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  • 19.04.2018
  • Management

Uniklinik Mannheim schafft Pflegedirektion ab

"Wertschätzung der Pflege ist nicht vom Titel 'Pflegedirektion' abhängig"

Die Universitätsklinik Mannheim schafft die Position des Pflegedirektors mit sofortiger Wirkung ab. Über die Gründe sprachen wir mit Professor Dr. med. Frederik Wenz, Geschäftsführer des Universitätsklinikums Mannheim.


Herr Professor Wenz, was sind die Gründe für die Entscheidung, die Position der Pflegedirektion in Ihrem Klinikum abzuschaffen?

Ziel der Neuorganisation der Pflege am Universitätsklinikum Mannheim ist es, diesen wichtigen Leistungsbereich zukunftssicher und flexibel aufzustellen, um auch künftig angemessen auf aktuelle Herausforderungen wie den Fachkräftemangel oder neue gesetzliche Vorgaben reagieren zu können. Dazu haben wir in den vergangenen Monaten eine neue Ressort- und Departmentstruktur etabliert, mit der zum Beispiel ein Ausfallsmanagement über mehrere Stationen hinweg leichter möglich ist. Andererseits wollen wir die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzten im Sinne integrierter Versorgungskonzepte weiter vertiefen. Dafür wurde der Geschäftsbereich Pflege mit seinen fünf Pflegedepartements jetzt unmittelbar der Geschäftsführung zugeordnet. Dabei wurde eine Hierarchieebene, die Stelle des Pflegedirektors, entfernt und so die Pflegedepartements organisatorisch aufgewertet. Bereits zuvor hat der Pflegedirektor an den Ärztlichen Geschäftsführer berichtet, der Teil der zweiköpfigen Geschäftsführung ist. Zukünftig werden Sprecher und stellvertretender Sprecher der Departments in der Krankenhausbetriebsleitung vertreten sein. Dies führt zu einer Aufwertung der Pflege in diesem Gremium.

Wie haben die pflegerischen Mitarbeiter an Ihrem Klinikum auf diese Entscheidung reagiert?

Ein Teil der Pflegemitarbeiter hat die Neuorganisation und ihre Ziele nachvollzogen und unterstützt sie. Ein anderer Teil hat auf die Veränderung mit Unverständnis reagiert. Möglicherweise wurde missverstanden, dass die Pflege der ärztlichen Direktion unterstellt werden würde und dass der Geschäftsbereich Pflege aufgelöst werden solle. Beides ist – entgegen anderslautender Medienberichte – nicht geplant. Diese Kollegen wollen wir, unter anderem in einer Betriebsversammlung und zahlreichen persönlichen Gesprächen, über den geplanten Zielzustand und seine Vorteile für die Patienten und das Haus informieren. So sollen alle Mitarbeiter in die weitere Restrukturierung eingebunden werden.

Von vielen Pflegenden wird ein solches Vorgehen als mangelnde Wertschätzung der pflegerischen Berufsgruppe gewertet. Befürchten Sie nicht ein Abwandern von Pflegenden in andere Kliniken?

Der Berufsstand der Pflege im Allgemeinen und die Pflegekräfte im Besonderen verdienen und haben unsere höchste Wertschätzung. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung und Gesundung der Patienten, daher die verstärkte Einbindung in die Führungsstruktur des Krankenhauses. Wir wollen die Zusammenarbeit der Berufsgruppen im Sinne integrierter Versorgungskonzepte weiter verstärken und vertiefen. Das ist sowohl im Interesse der Patienten als auch im Interesse der Pflegekräfte und Ärzte.

Wie wollen Sie künftig – unter ärztlicher Leitung – Initiativen zur Qualitätssteigerung in der Pflege umsetzen?

Eine optimale Behandlung der Patienten setzt eine enge Vernetzung und Zusammenarbeit von pflegerischen und ärztlichen Behandlern voraus. Daher werden die Leitungen der Pflegedepartments auch weiterhin Pflegestandards erarbeiten und umsetzen, die – gemeinsam mit ärztlichen Behandlungsstandards – zu einer weiteren Qualitätssteigerung der medizinischen Versorgung insgesamt führen werden. Die Pflege steht auch weiterhin nicht unter ärztlicher Leitung.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Pflege – als größte Berufsgruppe an Ihrem Klinikum – die Aufwertung erfährt, die bei dem gegenwärtigen bundesweiten Pflegemangel erforderlich ist?

Die Wertschätzung der Pflege ist ganz sicher nicht von der Existenz eines Funktionstitels "Pflegedirektion" abhängig. Vielmehr kommt es darauf an, die tägliche Arbeit der Pflege auf Augenhöhe eng mit der täglichen Arbeit der Ärzte zu verknüpfen. Wir haben zum Beispiel bereits vor einigen Monaten die Pflege in leitender Position im OP-Management auf Augenhöhe mit dem leitenden Arzt verankert und schaffen nun durch die doppelte Vertretung in der Krankenhausbetriebsleitung eine bessere Sichtbarkeit nach innen und außen. So wollen wir die hohe Bedeutung der Pflege bei der gemeinsamen Behandlung unserer Patienten unterstreichen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor Wenz. 

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