Menschen mit chronischen Wunden haben je nach Wundart eine unterschiedlich veränderte Umgebungshaut mit beeinträchtigter Funktionalität. Diese Hautveränderungen bedürfen einer frühzeitigen Therapie. Denn die Pflege der Wundumgebung fördert die Wundheilung und die Lebensqualität Betroffener.
Die Reinigung und Pflege der Wundumgebung stehen oft nicht im Fokus einer Wundversorgung, sind jedoch essenziell für den Heilungsverlauf. Die Veränderungen der Umgebungshaut können zum einen eine Folge von Vorerkrankungen sein, zum anderen sind diese Veränderungen aber auch therapiebedingt.
Krankheitsbedingte Veränderung der Wundumgebung
Diabetes mellitus. Patientinnen und Patienten, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, haben wegen der hohen Blutzuckerkonzentrationen häufig nachhaltig geschädigte kleinste Gefäße. Das Diabetische Fußsyndrom bedingt eine Mangelversorgung der Nervenzellen, die infolgedessen absterben. Daraus resultiert eine Neuropathie. Werden dabei die Nerven geschädigt, die die Schweiß- und Talgdrüsen steuern, trocknet die Haut aus, wird schuppig und der Patient leidet verstärkt unter Juckreiz. Trockene Haut bildet Einrisse (Rhagaden) und somit entsteht eine Barrierestörung. Die sensible Neuropathie lässt Patienten zum Beispiel Druck und Reibung nicht mehr spüren. In der Folge kann sich eine Hyperkeratose entwickeln, da eine motorische Neuropathie Veränderungen des Fußskeletts und einhergehend eine Fehlbelastung des Fußes bedingt. Ein häufiges Zeichen für eine Hyperkeratose ist ein Clavus (Schwiele), eine lokale Verhornungsstörung der Haut.
Pflegerische Interventionen: Trockene und rissige Haut benötigt mehrmals täglich eine Hautpflege. Dazu eignen sich gut verteilbare lipophile Hautmittel (Wasser-in-Öl-Emulsionen) mit zusätzlichen Feuchtigkeitsfaktoren, zum Beispiel Urea. An Druckstellen oder Hornhautschwielen ist für Druckentlastung zu sorgen – temporär zunächst mittels „Filzen“. Langfristig aber bedarf es der Anpassung einer „diabetisch adaptierten Fußbettung“. Auch eine podologische Behandlung ist zu empfehlen [1].
Ulcus cruris. Menschen mit einem Ulcus cruris venosum weisen je nach Stadium eine Vielzahl von Hautveränderungen auf. Die Haut kann zu Beginn der chronisch venösen Insuffizienz (CVI) trocken und schuppig sein. Im Verlauf kommt es zur Hyperpigmentierung, zur Verhärtung der Haut (Dermatoliposklerose) bis hin zu einem tiefen Gewebedefekt (Ulcus). Eine starke Wundexsudation führt zu einer Durchfeuchtung der Umgebungshaut (Mazeration).
Pflegerische Interventionen: Die Pflege trockener Haut mit lipophilen Hautmitteln sowie feuchter Haut mit hydrophilen Produkten hält die Haut widerstandsfähig. Den Verlauf einer Dermatoliposklerose oder eines Ulcus kann eine Hautpflege jedoch nicht beeinflussen. Der venöse Rückfluss lässt sich mithilfe einer Kompressionstherapie verbessern [2].
Periphere arterielle Verschlusskrankheit. Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) haben eine schlecht durchblutete Haut. Diese fühlt sich trocken, kühl und oft pergamentmäßig an. Diese Minderversorgung ist zum einen ursächlich für fehlende Behaarung. Zum anderen verändert sich die Nagelstruktur und aufgrund der reduzierten Abwehrleistung können sich Pilze leichter ansiedeln.
Pflegerische Interventionen: Ziel einer fortgeschrittenen pAVK sollte die Wiederherstellung der Durchblutung (Revaskularisation) sein. In frühen Stadien kann ein spezielles Gehtraining die Bildung von Kollateralen (Umgehungskreisläufen) fördern.
