• 03.06.2025
  • PflegenIntensiv
Nachhaltigkeit im OP-Saal

Müll vermeiden

PflegenIntensiv

Ausgabe 2/2025

Seite 12

Die Arbeit im OP-Saal verbraucht viele Ressourcen. Das Universitätsklinikum Erlangen arbeitet an einer gemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsstrategie, die den Verbrauch von Materialien und den daraus entstehenden Müll reduziert und wiederverwertbare Bestandteile in den Wirtschaftskreislauf zurückführt. Ziel ist, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern und langfristig Kosten einzusparen.

Das Universitätsklinikum Erlangen steht für exzellente medizinische Versorgung und innovative Forschung – doch auch wir sind als Teil des Gesundheitssektors für sechs Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen mit verantwortlich [1]. Krankenhäuser produzieren große Mengen an Abfall, sei es durch Einwegprodukte, Verpackungsmaterialien oder medizinische Geräte. Einiges ist jetzt schon recycelbar, anderes noch nicht.

Bedarfsanpassung. Ein zentraler Punkt der Nachhaltigkeitsstrategie am Universitätsklinikum Erlangen ist die Reduktion der bisher verwendeten Materialien. Unser Alltag im Krankenhaus erfordert eine Vielzahl von Produkten, von denen nicht jedes unverzichtbar, in dieser Menge notwendig oder in seiner aktuellen Form die beste Wahl für eine umweltfreundliche Klinikführung ist. Eine unserer Maßnahmen ist, die bisher verwendeten Siebe und Materialien zu überprüfen, um die Menge des genutzten Equipments deutlich zu reduzieren, zum Beispiel die Tourniquetschläuche auf den Leber-Zusatzsieben. Durch eine gezielte Anpassung des Bedarfs von vier auf zwei konnten wir den Materialverbrauch senken, ohne dabei die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen.

Dieser Schritt mag auf den ersten Blick klein erscheinen, doch er ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Denn jede Ein­sparung – und sei sie noch so gering – trägt dazu bei, Ressourcen zu schonen und Müll zu vermeiden.

Recycling. Zum Nachhaltigkeitsprojekt gehört die geplante Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister, um gezielt Recyclingmöglichkeiten für einige Produkte zu schaffen, die wir bisher über den Müll entsorgt haben. Im Fokus stehen dabei vor allem zwei Punkte:

  1. Recycling von bestimmten Produkten aus den Bereichen Stapling und Energy: Diese medizinischen Geräte sind in der Chirurgie mittlerweile unverzichtbar, bestehen jedoch aus wertvollen Bestandteilen, die recycelt werden können. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner wollen wir ein System etablieren, um diese Geräte nach der Nutzung fachgerecht zu recyceln und damit wertvolle Rohstoffe wieder in den Kreislauf zurückzuführen.
  2. Wiederverwertung von Aluminiumverpackungen bei Nahtmaterial: Viele Nahtmaterialien sind in Verpackungen eingeschweißt, die einen hohen Anteil an Aluminium enthalten. Dieser wertvolle Rohstoff landet normalerweise im Müll. Wir wollen daran arbeiten, diese Ressourcen durch ein nachhaltiges Recyclingkonzept zu schonen.

Verpackungsoptimierung. Ein weiterer Punkt unseres Nachhaltigkeitskonzepts befasst sich mit den Verpackungsmaterialien medizinischer Produkte. Viele Verpackungen bestehen aus Materialmischungen, die nur schwierig zu recyceln sind, da sie aus verschiedenen Kunststoffen oder einer Kombination aus Kunststoff und Aluminium bestehen.

Unsere Lösung: Wir möchten künftig verstärkt auf Produkte umsteigen, deren Verpackungen aus sortenreinen Materialien bestehen. Diese lassen sich wesentlich besser trennen und recyceln. Dadurch können wir den Müll, den wir bisher als Restmüll entsorgt haben, wieder in den Wertstoffkreislauf zurückführen.

Diese Umstellung erfordert jedoch viel Recherche nach den passenden Herstellern und Lieferanten. Wir würden uns gern dafür einsetzen, dass nachhaltige Verpackungslösungen stärker in den Fokus rücken und der Markt für umweltfreundliche Medizinprodukte wächst.

Viele Stellschrauben. Die genannten Maßnahmen sind nur der Anfang. Fast täglich fallen uns Dinge und Abläufe auf, die sich im Sinne der Müllreduktion oder des Müllrecyclings optimieren ließen. Während unserer Arbeit haben wir viele Herausforderungen im Klinikalltag identifiziert, die zeigen, dass das Thema Müll vielschichtig und komplex ist.

Von kaum recycling­fähigen Verpackungen bis hin zur Verwendung von Einwegmaterial, für das auch Mehrweg möglich wäre, gibt es viele Stellschrauben, an denen wir drehen können. Täglich fallen Unmengen an Verpackungsmaterial, Einweg­artikeln und sonstige Abfällen an – und nicht immer gibt es eine ein­fache Lösung, um diesen Müll zu vermeiden.

Gemeinsam für eine umweltfreundliche Zukunft

Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Keine Idee oder Lösung kann erfolgreich sein, wenn sie nicht von unseren Kolleginnen und Kollegen mit­getragen wird.

Deswegen ist es uns besonders wichtig, alle Mitarbeitenden in diesen Prozess einzubeziehen, Feedback zu sammeln und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Denn jede und jeder Einzelne kann dazu beitragen. Nachhaltigkeit kann nur mit dem Engagement aller erfolgreich sein.

Denn am Ende sind es die kleinen Veränderungen im Alltag, die eine große Wirkung entfalten. Und diese Veränderungen müssen in unseren Alltag passen und von den Kolleginnen und Kollegen leicht anzuwenden sein. Nur dann werden sie auch alltagstauglich sein und angewendet werden. Gedankenlos übergestülpte Vorgaben finden keine Akzeptanz. Doch diese ist einer der wichtigsten Bausteine für eine Transformation in Richtung Nachhaltigkeit.

Unser Weg zur Müllreduktion ist ein kontinuier­licher Prozess. Wir haben bereits erste wichtige Schritte unternommen, doch es gibt noch viel zu tun. Mit innovativen Recyclingprojekten, der Reduktion von Materialien und einer verbesserten Verpackungsauswahl arbeiten wir daran, das Uniklinikum Erlangen nachhaltiger zu gestalten.

Dabei zielen wir auf praktische, umsetzbare Maßnahmen, die direkt im Klinikalltag greifen und unsere Arbeitsabläufe nicht behindern. Wir freuen uns darauf, diesen Weg zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen weiterzugehen – für ein umweltfreundlicheres, nachhaltigeres Universitätsklinikum Erlangen.
 

[1] Bundesministerium für Gesundheit. Evidenzbasis Treibhausgas­emissionen des deutschen Gesundheitswesens (GermanHealthCFP). Onepager: Treibhausgasemissionen des deutschen Gesundheitswesens. September 2023. Zum Download unter: www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/details/evidenzbasis- treibhausgasemissionen-des-deutschen-gesundheitswesens- germanhealthcfp.html

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