Der Fokus auf eine wirksame Nachhaltigkeit wird vor allem in der Anästhesie wichtiger. Dort kommen flüchtige Narkosegase zum Einsatz, die für die Sicherheit der Patienten während der Operationen unverzichtbar sind, jedoch auch einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt haben. Das Diak Klinikum im Landkreis Schwäbisch Hall hat Emissionen und Verbrauch drastisch reduziert.
Das Diak Klinikum ist nicht nur ein Traditionshaus, sondern auch ein modernes Zentrum für die Gesundheitsversorgung, das innovative Lösungen sucht. Mit rund 40.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Stadt Schwäbisch Hall und einer breiten Patientenbasis über die Region hinaus, ist das Krankenhaus eine zentrale Anlaufstelle für die medizinische und pflegerische Versorgung. Das Klinikum übernimmt Verantwortung auch im Hinblick auf Klimaschutz und nachhaltige Prozesse im Gesundheitswesen.
Als überregionales Traumazentrum bietet das Diak Klinikum eine breite Palette medizinischer Fachbereiche an. Der Zentral-OP des Klinikums ist mit neun hochmodernen Operationssälen ausgestattet, die sowohl den neuesten technischen Standard als auch höchsten Komfort für Patienten und medizinisches Personal bieten. Dort kommen täglich verschiedene Operationstechniken und Anästhesieverfahren zum Einsatz, für die flüchtige Narkosegase oft unverzichtbar sind. Dennoch legt das Diak Klinikum den Fokus darauf, so viele Narkosen wie möglich durch Regionalanästhesien zu ersetzen.
Emissionen reduzieren
Denn die Verwendung von Narkosegasen trägt direkt zu den Emissionen von Treibhausgasen bei, insbesondere weil viele dieser Gase zu den fluorierten Treibhausgasen gehören, die einen besonders hohen globalen Erwärmungseffekt verursachen. Daher ist die Vermeidung dieser Gase ein wichtiger Baustein zur Reduktion von Emissionen in medizinischen Einrichtungen. Moderne Technologien bieten inzwischen Lösungen, die es ermöglichen, diese Emissionen drastisch zu reduzieren, ohne die Sicherheit für Patientinnen und Patienten oder die Qualität der Versorgung zu gefährden.
Früher hat die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Diak Klinikums, wie bundesweit üblich, flüchtige Narkosegase direkt über Absauganlagen an die Außenluft abgegeben. Zwar funktionierte dieses Verfahren in der Praxis gut und es gab auch keine Bedenken hinsichtlich der Patientensicherheit, doch dieser Prozess belastete die Umwelt erheblich. Die Klinik suchte deshalb intensiv nach einer Lösung, die sowohl die Umwelt schont als auch die Qualität der Patientenversorgung aufrechterhält. Zum Einsatz kommt daher nun das CONTRAfluran-System der Firma ZeoSys Medical GmbH.
Das System sammelt flüchtige Narkosegase und recycelt sie umweltfreundlich. Mit dieser Filtertechnologie reduziert das Diak Klinikum die Emissionen signifikant und stellt gleichzeitig sicher, die höchsten Qualitätsanforderungen für die Patienten in der klinischen Anästhesie beizubehalten. Der Filter fängt die gängigsten Narkosegase – Sevofluran, Desfluran, Isofluran – gleichzeitig auf.
Sorgfältige Planung und Schulung
Die Umstellung auf das neue System war ein sorgfältig geplanter Prozess. Die Mitarbeitenden erhielten umfassende Schulungen und Einweisungen, um die neue Technik korrekt bedienen zu können. Die im Diak Klinikum verwendeten Narkosegeräte der Marke Löwenstein Medical wurden in einem ersten Schritt aufwandsarm umgerüstet – pro Gerät dauerte dies nur wenige Minuten.
Trotz gründlicher Schulungen gab es zu Beginn einige Bedenken im Team. Eine große Sorge war, dass das System in der Praxis nicht so zuverlässig funktionieren würde und es gegebenenfalls zu Ausfällen hätte kommen können.
So war das neue System anfangs vorsichtshalber zusätzlich an die Absauganlagen angeschlossen, um sicherzustellen, dass keine Gase unkontrolliert in die Umwelt gelangen konnten. Doch die Umstellung verlief reibungslos und die zusätzliche Absicherung wurde nach wenigen Wochen bereits abgeschaltet. Somit waren auch jene Schläuche, die zuvor vom Narkosegerät zur Absaugung führten, hinfällig.
Neue Technologie implementiert
Jeden Morgen vor Beginn der Operationen unternimmt das Anästhesiepflegepersonal eine umfassende Kontrolle der Narkosegeräte. Dazu gehören die Funktionsprüfung und die Überprüfung der Filteranzeigen. Dieser Schritt stellt sicher, dass keine Filter überfüllt sind und alle Gase sicher gesammelt werden. Sobald ein Filter gesättigt ist, gibt das System ein optisches und akustisches Signal aus, das die Anästhesiepflegefachperson darauf hinweist, den Filter zu wechseln. Der Wechsel dauert nur wenige Minuten.
Der Transportprozess der gesättigten Filter ist ebenfalls gut organisiert. Die vollen Filter werden in luftdichte Plastiktüten verpackt und in Kartons mit mehreren gesättigten Filtern zum Zentrallager geschickt, von dort erfolgt die Rücksendung an den Hersteller. Dieser setzt ein thermisches Verfahren ein, um das Narkosegas aus der Aktivkohle zurückzugewinnen und zu recyceln.
Die Mitarbeitenden sind von der neuen Technologie begeistert. Der gesamte Umstellungsprozess verlief so problemlos, dass keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen mehr notwendig sind und das System zur alltäglichen Routine gehört. Das Diak Klinikum hat mit dem neuen System nicht nur die Emissionen flüchtiger Narkosegase deutlich reduziert. Auch der Verbrauch flüchtiger Narkosegase ist inzwischen drastisch verringert, insbesondere das Narkosegas Desfluran ist nahezu vollständig aus der Klinik verbannt.
Das Filtersystem ist mittlerweile auch auf der Intensivstation eingeführt, um das Narkosegas Isofluran zu sammeln, das zur Sedierung von Patienten auf der Intensivstation dient.
Ausgezeichnete Nachhaltigkeit
Im Jahr 2024 hat das Diak Klinikum für seine nachhaltigen Bemühungen den Umweltpreis der Stadt Schwäbisch Hall erhalten. Das Beispiel des Diak Klinikums zeigt, dass sich nachhaltige Praktiken und Prozesse im Gesundheitswesen erfolgreich umsetzen lassen, ohne die Patientensicherheit oder deren Versorgung zu beeinträchtigen.
Derzeit arbeiten die Verantwortlichen im Diak Klinikum daran, die Nachhaltigkeit des Hauses voranzubringen und in weitere klimafreundliche Technologien zu investieren. Eine davon könnte der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf dem Klinikdach sein, um die Energiekosten zu senken.
Mit immer neuen umweltfreundlichen Lösungen kann das Gesundheitswesen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Es bleibt zu hoffen, dass mehr Kliniken diesem Beispiel folgen und die notwendigen Schritte unternehmen, um die Zukunft der Gesundheitsversorgung nachhaltig zu gestalten.