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  • 26.07.2017

Allianz für Gesundheitskompetenz

"Wir müssen so kommunizieren, dass alle Patienten es auch verstehen"

Der Deutsche Pflegerat (DPR) ist Mitunterzeichner der „Allianz für Gesundheitskompetenz“. Was das konkret bedeutet, haben wir DPR-Vizepräsident Franz Wagner gefragt. 

Was ist konkret Aufgabe des DPR innerhalb der Allianz und welche Schritte stehen jetzt an? 

Jedes Mitglied der Allianz hat sich konkrete Maßnahmen überlegt. Der Schwerpunkt des DPR liegt bei der Öffentlichkeitsarbeit, der Aufnahme des Themas Gesundheitskompetenz in Curricula und Fortbildungsprogramme insbesondere zum Thema ‚Red flags‘. Bei Letzterem geht es darum, das Sachverständnis zu erhöhen, Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz zu identifizieren.  

Ist aktuell die Patientensicherheit gefährdet, weil die Kommunikation zwischen Patienten, Pflegenden und Ärzten nicht stimmt? 

Nein, und das ist ja auch nicht die Begründung für die Allianz. Deren Fokus liegt auf einer verbesserten Gesundheitskompetenz der Betroffenen. Es geht darum, wie Menschen identifiziert werden sollen, die hier besondere Unterstützung brauchen. Genauso geht es auch darum, wie kommuniziert werden kann, damit Betroffene besser in die Lage versetzt werden, Verantwortung für ihr Gesundheitsverhalten zu übernehmen. 

Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil des Pflegeberufs. Läuft also schon etwas in der Ausbildung schief, wenn hier jetzt Defizite behoben werden sollen – und das zudem schon seit Jahren? 

Natürlich sind Kommunikation und Informationsweitergabe grundsätzlich wichtige Faktoren, um die Qualität der Versorgung zu sichern. Hier gibt es immer Verbesserungsbedarf, sowohl zwischen Betroffenen und Profis als auch zwischen den Berufen. Wobei die Pflege hier im Vergleich gut dasteht. Kommunikation ist seit vielen Jahren ein wichtiger Punkt in der Ausbildung. Verbesserungswürdig ist die interprofessionelle Kommunikation sowie die Kommunikation und Informationsweitergabe über Schnittstellen hinweg.

Was zeichnet eine gute und patientensichere Kommunikation aus? 

Gute und sichere Kommunikation ist gekennzeichnet von einer Sprache, die die Betroffenen verstehen können, die sich also in der Wortwahl ihrer Situation und Aufnahmefähigkeit anpasst. Wir machen zu oft den Fehler, zu glauben, dass einmal gesagt gleich verstanden bedeutet. Es muss deshalb überprüft werden, was die Betroffenen verstanden haben und ob sie damit etwas anfangen können. Wir müssen also so kommunizieren, dass alle Patienten es auch verstehen. 

Brauchen Pflegende künftig eine Art "Kommunikationsführerschein"? 

Das halte ich weder für erforderlich noch für machbar. Besser ist es, regelmäßig das Wissen zu aktualisieren und sich auch Rückmeldungen von Kollegen einzuholen. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wagner. 

Allianz für Gesundheitskompetenz

15 Verbände und politische Institutionen haben im Juni 2017 beschlossen, gemeinsam die Gesundheitskompetenz der Bürger zu verbessern. Dazu hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit den beteiligten Partnern eine gemeinsame Erklärung zur Gründung einer "Allianz für Gesundheitskompetenz“ unterzeichnet. Darin verpflichten sich die Partner, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, um das Gesundheitswissen der Menschen hierzulande zu verbessern und umzusetzen. Denn nur wer gut informiert sei, könne Gesundheitsrisiken vermeiden und im Krankheitsfall durch eigenes Verhalten zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen, sagte Gröhe zur Begründung. Doch es sei nicht immer einfach, im Dickicht der oft unverständlichen Gesundheitsinformationen den Durchblick zu bewahren.

Neben Bundesgesundheitsministerium und Deutscher Pflegerat gehören unter anderem auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Gesundheitsministerkonferenz der Länder der Allianz an. 

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