Die Fortbildungsmethode „One Minute Wonder“ soll gezielt und ohne großen Zeitaufwand pflegerisches und medizinisches Wissen vermitteln. Hierzu werden Poster mit fachlichen Informationen an Orten angebracht, an denen üblicherweise Wartezeiten entstehen. Mittlerweile hält auch eine digitale Variante Einzug.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachweiterbildung in der Anästhesie- und Intensivpflege an der Pflegeschule Duisburg e. V. sollten in einem Praxisprojekt die auch als Ein-Minuten-Fortbildung bekannte Fortbildungsmethode „One Minute Wonder“ (OMW) auf der interdisziplinären Intensivstation des Malteserkrankenhauses St. Anna in Duisburg einführen. Ziel war es, das Spektrum der innerbetrieblichen Fortbildung für die Kolleginnen und Kollegen zu erweitern. Bislang fanden auf der Intensivstation wöchentlich kurze Fortbildungen während der Übergabezeit und ein jährliches Fortbildungswochenende statt.
Die aus Großbritannien stammende Fortbildungsmethode OMW wurde erstmals 2016 auf einer Intensivstation in Deutschland eingeführt [1, 2]. Seitdem wurde auch auf deutschsprachigem Gebiet viel über das Konzept publiziert, immer mehr Kliniken führten OMW ein. Seit 2018 existiert sogar ein deutschsprachiges OMW-Netzwerk (omw.hdz-nrw.de), das dazu dient, sich über die Methode auszutauschen und Lernposter auszutauschen [3].
Digitale OMW-Version
Kliniken, die OMW anwenden, hängen üblicherweise ausgedruckte Poster im DIN-A4-Format an Orten auf der Intensivstation aus, an denen Wartezeiten entstehen, z. B. am Blutgasanalysegerät.
Im Projektteam entstand die Idee, statt der herkömmlichen Variante OMW-Folien als Powerpoint- präsentation auf einem Tablet abzuspielen. Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass nicht regelmäßig die Infoblätter gewechselt werden müssen, sondern dass die Folien autark als Diashow ablaufen.
Der optische Aufbau dieser Folien ist, bis auf kleine Änderungen, identisch. Der größte Unterschied zwischen den beiden Vorgehensweisen ist, dass sich das Wechselinterwall der dargebotenen Präsentationen deutlich unterscheidet. Alle fünf Minuten wechseln die Folien automatisch.
In der analogen Form werden die Poster z. B. 14-tägig ausgetauscht [2, 3]. Das Themenspektrum erstreckt sich von Krankheitsbildern über Beatmungsverfahren bis hin zur Anatomie. Auch zur aktuellen Corona-Pandemie wurden vom OMW-Netzwerk Poster zur Verfügung gestellt.
Das Tablet ist zum Schutz vor Cyberangriffen nicht mit dem Internet verbunden. Die Aktualisierung der Folien erfolgt immer in enger Zusammen-arbeit mit der EDV-Abteilung.
Von Beginn an konnten die dargestellten Themen auch nachgelesen werden. Alle Folien wurden innerhalb des Projektes via Microsoft OneNote zur Verfügung gestellt. Diese sind über den Stationszugang am PC für jeden Mitarbeitenden zugänglich.
Evaluation
Nach einer sechsmonatigen Erprobungsphase ist in Zusammenarbeit mit dem OMW-Netzwerk ein Fragebogen mit insgesamt zwölf Fragen entwickelt bzw. auf Grundlage bereits bestehender Befragungen angepasst worden [2, 3]. Darüber sollte die digitale Darstellungsform evaluiert werden.
Der Fragebogen wurde an 27 Pflegende ausgeteilt. 18 von ihnen nahmen an der Befragung teil. Die Kernergebnisse waren folgende:
- 45 % (n = 10) wünschen sich, die Poster auf dem Tablet selbst „swipen“ zu können.
- Beim automatischen Wechsel sollte alle zehn Minuten eine neue Folie erscheinen.
- 81 % (n = 14) der Befragten gaben an, die in den digitalen OMW vermittelten Informationen in der Praxis sinnvoll nutzen zu können.
- 88 % (n = 15) sind bereit, eine oder mehrere OMW-Folien zu entwerfen.
Diskussion
Die Befragung hat gezeigt, dass die Mitarbeitenden gerne selbst zwischen den Folien wechseln möchten. Das eigenständige Swipen gestaltete sich in der Umsetzung jedoch problematisch, da die Touchfunktion des Tablets für Außenstehende gesperrt ist. Es ist aber geplant, die Touchfunktion künftig für die Lesenden freizugeben.
Künftig ist zudem stärker auf eine ausreichend große Schriftart zu achten, da die Darstellung der Folien auf dem Tablet kleiner ist als auf den ausgedruckten DIN-A4-Postern. Zudem soll es perspektivisch möglich sein, im OMW-Netzwerk zur Verfügung gestellte Poster direkt in die digitale Variante einzupflegen.
Die Pilotierung hat gezeigt, dass die digitale Variante im Vergleich zu ausgedruckten Postern mit höheren Kosten einhergeht. Dennoch sind der fachliche Erkenntnisgewinn und das positive Feedback der Mitarbeitenden bezüglich der digitalen OMW-Variante hervorzuheben.
Der Autor dankt dem OMW-Netzwerk für die Unterstützung bei diesem Artikel.
[1] Schmidt B, Krüger L. Lernen in nur einer Minute. Intensiv 2016; 24 (5): 258–259
[2] Krüger L. Warten mit Sinn. Intensiv 2017; 25 (5): 246–248
[3] Lehnen T, Nydahl P, Krüger L. Schnelle und effektive Wissensvermittlung. PflegenIntensiv 2019; 16 (2): 48–50