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  • 31.05.2017

ICN-Kongress 2017

Aiken: "Deutschland sollte mehr in Pflege investieren"

Die US-amerikanische Pflegewissenschaftlerin Linda Aiken ist auf dem diesjährigen Kongress des International Council of Nurses (ICN) mit dem Christiane-Reimann-Preis ausgezeichnet worden. Dieser wird vom ICN alle vier Jahre für besondere Verdienste um die Pflegeprofession vergeben. Die Begründung der Jury: Aikens Studien aus den Jahren 2002 und 2006 haben die Pflege nachhaltig positiv beeinflusst. Wir haben Aiken im Rahmen des Kongresses getroffen.

Frau Aiken, Gratulation zur Auszeichnung! Sie haben nachgewiesen, dass zwischen der Personalausstattung in der Pflege, der Ausbildung von Pflegenden und den Arbeitsbedingungen für Pflegende sowie der Sterblichkeit der Patienten ein direkter Zusammenhang besteht. Deutschland hat in diesen Punkten Nachholbedarf - müssen wir uns Sorgen um die Patienten machen?

Das nicht, aber Deutschland sollte definitiv mehr in Pflege investieren. Denn damit ließen sich Patientenoutcomes verbessern und die Patientenmortalität reduzieren. Ich denke, dass die aktuellen Probleme der Pflege in Deutschland viel mit der Einführung des DRG-Systems zu tun haben. In den USA ist es nach Einführung der Fallpauschalen 1981 zu ähnlichen Effekten gekommen. Doch irgendwann wurde gegengelenkt, als sich negative Auswirkungen zeigten. Das sollte Deutschland auch tun.

Auf den Punkt gebracht: Was ist wichtig, um gute Patientenoutcomes zu erreichen?

Der wichtigste Punkt: Je mehr Pflegende eingesetzt werden, desto besser sind die Patientenoutcomes. Ebenso wirken sich eine gute, möglichst akademische Ausbildung von Pflegenden, und gute Arbeitsbedingungen für Pflegende positiv auf die Pflegequalität aus. Regierungen in aller Welt sind also gut beraten, möglichst viele Pflegende einzustellen und Geld hierfür bereitzustellen. Das ist allein aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Denn die negativen Auswirkungen schlechter Personalschlüssel, wie Krankenhausinfektionen, sind viel teurer.

Wie steht es um die Pflege in Ihrem Land, den USA?

Ausgezeichnet! Pflege in den USA hat enorme Fortschritte gemacht in den vergangenen Jahren. Unser Akademisierungsgrad liegt aktuell im Durchschnitt bei 60 Prozent, wobei 30 Prozent der Krankenhäuser bereits 70 Prozent oder mehr Pflegende mit Studienabschluss beschäftigen. Angestrebt wird ein Akademisierungsgrad von 80 Prozent, den wir früher oder später erreichen werden. Die Personalschlüssel in der Pflege und Arbeitsbedingungen generell sind zudem verbessert worden. Das hängt sicherlich auch mit den Studienergebnissen von mir und meinen Kollegen zusammen. Es ist toll, wenn Pflegeforschung dazu beiträgt, Politik zugunsten der Pflegenden zu beeinflussen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Aiken. 

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