Dekubitus. Dekubitus entsteht infolge Druck, Scherkräften und Reibung. Hier kommt es zu einer Kompression von Gefäßen und somit zu einer Minderversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dies führt zum Zelltod. Die Haut fühlt sich trocken, kühl an und ist livide, bläulich verfärbt.
Pflegerische Interventionen: Nur eine Druckentlastung oder der Schutz vor Scherkräften ist wirksam. Eine noch so gute Hautpflege kann einen Dekubitus nicht verhindern.
Inkontinenzassoziierte Dermatitis. Inkontinenzassoziierte Dermatitis (IAD) ist eine Sonderform der Feuchtigkeitswunde. Die Haut ist feucht und gut durchblutet. Es können mehrere oberflächliche Läsionen vorhanden sein, die sich nicht an den typischen Prädilektionsstellen für Dekubitus bilden. Die umgebende Haut kann ebenfalls mazeriert sein. Eine Mazeration ist eine Quellung des Gewebes infolge längeren Kontakts mit Feuchtigkeit. Auf dieser durchfeuchteten Haut siedeln sich häufig Pilze an.
Pflegerische Interventionen: Eine intakte und gut gepflegte Haut ist deutlich widerstandsfähiger, auch gegen Feuchtigkeit. Dennoch bietet ein gutes Inkontinenzmanagement in Kombination mit einem Hautschutz einen besseren Schutz vor feuchtigkeitsbedingten Hautschäden [3].
Therapiebedingte Veränderungen der Umgebungshaut
Verbandstoffunverträglichkeiten können allergische Reaktionen wie Kontaktexzeme auslösen. Ursächlich können die Beschichtungen auf Wundauflagen oder die Inhaltsstoffe der Kleber sein.
Unter Kompression, zum Beispiel Kompressionsverbände oder -strümpfe, schuppt die Haut stärker und kann ohne entsprechende Hautpflege austrocknen. Ist die Exsudation sehr stark, zum Beispiel wegen eines floriden Ulcus cruris venosum und eines nicht ausreichenden Exsudatmanagements, entwickelt sich aufgrund der zusätzlichen Okklusion schneller eine Mazeration.
Das Pflegepersonal in Kliniken verwendet zur Fixierung von Verbandstoffen, Zu- und Abgängen, Sonden und Tuben häufig klebende Materialien. Deren Haftkraft kann insbesondere beim Entfernen solcher Fixierungen die Haut schädigen – neben Einrissen auch ein teilweiser oder kompletter Ausriss von Hautlappen. Kontaktallergien lassen sich trotz sorgfältiger Auswahl der Wundversorgungsprodukte nicht immer vermeiden. Vor der Versorgung sind bereits bekannte allergische Reaktionen des Patienten abzufragen. Während der Kompressionstherapie mit Strümpfen oder Verbänden ist immer eine Hautpflegepause einzulegen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Hautmittel und Kompressionsmaterialien nicht kompatibel sind. Aktuell gibt es viele neue Fixiermaterialien auf Silikonbasis. Diese lassen sich schonend und ohne Verletzung der Haut entfernen.
Reinigung der Wundumgebung. Eine schonende Hautreinigung erhält den Hydrolipidmantel der Haut. Das Waschen der Haut ist möglichst nur mit Wasser und ohne Zusatz von Seifen vorzunehmen. Die Wundreinigung darf nur mittels steriler Wundspüllösungen, wie Ringer-, Kochsalzlösung oder mithilfe spezieller Wundspüllösungen, erfolgen. Ein Ausduschen einer Wunde ist nur unter Verwendung eines Sterilfilters zulässig. Die Verwendung von Reinigungstüchern ohne Zusatz von Alkohol und Duftstoffen ist möglich. Lose Hautschuppen lassen sich mit dafür entwickelten Mikrofaserpads oder offenporigen Schaumpads manuell leicht entfernen.
