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  • 08.01.2018
  • Praxis

Humor in der Psychiatrischen Pflege

Humor hilft Heilen

Humorvolle Interventionen können – richtig eingesetzt – Patienten in der Psychiatrie genesen helfen. Einige Prinzipien sollten allerdings berücksichtigt werden, will man Humor in diesem Setting anwenden.  

Humor kann trotz aller Schwere und des Leids in der Psychiatrie eine heilsame Wirkung entfalten. Humor und Lachen sind Menschenrechte, die niemandem vorenthalten und im Gegenzug eher gefördert werden sollten. Humor ist zwar kein Allheilmittel, aber: Richtig angewendet ist er äußerst wirksam und noch dazu die kostengünstigste und nebenwirkungsärmste „Pille“, die es gibt. Humor bringt uns zum Lachen und ist wahrscheinlich das beste orale Mittel gegen Burnout. Er kann Abwehr- und Selbstheilungskräfte aktivieren und stärken. Humor kann im Umgang mit Patienten, Angehörigen und Kollegen eingesetzt werden, in Einzelgesprächen sowie Gruppen, und kann sowohl Erheitern als auch Konflikte spielerisch lösen. Humor in der Psychiatrischen Pflege kann verschiedene Ziele verfolgen. So kann er etwa aufmunternd wirken, Ängste reduzieren, ablenken oder entlasten. Besonders in der Psychiatrischen Pflege sollten grundsätzlich bestimmte Punkte berücksichtigt werden, damit Humor seine positive Wirkung entfalten kann. 

Freiwilligkeit ist Pflicht

Der Einsatz von Humor in der Behandlung und Begleitung psychisch kranker Menschen muss immer freiwillig sein und von Herzen kommen. Da Lachen und Humor fast jeder Person vertraut sind, sollte beides auch wie selbstverständlich in der Psychiatrischen Pflege eingesetzt werden. 

Authentisch bleiben

Psychisch kranke Menschen haben meist ein sehr feines Gespür, wie authentisch der Gegenüber ist. Wirkt der Einsatz aufgezwungen oder unecht, kann dies die Beziehung beschädigen und Vertrauen kann verloren gehen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Abbruch der Beziehung oder Behandlung. Deshalb eignen sich humorvolle Interventionen auch nur für jene Pflegende, die selbst Spaß an Humor und dessen Einsatz haben.

Vertrauen des Patienten gewinnen

In einer tragfähigen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Patient und Pflegefachkraft können humorvolle Interventionen gemeinsam besprochen werden. So können beispielsweise humorvolle Provokationen Blockaden lösen und zu einem Perspektivwechsel verhelfen. Fehlt eine solche Beziehung als Basis, fühlt sich der psychisch kranke Mensch schnell missverstanden und nicht ernst genommen. Gegenseitiger Respekt, Wohlwollen und Warmherzigkeit sind wichtig.

Feingefühl gefragt

Humor ist in der Behandlung psychisch kranker Menschen nicht immer angebracht. Eine empathische Herangehensweise fördert das Vertrauen und eine verständnisvolle Beziehung. Fingerspitzengefühl und Sensibilität sind gefragt, wenn der Patient erstmals mit humorvollen Interventionen konfrontiert wird. Humor sollte auf keinen Fall beleidigend, verletzend oder erniedrigend wirken.

Selbstreflexion wichtig

Mit der Zeit entwickeln psychiatrische Pflegende ein Feingefühl dafür, welche humorvolle Intervention bei welchem Patienten eingesetzt werden kann und wann eher darauf verzichtet werden sollte. Dazu sollten Pflegende ihre Interventionen stets kritisch reflektieren.

Humoranamnese

Werden in der pflegerischen Anamnese bereits Fragen über Humor gestellt, hilft dies einzuschätzen, ob Humor als Intervention möglich wäre und an welchem Punkt damit angesetzt werden könnte. Manche Personen verbinden mit Humor negative Erfahrungen, weil Humor dazu missbraucht wurde, sich über die Person lustig zu machen oder sie zu hänseln. Hier sollte unbedingt darauf hingewiesen werden, dass nur mit adaptivem, also positivem Humor, gearbeitet wird, und Humor niemals eingesetzt wird, um anderen Menschen zu schaden. Auch eine aufmerksame Patientenbeobachtung kann Hinweise dazu liefern, welche Einstellung der Patient gegenüber Humor hat. Dazu sollten Pflegende die geistige Aufnahmefähigkeit und die emotionale Reife des Patienten kennen. Intellektueller Humor wird nicht immer verstanden und kann zu Missverständnissen führen. Besonders bei an Demenz erkrankten Patienten oder akuten Psychosen muss der Einsatz von Humor im Vorfeld sehr genau eruiert werden. Biografische und ethnisch-kulturelle Informationen geben zudem Aufschluss darüber, an welchem Punkt humorvolle Interventionen anknüpfen könnten. 

Starre Abläufe vermeiden

In der Psychiatrischen Pflege gibt es ständig neue Situationen, auf die es sich einzustellen und die es konstruktiv zu bewältigen gilt. Der Umgang mit psychisch kranken Menschen verlangt von Pflegenden Individualität, Flexibilität und Spontanität. Eine Arbeit nach Schema F ist nicht ratsam. Oft ergeben sich im Arbeitsalltag spontan Situationen, in denen Humor ablenken kann, erleichtert und befreit. 

Humor trainieren

Humor ist erlern- und trainierbar. Wie bei Vielem im Leben gilt auch für den Einsatz von Humor, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und es Übung braucht. Es gibt keine humorlosen Menschen. Bei manchen Personen dauert es länger, bis Humor aktiviert und genutzt werden kann. Auch Pflegende, die sich mit therapeutischen Humor auseinandersetzen, sind keine dauerhaften „Stimmungskanonen“ oder „Pausenclowns“. Sie sind in erster Linie kompetente Fachkräfte, die Humor gezielt einsetzen – je nach Gemütslage und Lebenssituation des Patienten. Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend, wenn die Intervention ihr Ziel nicht verfehlen soll. Humor kann dabei direkt, indirekt, spontan oder geplant eingesetzt werden. 

Evaluation

Es ist wichtig, die Ergebnisse humorvoller Interventionen im Team und mit dem Patienten zu evaluieren. Das dokumentiert, welche Varianten eingesetzt wurden, was damit erreicht wurde und verbessert die künftige Anwendung dieses Therapieansatzes.

Viele Pflegende in der Psychiatrie haben Angst, beim Thema Humor etwas falsch zu machen. Für manche schließen sich sogar Humor und ihr Beruf als ernsthafte Tätigkeit aus. Dabei muss das nicht so sein. Gerade Humor kann ein Zeichen für pflegefachliche Professionalität sein. Wenn der psychisch kranke Patient mit dem Humor nichts anfangen kann – und sei es nur in der gerade befindlichen Situation – sollten Pflegende Verständnis zeigen und sich gegebenenfalls entschuldigen. Das gehört zu einer Beziehung auf Augenhöhe. 

Wer mit Humor in der Psychiatrischen Pflege arbeitet, kann letztlich nur gewinnen und wird schnell erkennen, wie wirkungsvoll Humor sein kann.

Buchtipp

Humor in der psychiatrischen Pflege. Von Jonathan Gutmann, Hogrefe 2016

Autor

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