• 03.06.2025
  • PflegenIntensiv
Nachhaltigkeitskonzepte

Klimafreundliche Kliniken

PflegenIntensiv

Ausgabe 2/2025

Seite 20

Deutsche Krankenhäuser setzen zunehmend auf Nachhaltigkeitsmaßnahmen, um den ökologischen Fußabdruck in besonders ressourcenintensiven Bereichen wie Intensivstation, OP und Anästhesie zu reduzieren.

In Deutschland haben etwa 50 Prozent der Krankenhäuser Nachhaltigkeit bereits in ihrer Unternehmensstrategie verankert. Rund 21 Prozent ermitteln ihre CO₂-Emissionen und nur 11 bis 18 Prozent der Kliniken haben bisher einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Die ressourcenintensiven Bereiche Intensivsta­tion, OP und Anästhesie stehen im Fokus nachhaltiger Klinikstrategien.

In der Anästhesie ist die Reduktion klimaschäd­licher Narkosegase wie Desfluran und Lachgas ein zentrales Thema. Moderne Niedrigflussnarkosen und Filtertechnologien senken den CO₂-Ausstoß erheblich. Zudem setzen manche Häuser energie­spa­rende Narkose­geräte ein und hinterfragen den Verbrauch von Einweg­materialien kritisch.

Auf Intensivstationen investieren Kliniken in ein optimiertes Abfallmanagement, etwa durch Sterilisation und Wiederverwendung von Materialien, sowie in den sparsamen Einsatz von Verbrauchsgütern. Im OP-Bereich verringern sie mittels energieeffizienter Beleuchtung, Wärmerückgewinnung und nachhal­tiger Beschaffung von Instrumenten und Verbrauchsmaterialien ebenfalls den ökologischen Fußabdruck. Die Umstellung auf Mehrwegprodukte und verbesserte Mülltrennung sind weitere Maßnahmen.

PflegenIntensiv listet ein paar Beispiele zu Nachhaltigkeitsstrategien auf:

Narkosegasreduktion und -recycling

  • DGD Lungenklinik Hemer

Einführung eines Aktivkohlefiltersystems zur Rückgewinnung von bis zu 99 Prozent der Narkosegase aus der Abluft. Die aufgefangenen Gase werden recycelt und wiederverwendet. Zusätzlich wird durch den Wegfall der Absauganlage Energie eingespart. Das Verfahren wird in OP-Sälen, Ambulanzen und Intensivstationen eingesetzt.

  • Josephs-Hospital Warendorf

Industrielle Wiederverwertung von Atemkalk als Werkstoff und Dünger. Außerdem Energieeinsparung: rund 1.500 kWh Strom pro Anästhesiearbeitsplatz und Jahr durch nächtliche Abkopplung der Atemgasabsaugung – entspricht 0,69 Tonnen CO₂ und 566 Euro Kostenreduktion pro Arbeitsplatz jährlich.

Müllvermeidung und Wiederverwertung

  • Universitätsklinikum Bonn

Verringerung des Propofolverwurfs durch Einsatz einer einzigen Spritzenpumpe für Einleitung und Aufrechterhaltung der Narkose um durchschnittlich 30 Prozent pro Operation. Bei Operationen von 20 bis 100 Minuten reduziert sich der Abfall sogar bis zu 50 Prozent. Pro Jahr werden etwa 1.300 Fläschchen Propofol (20 ml) eingespart.

  • Universitätsklinikum Würzburg

Müllreduktion im OP und in der Anästhesie. Ein Pilotprojekt in der Endoskopie reduziert den Abfall um 16 Prozent. Eine eigens erstellte Dienstan­weisung enthält 59 Abfallfraktionen. Außerdem gibt es regelmäßige Schulungen zur richtigen Mülltrennung.

Effiziente Lüftungs- und Klimatisierungssysteme

  • Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Schaltet die raumlufttechnischen Anlagen in 40 Operationssälen außerhalb der OP-Zeiten komplett ab. Dadurch spart das Uniklinikum rund 1.000 kWh Strom pro OP-Saal und Jahr ein.

  • RoMed Klinikum Rosenheim

Präsenzgesteuerte Lüftungsanlagen im OP-Bereich, die den Energieverbrauch deutlich senken. Außerdem werden seit 2014 rund 77 Prozent des Kälteenergiebedarfs durch Flusskühlung mit dem Innwasser gedeckt. Das Flusskühlungsprojekt gilt als Leuchtturm für nachhaltige Kälteversorgung in OP und Intensivstation.

Nachhaltige Gebäudetechnik und Passivhausbauweise

  • Klinikum Frankfurt Höchst

Weltweit erstes Krankenhaus in vollständiger Passivhausbauweise mit hochenergieeffizienter Intensiv­station und OP-Bereichen. Dadurch gelang eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs im Vergleich zum Altbau von etwa 75 Prozent. Das Haus setzt eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ein und eine Brennstoffzelle auf dem Dach deckt knapp 40 Prozent des Wärmebedarfs für Trinkwarmwasser. Die CO₂-Emissionen sind um rund 62 Prozent pro Bett gesunken.

  • Green Hospital Lichtenfels

Neubau nach Passivhausstandard mit optimiertem ökologischen Energiekonzept, speziell für Intensivstation und OP-Bereiche. Nachhaltige Energieversorgung mit Biogas und Ökostrom. Dadurch CO₂-Ausstoß um 75 Prozent und Energieverbrauch um 60 Prozent reduziert.

Photovoltaik, Eigenstromversorgung, Ökostrom

  • Kreisklinik Ebersberg

Aufbau und Erweiterung einer Photovoltaikanlage. Seit 2024 bezieht die Klinik ausschließlich TÜV-geprüften Ökostrom. Ziel ist die vorrangige Versorgung von Notaufnahme, OP und Intensivstation mit eigenem Solarstrom und Ökostrom. Bislang 8 Prozent Stromersparnis und 12 Prozent weniger Wärmeverbrauch im Jahr 2023.

  • Isar Kliniken München

Durch Umstellung auf Ökostrom zu 100 Prozent, Installation energiesparender medizinischer Geräte und Lüftungssysteme speziell in OP und Intensivstation sowie Umrüstung auf LED-Beleuchtung und Bewegungsmelder gelingt eine Senkung des Energieverbrauchs. Im Jahr 2023 sparte das Klinikum insgesamt 758,4 MWh Energie ein und vermied 45,1 Tonnen CO₂.

 

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