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  • 03.05.2018
  • Management

Wettbewerb um Pflegepersonal

"Fachweitergebildete Pflegende erhalten fünf Prozent mehr Gehalt"

Im Wettbewerb um Pflegende geht eine Krankenhausgruppe im Ruhrgebiet einen ungewöhnlichen Weg: Die St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr in Herne zahlen speziell ausgebildeten Fachkräften freiwillig mehr Gehalt. Darüber sprachen wir mit Geschäftsführer Theo Freitag. 

Warum zahlen Sie Pflegefachpersonen mehr Geld als ihnen tariflich zustehen würde?

Speziell ausgebildete Pflegende erhalten bei uns fünf Prozent mehr Gehalt. Damit möchten wir ihnen nicht nur unsere Wertschätzung zeigen, sondern auch demonstrieren, dass es sich lohnt, sich berufsbegleitend weiter zu qualifizieren und zu spezialisieren. Parallel möchten wir mit der Gehaltserhöhung die Attraktivität unserer Krankenhausgruppe als Arbeitgeber für Pflegekräfte weiter steigern.

Sie sprechen von „speziell ausgebildeten Pflegenden“, die von dem höheren Gehalt profitieren. Welche Voraussetzungen müssen Pflegende erfüllen?

Die Gehaltserhöhung erhalten fachweitergebildete Pflegende. Dies sind examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, die sich mit einer zweijährigen berufsbegleitenden Fachweiterbildung auf besondere Bereiche der Pflege spezialisiert haben. Hierzu zählen etwa Spezialisten, die auf der Intensivstation oder in der Endoskopie tätig sind, aber auch Pflegekräfte, die sich auf die Versorgung von Krebspatienten spezialisiert haben.

Wie viele Pflegende betrifft das aktuell?

Das betrifft derzeit insgesamt zehn Prozent der rund 2.200 Pflegekräfte in unseren Häusern.

Die höheren Löhne steigern auch die Gesamtkosten der Klinik. Woher nehmen Sie das zusätzliche Geld?

Mit der Behandlung eines Patienten erbringen wir medizinische und pflegerische Leistungen. Diese werden von der gesetzlichen oder der privaten Krankenkasse des Patienten bezahlt. Die Preise für die einzelnen Leistungen können wir nicht selbst festlegen, dies macht die Politik. Neben diesen Zahlungen erhalten wir ergänzende Zahlungen des Landes – zum Beispiel für Investitionen, weil diese nicht Teil der Preise für medizinische und pflegerische Leistungen sind. Mit diesem Geld müssen wir haushalten. Für uns geht es immer darum, die Qualität für unsere Patienten zu optimieren. Dafür muss man investieren können. Daher haben wir unsere Kosten konsequent im Blick. Als Gruppe gelingt es uns – Dank großer Einkaufsmengen an vielen Stellen – die Preise bei gleichbleibender Materialqualität zu optimieren. Dies ermöglicht es uns aktuell, die Lohnerhöhung zu finanzieren. Wir sind mit diesem Schritt jedoch auch in Vorleistung gegangen und fordern, dass die Politik endlich handelt: Die Leistungen der Pflegekräfte müssen besser bezahlt werden.

Können Sie mit diesem Ansatz aktuell all Ihre Pflegestellen besetzen?

Um unsere Pflegestellen gut zu besetzen, bilden wir seit Jahren Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger aus. Aus diesem Grund betreiben wir eine eigene Krankenpflegeschule. Die Zahl der Pflegekräfte, die wir ausbilden durften, war bisher beschränkt. Dies ändert sich nun. So planen wir die aktuell 270 Ausbildungsstellen innerhalb der nächsten drei Jahre zu verdoppeln. Insbesondere durch die eigene Ausbildungseinrichtung ist es uns bisher gut gelungen, freiwerdende Stellen nachzubesetzen. Wenn wir erfahrene Pflegekräfte suchen, merken wir heute, dass es länger dauert bis wir diese Stellen besetzen können. Die Gehaltserhöhung für fachweitergebildete Pflegekräfte ist nun ein weiterer Schritt den wir gehen, um bisherige Mitarbeiter zu binden und neue Mitarbeiter zu finden. Mit diesem Ansatz möchten wir aber auch einen Anreiz schaffen, damit Pflegekräfte sich weiterqualifizieren.

 

Die Krankenhausgruppe

Die St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr ist eine kirchliche Gruppe von Akutkrankenhäusern und Fachkliniken der maximalen Breitenversorgung, Altenpflegeeinrichtungen, Hospizen und diversen Schulungseinrichtungen. Die Standorte in Herne und Witten stellen mit derzeit über 4.300 Mitarbeitern und mehr als 1.500 Planbetten die überregionale Versorgung im Ruhrgebiet sicher.

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