Die neuen Reanimationsleitlinien betonen die entscheidende Rolle sofortiger und unterbrechungsfreier Kompressionen des Thorax. Von der korrekten Handplatzierung über die optimale Kompressionsfrequenz bis hin zum Einsatz eines AED – dieser Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Maßnahmen für eine effektive Reanimation.
Frühzeitige und effektive Basismaßnahmen zur Reanimation – der sogenannte Basic Life Support – zählt zu den entscheidenden Faktoren für das Überleben nach einem Kreislaufstillstand. Die im Oktober veröffentlichten aktualisierten Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) [1] bieten aktualisierte Empfehlungen, die auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und einem internationalen Konsens basieren. Vorab: Das Update bestätigt im Wesentlichen die bisherigen Empfehlungen und sichert diese mit neuer Evidenz ab. In den Details bieten die Leitlinien einige interessante Präzisierungen.
Grundlegendes
Struktureller Rahmen. Die ERC-Leitlinien werden alle fünf Jahre aktualisiert. Oberstes Prinzip ist dabei die Evidenzbasierung. Das bedeutet, dass die empfohlenen Handlungen den empirisch zusammengetragenen und wissenschaftlich bewerteten Erkenntnissen entsprechen sollen. Die europäischen Leitlinien basieren im Wesentlichen auf den Empfehlungen der International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR). Wenn zu bestimmten Aspekten keine ILCOR-Empfehlungen verfügbar waren, griff die ERC auf Ergebnisse aus kürzlich veröffentlichten Studien zurück oder stellte einen Expertenkonsens her.
Eigensicherung. Obwohl die Klinikumgebung im Vergleich zum öffentlichen Raum risikoarm ist, sollten alle Helferinnen und Helfer während der Reanimation Einmalhandschuhe tragen.
Bewusstseinskontrolle und Notruf. Bewusstlosigkeit ist ein Notfall. Somit ist eine wichtige Neuerung der neuen ERC-Leitlinien die Empfehlung, bereits bei Auffinden einer bewusstlosen Person einen Notruf zu tätigen – noch bevor eine Untersuchung der Atmung erfolgt ist und eine mögliche Reanimationspflichtigkeit vorliegt. Der Notruf richtet sich sowohl an Kollegen in der unmittelbaren Umgebung, die das erforderliche Material und die Manpower mitbringen, als auch an das Reanimationsteam, das über Expertise für erweiterte lebenserhaltende Maßnahmen – den Advanced Life Support – verfügten. Die Bewusstseinskontrolle erfolgt durch lautes Ansprechen und leichtes Rütteln an den Schultern der Patientin oder des Patienten. Die empfohlene Notfalltelefonnummer lautet 2222.
Erkennen des Kreislaufstillstands. Um einen Kreislaufstillstand zu erkennen, ist die Atmung des Patienten zu untersuchen. Eine gleichzeitige Pulskontrolle ist nur für Helfer empfohlen, die regelmäßig erweiterte Reanimationsmaßnahmen durchführen. Voraussetzung für die Atemkontrolle sind freie Atemwege. Diese sind häufig durch die Zunge verlegt. Um die Atemwege freizumachen, ist der Kopf des Patienten nach hinten zu neigen; der Kopf ist dann in einer leicht überstreckten Position. Das Heben des Kinns öffnet die Atemwege und sorgt dafür, dass die Luft hindurchströmen kann. Dann wird aus seitlicher Stellung ein Ohr nah an die Atemwege des Patienten positioniert, der Blick auf den Thorax des Patienten gerichtet und 10 Sekunden lang gleichzeitig gesehen, ob der Thorax sich hebt und senkt, gehört, ob Atemgeräusche bestehen, und anhand der Ausatmungsströmung an der Wange gefühlt, ob der Patient normal atmet.
Atemstillstand und abnormale Atmung. Obwohl ein Atemstillstand und eine abnormale Atmung auch bei anderen medizinischen Notfällen bestehen können, sind sie ein wichtiges diagnostisches Kriterium für einen Kreislaufstillstand. Das geringe Risiko, bei einer nicht reagierenden und nicht normal atmenden Person, die keinen Kreislaufstillstand hat, mit der Reanimation zu beginnen, wird durch die erheblich erhöhte Sterblichkeit von Personen mit Kreislaufstillstand durch Verzögerung der Reanimation aufgehoben.