Eine weitere Möglichkeit ist, die Umgebungshaut bei hartnäckigen Belägen und Verkrustungen unter Einsatz einer Ultraschallassistierten Wundreinigung (UAW) zu reinigen. Eine Nass-/Trockenphase nach Kammerlander [4] eignet sich, um festsitzende Beläge und Hautschuppen zu entfernen: Zunächst sind mit Wundspüllösung getränkte Kompressen auf der Extremität zu fixieren und für mehrere Stunden zu belassen. Anschließend erfolgt eine Trockenphase, in der sich viele Verkrustungen bereits lösen. Verbliebene Rückstände lassen sich mit Pads, Pinzette oder Ringkürette vorsichtig abtragen.
Auch die Verwendung von hydroresponsiven Wundauflagen, die kontinuierlich Ringer- oder Kochsalzlösung abgeben, lösen Beläge und stellen eine weitere Möglichkeit dar.
Exsudatmanagement. Je nach Menge an Wundexsudat erfolgt die Verbandauswahl. Ziel ist es, die Umgebungshaut vor einer Mazeration zu schützen. Heute stehen verschiedene Materialien wie Saugkompressen mit oder ohne Superabsorberflocken, Superabsorber oder Schaumverbände mit Superabsorberkernen zur Verfügung. Die Produkte fangen viel Exsudat auf und binden dieses im Verbandmittel.
Schutz der Wundumgebung. Ein Hautschutz schützt die Haut vor äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit. Zum Einsatz kommen lipophile, visköse Externa wie Produkte auf Vaseline- oder Parafinbasis. Ebenso filmbildende Präparate – dazu gehören Silikone, Dimeticon oder Acrylate. Auch Zinkprodukte können die Haut effektiv schützen. Empfehlenswert sind dünn aufzutragende Zinksalben. Zinkpasten hingegen schränken die Beurteilung der Umgebungshaut dank ihrer abdeckenden Wirkung stark ein und lassen sich nur schwer entfernen.
Pflege der Wundumgebung. Eine adäquate Hautpflege hält die Haut intakt und widerstandsfähig. Es gibt eine Vielzahl an Mitteln für die Pflege der Haut. Bei feuchten Dermatosen kommen hydrophile Mittel zum Einsatz, also Öl-in-Wasser-Emulsionen. Für trockene Haut sind lipophile Emulsionen (Wasser in Öl) von Vorteil. Die Produkte sollten frei von allergisierenden Stoffen sein. Hautmittel sind möglichst mehrmals am Tag dünn aufzutragen.
Obsolete Methoden. Auf die Anwendung von Mitteln mit Farbstoffen ist aufgrund ihrer zytotoxischen Wirkung und der eingeschränkten Beurteilung der Haut zu verzichten. Alkoholische Inhaltsstoffe in Salben oder Hautreinigungsmitteln verursachen Schmerzen und irritieren das Gewebe. Zudem trocknet der Alkohol die Haut aus. Auch Puder können zur Austrocknung und zu allergischen Reaktionen der Haut führen. Anstatt einer Rasur der Umgebungshaut sind die Haare mittels Clipper lediglich zu kürzen, um Läsionen, die das Eindringen von Keimen ermöglichen, zu vermeiden.
[1] Döbele M, Becker U. Ambulante Pflege von A bis Z. Berlin, Heidelberg: Springer; 2016
[2] Proksch E. Altershaut und Hautpflege. Z Gerontol Geriat 2015; 48: 325–330
[3] Kolbig N. Wundrand und Wundumgebung pflegen. Heilberufe 2021; 73: 10–12
[4] Kammerlander G et al. Nass-/Trockenphase 3.0. Clinicum, 2020. Im Internet: www.akademie-zwm.ch/uploads/tx_scpublications/Nass-Trockenphase-3.0_G_Kammerlander_2020-01-15_GK_01.pdf; Zugriff: 08.03.2023