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  • 14.08.2017

Internationale Pflege

"Die Probleme der Pflege sind weltweit ähnlich"

Franz Wagner war von 2001 bis 2009 Mitglied im Board of Directors und von 2005 bis 2009 1. Vizepräsident des International Council of Nurses (ICN). Im Interview mit BlibliomedPflege resümiert der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) seine Erfahrungen.

Herr Wagner, warum ist der ICN wichtig?

ICN verfügt durch seine Mitgliedsverbände über eine globale Perspektive zur professionellen Pflege. Er ist dadurch ein wichtiger Ansprechpartner für internationale Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO.

Inwiefern haben Sie Deutschland in Ihrer Funktion als Vorstandsmitglied und 1. Vizepräsident repräsentiert?

Das erste, was ein neues Mitglied des Board of Directors lernen muss, ist, dass man in dieser Rolle nicht mehr ein Land oder einen Verband repräsentiert, sondern die ganze Welt. Dennoch bringt man als Mitglied des Vorstands ja immer seinen persönlichen Horizont mit. Im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern hat die Pflege im deutschsprachigen Raum eine abweichende Entwicklung genommen. Ich habe diese Perspektive mit in die Diskussionen und Entscheidungen eingebracht.

Inwiefern profitieren deutsche Pflegende vom ICN?

Zum einen gehören die deutschen Pflegenden - soweit sie DBfK-Mitglied sind - der globalen ICN-Familie an. Das ist eher ein ideelles Gut. Aber natürlich hat es auch für deutsche Pflegende Relevanz, wenn der ICN WHO-Entscheidungen im Sinn der Pflege beeinflussen kann, da die Mitglieder der WHO - also die Staaten - an deren Entscheidungen gebunden sind. Mit dem Motto des Internationalen Tags der Pflegenden und dem zugehörigen Material bietet der ICN eine glänzende Vorlage für nationale Initiativen. Der Council produziert Positionspapiere, die wir meist ins Deutsche übersetzen. Diese sind beispielsweise für unsere Lobbyarbeit oder Aktionen relevant.

Der ICN ist einst gegründet worden, um weltweit gleich gute Bedingungen für den Pflegeberuf zu schaffen. Ist dieses Ziel erreicht worden?

Es ist noch ein langer Weg, bis dies weltweit erreicht ist. In vielen Ländern ist das bereits geschehen. Deutschland steht da leider nicht ganz so glänzend da. Allerdings sind nach meiner internationalen Erfahrung die Grundprobleme der Pflegefachpersonen weltweit gleich - zumindest fast überall: Erstens gibt es immer Spannungen mit den Ärzten, zweitens wird das große Potenzial von Pflegefachpersonen unterschätzt, drittens werden Pflegefachpersonen schlechter bezahlt als vergleichbar verantwortungsvolle Berufe. Es gibt nur Unterschiede im Niveau des Problems.

Je wirtschaftlich schlechter ein Land da steht, desto schlechter sind auch die Bedingungen im Pflegeberuf - stimmt diese Gleichung?

Das stimmt tendenziell. Ich würde aber eher formulieren: Je schlechter ein Land wirtschaftlich dasteht, desto schlechter ist die Gesundheit der Menschen in diesem Land. Da spielt auch die Pflege eine Rolle.

Welche Länder haben aus Ihrer Sicht gute Bedingungen in der Pflege?

Da fallen mir zuerst die skandinavischen Länder ein und Kanada. Schlechte Bedingungen wiederum bestehen vor allem in Afrika, in den Kriegs- und Krisengebieten im Nahen Osten, aber auch verbreitet in Lateinamerika. Überall dort, wo Armut, Krieg und Chaos herrschen, fehlen auch Geld oder Fachleute für die Gesundheitsversorgung.

Herr Wagner, vielen Dank für das Interview.

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