente und eine langfristige Verankerung von Nachhaltigkeitszielen im Gesundheitssystem. Das Eckpunktepapier versteht sich als Grundlage für eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie.
Die Forderung knüpft an eine breiter werdende Debatte über die Folgen des Klimawandels für die Gesundheitsversorgung an. Erst im August hatte ein Bündnis aus Umwelt-, Sozial-, Gesundheits- und Hilfsorganisationen einen nationalen Hitzeschutzplan für die Pflege gefordert. Zuvor hatten sich Pflegekammern für verbindlichere Schutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen ausgesprochen, während die Deutsche Krankenhausgesellschaft zusätzliche Investitionen für hitzeresiliente Kliniken verlangte.
Die nun vorgelegten Eckpunkte gehen über einzelne Maßnahmen hinaus und zielen auf einen übergreifenden strategischen Rahmen für das gesamte Gesundheitssystem.