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Kassen relativieren Pflegenotstand

"Insgesamt gute Ergebnisse" in der Qualität attestiert der 5. Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Diensts (MDS) des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) deutschen Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. Der Report bestätige nicht die Berichte in den Medien über erhebliche Qualitätsmängel, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick, als er die Ergebnisse am Donnerstagmittag in Berlin vorstellte. Die in der Öffentlichkeit dargestellten Missstände würden "unzulässig verallgemeinert". Pick wandte sich auch gegen Pläne für ein System umfassender Personalvorgaben und ein "Gießkannenprinzip". Wichtiger seien zielgerichtete Vorgaben, etwa für den Nachtdienst. "Auf einer Station sollten nachts mindestens zwei Pflegepersonen anwesend sein", forderte er.

Pick sprach von deutlichen Verbesserungen in der Pflege-Qualität im Vergleich zu dem vorausgehenden Report des Jahres 2013. Die Daten aus dem Jahr 2016 zeigten beispielsweise, dass mittlerweile 92 Prozent der Einrichtungen systematisch Konzepte zur Prophylaxe gegen Stürze hätten (2013: 86 Prozent, 2010: 71 Prozent). Eine Dekubitusprophylaxe hätten 81 Prozent (2013: 76 Prozent, 2010: 60 Prozent). Handlungsbedarf sehe er unter anderem bei der Behandlung von chronischen Wunden und von Dekubitus, hier habe es seit 2010 keine Verbesserung gegeben, ein Viertel der Häuser habe hier Defizite.

Das bisherige System der Pflegenoten sei zurecht in der öffentlichen Kritik gestanden. Die künftige Qualitätsmessung für den stationären Bereich werde auf drei Säulen basieren:

  1. Qualitätsrelevante Informationen etwa über die personelle Ausstattung, die aber nicht bewertet werden,
  2. Ergebnisse der Qualitätsprüfungen zu Aspekten wie medikamentöse Therapie, die vom MDS bewertet werden und
  3. Ergebnisse der Qualitätsindikatoren, die von den Einrichtungen zweimal pro Jahr erhoben werden und nach einem noch festzulegenden Verfahren extern auf Plausibilität geprüft werden sollen.

Ziel sei eine Umsetzung bis Ende 2018.

Deutlich kritischer bewertete der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, die Ergebnisse des Reports. Er lege "erneut zahlreiche Mängel offen". Erstaunlich sei jedoch, dass nur ein Bruchteil davon in der offiziellen Behandlungs- und Pflegefehlerstatistik des MDS zu finden sei. Laut Qualitätsbericht litten hierzulande unter chronischen Schmerzen rund 600.000 Pflegebedürftige, die im Heim oder durch einen Pflegedienst versorgt würden (die Stiftung hat nach Angaben ihres Sprechers die repräsentative Stichprobe des MDS auf alle Pflegebedürftigen hochgerechnet). "Über 20 Prozent bekommen aber keine Hilfe, weil ihre Schmerzen nicht erkannt werden", bemängelte Brysch. Das seien 130.000 Menschen.

Im Gegensatz dazu weise die Behandlungsfehlerstatistik des MDS insgesamt nur 350 Fehler in der Pflege aus. Der Bericht zeige auch, "dass die Pflegebedürftigen unter der Überlastung der Pflegekräfte leiden", stellte Brysch klar. "Bei 90.000 Pflegeheimbewohnern ist die Versorgung mit Medikamenten fehlerhaft. Darüber hinaus werden viel zu viele Menschen im Pflegeheim immer noch fixiert. Bei tausenden Bewohnern fehlt sogar die vorgeschriebene Genehmigung dazu."

Deutlich verschlechtert habe sich auch die Versorgung von ambulant versorgten Beatmungspatienten. Wenn ein Viertel dieser Schwerstkranken keine fachgerechte Pflege erhalte, sei das ein Alarmsignal. "Es ist entsetzlich, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) diese Freiheitsberaubungen und schwerste Pflegemängel nicht zur Anzeige bringt. Viel zu sehr beschränken sich die Pflege-Qualitätsberichte auf kalte Buchhalterei."

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