Passwort vergessen
  • News

DFK 2018

Westerfellhaus: "Ich würde erwarten, dass dieser Aufschrei aus der Pflege kommt"

Ohne Rückhalt, Unterstützung und Engagement von Pflegenden, könne auch ein Pflegebevollmächtiger der Bundesregierung nicht viel ausrichten. Das betonte Andreas Westerfellhaus am Donnerstagvormittag auf der Auftaktveranstaltung des Deutschen Fachpflegekongresses | Deutschen OP-Tags (DFK) in Münster. "Wenn ein Regierungsmitglied eine Berufsgruppe aufrufen muss ,Bitte verkammert euch', finde ich das schon bemerkenswert", sagte der Staatssekretär für Pflege vor den rund 800 Teilnehmern des Fachkongresses. "Ich würde erwarten, dass dieser Aufschrei aus der Berufsgruppe kommt." Deshalb sein Appell an alle Pflegenden: "Ich brauche Rückenwind aus der Pflege, sonst wird aus der Weiterentwicklung der Profession nichts."

Ein Pflegering funktioniert nicht als Selbstverwaltung der Pflege

Er forderte alle Pflegenden auf, sich für eine eigenständige Selbstverwaltung in Form von Pflegekammern stark zu machen. "Damit wir 2019 mit der Bundespflegekammer starten können." Sonderformen wie den Pflegering in Bayern schloss er dabei aus. "Bitte keine Mogelpackung, die funktioniert nicht als Selbstverwaltung."

Wenn Pflegende sich nicht einmischten, brauche die Profession sich auch nicht zu wundern, dass manche Entscheidungen getroffen würden, die aus pflegerischer Sicht nicht tragfähig seien.

Westerfellhaus wies aber auch darauf hin, dass die Rahmenbedingungen in der Pflege und im Gesundheitssystem insgesamt nur berufsgruppenübergreifend verbessert werden könnten. Allerdings: Ohne professionell Pflegende könne Pflegebedürftigen nicht geholfen werden. Der Fachkräftemangel bereite ihm derzeit deshalb große Sorge. Es müsse alles daran gesetzt werden, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

"Dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen, liegt nicht am Beruf, sondern die Rahmenbedingungen kann man ändern. Dazu braucht man Tarifpartner, Arbeitgeber, Gesetzgeber und vor allem die Profession selbst."

Pflegende brauchen mehr Berufsautonomie

Was geändert werden müsse, sei beispielsweise, Pflegenden Berufsautonomie zuzugestehen. Pflegende seien hochqualifiziert ausgebildet, dürften in der Praxis ihr Wissen aber nicht einsetzen.

"Die Ausbildung und Qualifizierung von Pflegenden so wie sie bislang läuft, hat mit dem, was ich darunter verstehe, nichts zu tun", sagte Westerfellhaus. Aufgrund fehlender Praxisanleitung würden deshalb auch viele der Pflege den Rücken kehren, bevor sie überhaupt richtig angefangen hätten, in der Profession zu arbeiten.

Wichtig seien Schritte, die diese Personen wieder zurück in den Beruf holten. In diesem Zusammenhang wies der Pflegebevollmächtigte auf bereits von ihm genannte Vorschläge hin, Pflegenden Prämien zu zahlen oder ihnen für 80 % Arbeit 100 % Lohn zu zahlen.

Auch die Akademisierung der Pflege sei in diesem Zusammenhang ein wichtiger Baustein. "Dabei geht es nicht darum, ,little doctor‘ zu sein, sondern ,big nurse‘", so Westerfellhaus. Dazu müssten die Aufgaben zwischen Gesundheitsberufen neu verteilt werden. Die künftige Gesundheitsversorgung könne eine Berufsgruppe allein nicht stemmen. Dazu seien interprofessionelle Teams nötig. Dieser Ansatz müsse noch stärker in der Qualifizierung berücksichtigt werden.

Westerfellhaus zum Ehrenmitglied der DGF ernannt

Letztlich sei Westerfellhaus, der selbst eine Pflegeausbildung absolviert hat, engagiert und motiviert, auch gegen Widerstände seine Pläne gegen den Pflegenotstand durchzusetzen. "Angst davor habe ich keine, manchmal vielleicht Respekt, auf jeden Fall aber jede Menge Ideen, wie man es angehen könnte."

Für dieses unerlässliche Engagement in der Pflege, das Westerfellhaus schon in vergangenen Jahren als Präsident des Deutschen Pflegerats bewiesen hatte, wurde er auf dem DFK zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) ernannt.

Die DGF ist gemeinsam mit dem Bibliomed-Verlag Veranstalter der Fachtagung.

Noch bis Samstag haben interessierte Fachpflegende Zeit, nach Münster zu kommen. Für Kurzentschlossene hält das Tagungsbüro noch Restkarten zur Verfügung.

 

 

 

Unsere Zeitschriften


DIE SCHWESTER DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester Der Pfleger -
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Pflegen­Intensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten