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  • 27.06.2017

Bundestagswahl 2017

"Fenster für die Pflege ist offen"

VPU-Vorstandsvorsitzender Torsten Rantzsch, 49, über die Wahlforderungen des Managementverbandes, die Unsinnigkeit von starren Personalgrenzen und die neue Offenheit der Politik für das Thema Pflege.

Herr Rantzsch, wissen Sie schon, welcher Partei Sie im September 2017 Ihre Stimme geben werden? 

Nein, dafür ist es jetzt noch zu früh (lacht). Als Pflegedirektor und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Düsseldorf und als Vorstandsvorsitzender des VPU werde ich aber sehr genau beobachten, wie sich die Parteien in den nächsten Wochen zu pflegerischen und gesundheitspolitischen Themen positionieren. Welche Rolle spielt die Pflege? Welche gesundheits- und pflegepolitischen Themen greifen die Parteien auf? Ich werde also die Wahlprogramme gut studieren und dann kurz vor der Wahl meine Entscheidung treffen.

Sie machen Ihre Entscheidung also vor allem von den pflege- und gesundheitspolitischen Themen der Parteien abhängig?

Nein, ich treffe meine Entscheidung gleichermaßen als Privatperson, Manager und Berufspolitiker. Von daher kommen drei Perspektiven zusammen, die es zu vereinen gilt. Wichtig ist mir vor allem: Wie verlässlich stehen die Parteien zu ihrem Wort? Wo sind Zugeständnisse und damit Abweichungen von den im Wahlprogramm gegebenen Versprechen zu befürchten?

Der VPU hat fünf zentrale Forderungen an die Parteien formuliert (s. Kasten). Welcher Punkt ist Ihnen davon am wichtigsten?

Zwei Punkte sind mir besonders wichtig: zum einen die systematische Errichtung von Pflegekammern auf Landes- wie auf Bundesebene, zum anderen eine bedarfsorientierte Personalausstattung. Wir brauchen dringend eine gesetzlich verbindliche Regelungsgrundlage, um die bestehende Arbeitsüberlastung und Qualitätsmängel zu beheben oder zumindest auf ein vertretbares Maß zu reduzieren. 

Ist dieser Punkt nicht mit den jüngst beschlossenen Personaluntergrenzen abgehakt?

Nein, noch ist ja überhaupt nicht klar, wie diese Personaluntergrenzen aussehen werden. Bis zum 30. Juni 2018 sollen Untergrenzen für pflegesensitive Bereiche festgelegt werden. Aber welche Bereiche sind überhaupt pflegesensitiv? Diese Formulierung ist ja sehr offen gehalten. Wir vom VPU sind klare Gegner von starren Grenzen.

Warum?

Die Personalausstattung muss sich am tatsächlichen Bedarf orientieren. Dieser hängt nicht alleinig von der Anzahl, sondern von der individuellen Fallschwere der jeweiligen Patienten ab. Stellen Sie sich eine Station vor, bei der eine Personaluntergrenze von vier Pflegenden pro Spätdienst festgelegt ist. Jetzt meldet sich eine Pflegeperson kurzfristig krank, auf die Schnelle ist kein Ersatz zu bekommen. Nach der Logik von starren Personalgrenzen müssten jetzt für diesen Spätdienst ein oder mehrere Patienten auf eine andere Station verlegt werden. Das ist weder sinnvoll für die betroffenen Patienten noch für das Pflegepersonal. Deshalb setzen wir uns als VPU für eine Personalausstattung ein, die tatsächlich am Bedarf orientiert ist.

Pflegende möchten wahrscheinlich mehr Zeit für Patienten, eine bessere Entlohnung und mehr Kollegen. Ihre Forderungen an die Politik klingen da sehr abstrakt. Warum haben Sie diese nicht aus der Perspektive von Pflegenden formuliert?

Sie haben völlig Recht, beruflich Pflegende möchten mehr Zeit für Patienten, und dafür braucht es mehr Kollegen. Das wollen wir auch. Es genügt aber nicht, lediglich mehr Pflegekräfte einzustellen – es braucht darüber hinaus einen gut geplanten, sinnvollen Mix unterschiedlicher Qualifikationsstufen. Unsere Aufgabe als Managementverband ist es, diese Interessen gegenüber der Politik zu vertreten. Das erfordert eine andere Sprache. Unsere Wahlforderungen – unter anderem die Nachweispflicht für Mittelverwendung und bedarfsorientierte Personalausstattung – sollen genau das sicherstellen, nämlich dass vorhandene Gelder auch in der Pflege ankommen. Wir möchten, dass die Parteien diese Punkte auch in ihre Wahlprogramme aufgreifen.

Wie hat die Politik auf Ihre Wahlforderungen reagiert?

Sehr positiv. Sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch auf Bundesebene haben die Abgeordnetenbüros sehr interessiert auf unsere Forderungen reagiert. Sie haben angerufen, konkrete Nachfragen gestellt und um Hintergrundgespräche gebeten. Wir vom VPU repräsentieren etwa 60.000 Pflegende an deutschen Universitätskliniken. Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für eine qualitätsorientierte Pflege zu verbessern. Ob Generalistik oder Akademisierung – das politische Fenster für die Pflege steht im Moment offen. Das müssen wir nutzen!

Bundestagswahl 2017: Was der VPU fordert

Der Verband der Pflegedirektorinnen und -direktoren der Universitätskliniken und medizinischen Hochschulen Deutschlands (VPU e.V.) hat kürzlich seine Wahlforderungen im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl vorgestellt. Die zentralen Themen und Forderungen des Managementverbands sind: 

  • Bedarfsorientierte Personalausstattung
  • Nachweispflicht für Mittelverwendung
  • Verabschiedung des Pflegeberufegesetzes
  • Akademisierung der Pflegeberufe
  • Errichtung von Pflegekammern auf Landes- und Bundesebene

Die vollständigen Wahlforderungen des VPU finden Sie unter www.vpu-online.de

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