• 13.04.2026
  • Themennewsletter
Einarbeitung nach der Pflegeausbildung

Sanfter Berufsstart

Vertiefungsprogramm für Pflegeabsolventen: Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem erweitert Kompetenzen in Innerer Medizin und Intensivpflege für spezialisierte Karrierewege.

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 12/2025

Seite 72

Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem bietet für Absolventinnen und Absolventen der generalistischen Pflegeausbildung ein Vertiefungsprogramm an, um Kompetenzen fachspezifisch weiterzuentwickeln – zunächst in der Inneren Medizin und in der Intensivpflege.

Die neue Pflegeausbildung bietet viele Vorteile: Erstmals ist die internationale Anschlussfähigkeit gewährleistet. Die Absolvent:innen sind aufgrund ihrer breit angelegten Ausbildung zudem in der Lage, Menschen aller Altersstufen kompetent zu versorgen. Das ist ein großer Pluspunkt sowohl für uns als Universitätsklinikum als auch für andere Versorgungs­träger.

Wissenslücken gezielt schließen

Die generalistische Ausrichtung bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich: Die größere inhaltliche Breite der Ausbildung geht – zwangsläufig – mit einer Reduktion der fach­lichen Tiefe einher. Kliniken stehen daher in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Absolventinnen und Absolventen dennoch gut in den Berufsalltag starten können. Hier setzt „speziV“, das neue Spezialisierungsprogramm der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL), dem ehemaligen Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, an. Es hat zum Ziel, vorhandene Wissenslücken gezielt zu schließen und Unsicherheiten beim Übergang in die Berufspraxis zu reduzieren. Das Programm adressiert Absolvent:innen, die in den Arbeitsalltag starten und sich nicht selten mit einem Gefühl der Überforderung konfrontiert sehen. Daher soll „speziV“ nicht nur die nötigen Fachkenntnisse vermitteln, sondern die jungen Kolleg:innen auch auf persönlicher Ebene unterstützen.

Das Programm ist auf sechs Monate angelegt und startet mit einer intensiven Einführungswoche, in der die Teilnehmenden die Abläufe im Klinikalltag kennenlernen und erste Sicherheit in der Praxis gewinnen. Diese Phase erfolgt in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Praxisanleiter:innen und Pflegeexpert:innen. Über den gesamten Zeitraum hinweg durchlaufen die Teilnehmenden kontinuierliche Evaluationssequenzen, die sowohl die fachliche als auch persönliche Entwicklung begleiten. Daran schließen sich wöchentliche Trainings an, die sich mit zentralen Themen der Intensivpflege und Inneren Medizin befassen – von spezifischen Krankheitsbildern bis zu komplexen Pflegesituationen. Dabei stehen praktische Anwendung und direkte Umsetzbarkeit im Alltag im Mittelpunkt. Daher finden die Veranstaltungen im Simulationslabor der MUL statt. Ein geschützter Raum zum Lernen, Fehlermachen und Gemeinsam-Reflektieren.

Fluktuation senken

Auftrag unserer Akademie ist es, mit einer guten Ausbildung eine ausreichende Anzahl von Pflegefachpersonen für die Versorgungs­herausforderungen der Zukunft sowohl in unserem Universitätsklinikum als auch der Region zu gewährleisten. Aus diesem Grund sind die Akademie und damit die Schulen für Gesundheitsfachberufe dem Vorstandsressort Pflege zugeordnet. Ausbildung allein reicht jedoch bereits seit einigen Jahren nicht mehr aus – medizinische Spezialisierung, zunehmende Komplexität in Prozessen und Abläufen, aber auch der zunehmende Digitalisierungsgrad machen einen lebenslangen Lernprozess unumgänglich.

Die Pflegeausbildung stellt eine Basis- oder Grundausbildung dar und muss ergänzt werden durch Vertiefungs- und Spezialisierungsmodule, die sich an unseren Versorgungsbereichen im Klinikalltag orientieren. Dadurch kann gewährleistet werden, dass der Übergang von der Ausbildung in die beruf­liche Praxis gut gelingt und die jungen Kolleg:innen auch in herausfordernden Situa­tionen gut vorbereitet unsere Patient:innen versorgen können. Ein erheblicher Mehrwert des Programms ist der intensive Austausch von Kolleg:innen unterschiedlicher Berufsgruppen, Stationen und Kliniken, wodurch das gegenseitige Verständnis gefördert wird. Vor allem aber soll mit „speziV“ vermieden werden, dass gut ausgebildete Pflegefachpersonen bereits nach kurzer Zeit nach der Ausbildung das Handtuch werfen. Sonst tritt der „Worst Case“ ein: Die jungen Menschen verlassen die Einrichtung oder orientieren sich beruflich um. Das kann sich gerade eine Universitätsmedizin nicht leisten.

Neue Zielgruppen geplant

Nach den ersten Programmdurchgängen zeigt sich bereits deutlich: Die Teilnehmenden schätzen die Möglichkeit, stationsübergreifende Kontakte zu knüpfen. Die daraus entstandene fachliche und persönliche Vernetzung stärkt nicht nur das Selbstvertrauen und sinnstiftende Arbeit, sondern auch den Zusammenhalt im Team.

Die individuelle Begleitung über sechs Monate ist der Schlüssel, um nicht nur fachlich in der Patientenversorgung, sondern auch emotional im Beruf anzukommen. Gleichzeitig sehen wir, wie durch das Programm das Zugehörigkeitsgefühl zur Einrichtung wächst – das stärkt das Team nachhaltig. Am Ende des Programms findet immer eine Abschlussrunde statt. Hier werden berufliche Perspek­tiven, Spezialisierungsmöglichkeiten und weitere Fortbildungsangebote an der Universität besprochen. So leistet „speziV“ einen konkreten Beitrag zur Mitarbeiterbindung und Personalentwicklung.

Der Erfolg der ersten Durchläufe hat dazu geführt, dass das Programm verstetigt und künftig auch für neue Zielgruppen geöffnet wird. Im nächsten Durchgang können erstmals auch Pflegefachpersonen aus anderen Versorgungsbereichen teilnehmen, etwa beim Wechsel von der ambulanten Pflege oder der Langzeitpflege in den klinischen Bereich.

Zudem reagiert das Projektteam auf eine vielfach geäußerte Rückmeldung aus dem Kollegium: Auch langjährige tätige Pflegefachpersonen können künftig an ausgewählten Thementagen teilnehmen, wenn sie sich für spezifische Inhalte interessieren. Diesen Wunsch greifen wir jetzt aktiv auf.

Autoren

Weitere Artikel dieser Ausgabe

WEITERE FACHARTIKEL AUS DEN KATEGORIEN