Die neuen Leitlinien betonen die Wichtigkeit der agonalen Atmung als Zeichen eines Kreislaufstillstands. Agonale Atmung ist ein abnormales Atemmuster. Sie wird auch als Schnappatmung bezeichnet; ein häufiges Atemmuster bei sterbenden Menschen. Zu den gebräuchlichen Begriffen, die zur Beschreibung der agonalen Atmung verwendet werden, gehören Keuchen, kaum oder gelegentlich atmen, Stöhnen, Seufzen, Gurgeln, Geräusch, Schnauben sowie schweres oder mühsames Atmen. Agonale Atmung wird bei 30 bis 60 Prozent der Kreislaufstillstände beobachtet; meist zu Beginn eines Kreislaufstillstands. Es zeigt das Vorhandensein einer verbleibenden Hirnstammfunktion an und ist mit verbesserten Ergebnissen verbunden. Agonale Atmung wird häufig als Lebenszeichen missinterpretiert. Dies kann zur erheblichen Verzögerung des Beginns der Reanimation führen und die Prognose des Patienten verschlechtern. Jeder Patient mit agonaler Atmung ist genauso reanimationspflichtig wie ein Patient, der gar nicht atmet.
Krampfanfälle. Kurze anfallsähnliche Bewegungen sind auch ein wichtiges Hindernis für das Erkennen von Kreislaufstillständen. Krampfanfälle sind häufige medizinische Notfälle und machen Berichten zufolge etwa 3 bis 4 Prozent aller medizinischen Notrufe aus. Allerdings handelt es sich nur bei 0,6 bis 2,1 Prozent um Kreislaufstillstände. Beim Kreislaufstillstand sind Krampfanfälle Ausdruck eines Sauerstoffmangels des Gehirns.
Schulungen. Wie die einzelnen Bestandteile des Basic Life Support in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden können, zeigen die Tabellen 1 und 2. Für einen routinierten Basic Life Support sind mindestens einmal jährliche Schulungen erforderlich.
Vorgehensweise
Thoraxkompressionen (Herzdruckmassage). Die aktualisierten Leitlinien empfehlen, nach Feststellung des Kreislaufstillstands so schnell wie möglich Thoraxkompressionen mit minimierten Unterbrechungen durchzuführen. Der korrekte Druckpunkt befindet sich auf der unteren Hälfte des Sternums (Mitte des Thorax). Hierauf werden die Handballen der dominanten Hand platziert, die nicht dominante Hand daraufgelegt und die Finger abgehoben oder verschränkt. Mit durchgedrückten Armen (Schultern über dem Thorax des Patienten) wird der Thorax des Patienten in einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute 5 bis 6 cm eingedrückt und wieder entlastet. In der Dekompressionsphase ist darauf zu achten, dass der Thorax komplett entlastet wird und man sich nicht darauf abstützt. Zur Vermeidung von Erschöpfung und Qualitätsminderung der Kompressionen muss der thoraxkomprimierende Helfer spätestens nach zwei Minuten abgelöst werden.
Minimierung von Unterbrechungen der Thoraxkompressionen. Zu den notwendigen Unterbrechungen gehören Pausen für die Rhythmusanalyse eines AED (automatisierter externer Defibrillator), das Aufladen des Defibrillators, die Defibrillation und die Beatmung. Das Intervall, in dem keine Herzdruckmassage erfolgt, wird als Hands-off-Zeit bezeichnet. Jede Pause in den Thoraxkompressionen verschlechtert das Outcome des Patienten und sollte deshalb eine Zeit von fünf Sekunden nicht überschreiten. Die Thoraxkompressionen sollten unabhängig von der Anzahl so lange fortgesetzt werden, bis ein AED eingesetzt wird oder ein zweiter Helfer die Beatmung übernimmt. Ab diesem Zeitpunkt werden kontinuierlich 30 Thoraxkompressionen gefolgt von zwei Beatmungen durchgeführt.
