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  • 13.02.2018

Bundespflegekammer

"Bislang haben wir keine Durchschlagskraft"

Der Aufbau einer Bundespflegekammer schreitet voran. Wir sprachen mit der Vize-Präsidentin des Deutscher Pflegerats (DPR), Christine Vogler, über den Stand der Dinge und anstehende Entwicklungen.

Frau Vogler, Sie sind als DPR-Vizepräsidentin und Mitglied der Gründungskonferenz maßgeblich am Aufbau einer Bundespflegekammer beteiligt. Wann wird die Kammer offiziell ihre Arbeit aufnehmen?

Über den Starttermin entscheiden die ersten drei Landespflegekammern in Deutschland, also Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das können und wollen wir nicht entscheiden. Wer dann an der Spitze der Bundespflegekammer steht können ebenfalls nicht wir beantworten. Das wird die zu gründende Bundespflegekammer im Rahmen der entstehenden und durch die Länderkammern autorisierten Satzung und Wahl festlegen.

Sie sprechen von "wir". Welche Personen beteiligen sich am Aufbau der Bundespflegekammer?

Wir, das sind die beiden führenden Institutionen innerhalb der Gründungskonferenz: Der Deutsche Pflegerat und die erste vollständig gegründete Pflegekammer Deutschlands, die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Der DPR vertritt dabei alle beruflich Pflegenden aus jenen Bundesländern, in denen noch keine Kammer gegründet wurde. Die beiden in Gründung befindlichen Landespflegekammern Niedersachsen und Schleswig-Holstein informieren wir regelmäßig.

Was haben Sie bislang erarbeitet?

Wir haben im September 2017 begonnen, die Gründung der Bundespflegekammer vorzubereiten. Unter anderem definieren wir Ziele, erstellen Satzungsentwürfe, überlegen Finanzierungsmöglichkeiten und stellen im weitesten Sinne die Weichen für den Start. Aus der Kammer Rheinland-Pfalz sind dabei Markus Mai, Sabine Postel und Hans-Josef Börsch. Der DPR ist durch Andreas Westerfellhaus, Franz Wagner und mich vertreten. Gemeinsam diskutieren wir natürlich auch, welche berufspolitische Fokussierung die Bundespflegekammer einnehmen soll.

Warum brauchen die Pflegenden im Land überhaupt eine Bundespflegekammer?

Mit rund 1,4 Millionen Menschen sind die professionell Pflegenden die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Noch nie hatten wir in der Bundesrepublik eine Selbstverwaltung der Pflegenden, die ihre Interessen auf Bundesebene hauptberuflich und gezielt vertreten konnte. Genau das brauchen wir aber, um Pflege in den wichtigen Gremien der Gesundheitslandschaft auf Bundesebene zu verorten und Einfluss nehmen zu können.

Welche Pflegenden werden berechtigt sein, der Kammer beizutreten, sich dort zu engagieren und zu wählen?

Die Bundespflegekammer ist die Vertretung der Länderkammern. Von daher können zunächst einmal nur die Kollegen aus den Ländern hier Einfluss nehmen. Wir wollen aber die Länder ohne Kammer nicht außer Acht lassen. Da der DPR in die Vorbereitungen eingebunden ist, werden wir hier entsprechende Vorschläge erarbeiten, wie Übergänge geschaffen werden können. Gleichzeitig ist es aber umso wichtiger, dass wir in den Ländern weiter dafür kämpfen, die Landespflegekammern zu etablieren. Ein Pflegering wie in Bayern wird auf Bundesebene jedenfalls nicht vertreten sein. Das betone ich an dieser Stelle in aller Deutlichkeit. Deshalb mein Appell an die Kollegen in Nordrhein-Westfalen: Stimmen Sie für die Landespflegekammer! Dort ist eine Befragung geplant, ob die Interessensvertretung in Form einer Kammer oder nach dem bayerischen Modell erfolgen soll.

Was bedeutet die Bundespflegekammer für Sie persönlich?

Ich bin hundertprozentig für eine Bundespflegekammer. Was passiert, wenn wir uns nicht selbst adäquat vertreten, erleben heute schon die Kollegen bei ihrer täglichen Arbeit und vor allem die Pflegebedürftigen. Die vielen Erkenntnisse, Anmerkungen und Forschungen von Pflegenden haben bis heute kein adäquates Gehör gefunden und politisch haben wir keine ausreichende Durchschlagskraft. Das ist aber eine Grundvoraussetzung, um den Beruf wieder attraktiv zu machen. Zudem wird eine Bundespflegekammer dazu beitragen, die Ordnungen in den Länderkammern zu harmonisieren, etwa zum Thema Weiterbildung.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Vogler.

 

Zur Person

Christine Vogler ist seit September 2017 eine von zwei Vizepräsidentinnen des Deutschen Pflegerats, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS) sowie Schulleiterin der Wannsee-Schule in Berlin. Sie ist gelernte Krankenschwester und Diplom-Pflegepädagogin. Der Deutsche Pflegerat und die Pflegekammer Rheinland-Pfalz sind die beiden führenden Institutionen innerhalb der Gründungskonferenz für eine Bundespflegekammer.

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