Reanimation nur mit Thoraxkompressionen. Der ERC unterstützt die Empfehlung der ILCOR, dass bei allen Erwachsenen mit Kreislaufstillstand Thoraxkompressionen durchgeführt werden. Wenn Mitarbeitende geschult sowie in der Lage und willens sind, Beatmungen durchzuführen, sollten sie eine Reanimation mit einem Verhältnis von 30 Kompressionen zu zwei Beatmungen durchführen. Wenn sie nicht ausgebildet, fähig oder willens sind, sollten sie nur Thoraxkompressionen durchführen. Medizinisch-pflegerische Fachkräfte können entweder eine Reanimation mit einem Verhältnis von 30 Kompressionen zu zwei Beatmungen oder durchgehende Thoraxkompressionen mit asynchroner Überdruckbeatmung durchführen, wenn die Atemwege mit einem Endotrachealtubus oder einem supraglottischen Atemweg gesichert sind.
Oberfläche, auf der die Thoraxkompressionen durchgeführt werden. Wenn die Thoraxkompressionen auf einer weichen Oberfläche, zum Beispiel einer Matratze, durchgeführt werden, werden sowohl die Brustwand als auch die darunterliegende Matratze zusammengedrückt. Dies kann die Kompressionstiefe des Brustkorbs verringern. Effektive Kompressionstiefen können jedoch auch auf einem weichen Untergrund erreicht werden – vorausgesetzt, der Helfer erhöht die Gesamtkompressionstiefe, um die Kompression der Matratze auszugleichen.
In Übereinstimmung mit den Empfehlungen der ILCOR schlagen die neuen ERC-Leitlinien vor, Thoraxkompressionen auf einer festen Oberfläche durchzuführen. Wenn die Matratze über einen CPR-Modus verfügt, um die Steifigkeit der Matratze zu erhöhen, sollte dieser bei der Durchführung der Reanimation aktiviert werden. Es wird nicht empfohlen, einen Patienten vom Bett auf den Boden zu bringen, da dies die Zeit bis zur ersten Kompression verlängert und das Risiko einer Verletzung des Patienten erhöht. Die Leitlinien enthalten keine Empfehlung für die Verwendung von Reanimationsbrettern, unterstützen aber die ILCOR-Empfehlung, Reanimationen auf einer festen Unterlage durchzuführen.
Einsatz eines AED. Ein AED (automatisierter externer Defibrillator) ist ein tragbares, batteriebetriebenes Gerät, das selbstklebende Defibrillationspads enthält, die an der Brust eines Patienten befestigt werden, um den Herzrhythmus bei Verdacht auf einen Kreislaufstillstand zu erkennen. AED sind genau in ihrer Interpretation des Herzrhythmus und sind sicher und wirksam. Wenn es sich um einen schockbaren Rhythmus handelt (Kammerflimmern oder pulslose ventrikuläre Tachykardie), wird der Bediener akustisch (und manchmal visuell) aufgefordert, einen Gleichstromelektroschock (Defibrillation) abzugeben, um einen koordinierten Herzrhythmus wiederherzustellen.
Bei Patienten in einem schockbaren Rhythmus ist jede winzige Verzögerung der Defibrillation mit einer um 6 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, dass das Kammerflimmern nicht beendet werden kann, und mit einer um 3 bis 6 Prozent geringeren Überlebenswahrscheinlichkeit bis zur Entlassung. Bei anderen Herzrhythmen, einschließlich der Asystolie und des normalen Rhythmus, wird kein Schock empfohlen und kann auch kein Schock ausgelöst werden.
Die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem Kreislaufstillstand kann deutlich erhöht werden, wenn die Patienten sofortige Thoraxkompressionen erhalten und ein AED verwendet wird.
Ein AED sollte nur an einer Person angebracht werden, die nicht ansprechbar ist und keine oder eine abnormale Atmung hat. Die Thoraxkompressionen sollten bei Anwendung eines AED nicht verzögert werden; sobald ein AED zum Patienten gebracht wurde, sollte er an den Patienten angeschlossen werden. Wenn mehr als ein Helfer anwesend ist, sollte einer die Thoraxkompressionen fortsetzen, während der andere die Defibrillationspads anbringt. Einige Geräte schalten sich automatisch ein, sobald der Träger/das Gehäuse geöffnet wurde, während bei anderen der Benutzer eine Einschalttaste drücken muss. Auf den Defibrillationspads ist in der Regel gekennzeichnet, wo diese aufgeklebt werden sollen. Die anterolaterale Pad-Position ist die Position der Wahl für die anfängliche Platzierung der Pads. Es ist insbesondere darauf zu achten, dass das apikale (laterale) Pad korrekt positioniert ist (unterhalb der Achselhöhle in der mittleren Axillarlinie).
Sobald die Defibrillationspads angeschlossen sind, sollte niemand den Patienten berühren, während der AED eine Rhythmusanalyse durchführt. Wenn der AED einen Schock empfiehlt, brauchen manche AED noch Zeit, um die Elektroden zu laden. In dieser Zeit sollten die Thoraxkompressionen fortgesetzt werden. Sobald die Elektroden geladen sind, fordert ein akustisches und/oder visuelles Signal den Anwender auf, die Schocktaste zu drücken. Bevor die Schocktaste gedrückt wird, hat der Helfer, der den AED bedient, die Mithelfer deutlich zu warnen („Achtung, Schock“) und sich visuell zu vergewissern, dass niemand den Patienten oder das Patientenbett berührt. Alle zwei Minuten weist der AED durch ein akustisches und/oder visuelles Signal den Anwender darauf hin, dass eine erneute Rhythmusanalyse durchgeführt wird und niemand den Patienten berühren darf. Dies ist ein idealer Zeitpunkt, den Helfer abzulösen, der die Thoraxkompressionen durchführt.
Beutel-Masken-Beatmung. Die Beutel-Masken-Beatmung ist ein wichtiger Bestandteil im Basic Life Support. Sie stellt sicher, dass der Patient mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird, während seine Atemwege freigehalten werden und auf eine effektive Durchführung geachtet wird. Für die Freihaltung der Atemwege ist ein Guedeltubus hilfreich. Dieser darf allerdings nur bei tief bewusstlosen Patienten ohne Schutzreflexe eingesetzt werden, weil er das Gaumensegel reizt, was zum Erbrechen führen könnte.
Die Beutel-Masken-Beatmung erfordert Übung und Aufmerksamkeit, um sicherzustellen, dass der Patient mit der richtigen Menge Luft versorgt wird und keine Komplikationen entstehen. Als Technik durch optimale Abdichtung zwischen Maske und Gesicht des Patienten und zum gleichzeitigen Freihalten der Atemwege eignet sich der „einfache C-Griff“. Dabei wird die Beatmungsmaske auf das Gesicht des Patienten aufgesetzt, sodass sie Mund und Nase abdeckt. Es ist darauf zu achten, dass die Maske richtig sitzt und eng am Gesicht anliegt. Daumen und Zeigefinger der linken Hand bilden ein C und drücken die Maske fest auf das Gesicht des Patienten; die übrigen drei Finger überstrecken den Kopf und heben das Kinn des Patienten an. Die rechte Hand drückt langsam und gleichmäßig eine Sekunde lang den Beatmungsbeutel so weit aus, dass eine Hebung der Brust des Patienten sichtbar ist.
Die Praxiserfahrungen des Autors zeigen jedoch, dass der einfache C-Griff bei ungeübtem Personal nur in sehr seltenen Fällen gelingt, sodass standardmäßig als einfacher umzusetzende Alternativmethode der „doppelte C-Griff“ angewendet werden sollte. Bei dieser Technik setzt der Helfer am Kopfende die rechte Hand genauso ein wie die Linke und konzentriert sich darauf, die Maske dicht zu halten, während der Helfer, der die Thoraxkompressionen durchführt, nach 30 Kompressionen zweimal den Beatmungsbeutel langsam und gleichmäßig über eine Sekunde so weit ausdrückt, dass eine Hebung der Brust des Patienten sichtbar ist. Der Patient wird mit der höchstmöglichen Sauerstoffkonzentration beatmet.
[1] Nolan J. et al. European Resuscitation Guidelines 2025. Adult Basic Life Support. Elsevier; 2025