Im Rahmen der pflegerischen Fachweiterbildungen an der Uniklinik Köln erfolgte eine konzeptionelle Umstellung des Moduls Projektmanagement: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstellten Lehrvideos zu praktischen Themen, um das Potenzial des Projektmanagements mit den beruflichen Handlungsfeldern im OP-Saal und in der Intensivpflege zu verbinden.
Sowohl in der Fachweiterbildung in der Intensiv- und Anästhesiepflege als auch in der Weiterbildung im Operationsdienst wird der Abschluss des Moduls 8.1, „Projektmanagement“, gefordert. Das Modul gehört mit 60 Theoriestunden und zehn Stunden Selbststudium zu einer der größten Unterrichtseinheiten. Das Modul soll die Absolventinnen und Absolventen befähigen, mit den Methoden des Projektmanagements eigenständig Projekte zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Neben den Grundlagen des Projekt-managements, der Planung und der Organisation ist auch das Erlernen von Arbeitstechniken für ergebnis- und teamorientierte Projektarbeit obligat.
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (im Folgenden: Teilnehmer) im fachfremden Bereich der Projektplanung und Organisation nur selten einen Gewinn für ihr berufliches Handeln sehen. Die Projektarbeiten wurden im Anschluss an die Weiterbildungsmaßnahme nicht mehr verfolgt und dienten häufig nur dem theoretischen Abschluss des Moduls.
Im Rahmen der pflegerischen Fachweiterbildungen an der Uniklinik Köln erfolgte daher eine konzeptionelle Umstellung des Moduls. Ziel war es, das Potenzial des Projektmanagements mit dem Handlungsfeld der Intensivpflege und des Operationsdienstes zu verbinden und so die Akzeptanz unter den Lernenden für das Feld der Projektarbeit zu erhöhen.
Im Hinblick auf eine zukunftsgerichtete Organisations- und Schulentwicklung stand die Integration von digitalen Medien und neuer Lerntechnologien im Vordergrund. Demzufolge wurde die eigenständige Erstellung von Lehrvideos aus dem täglichen Handlungsfeld der Teilnehmer als eine geeignete Methode der Neuausrichtung gesehen. Die konzeptionelle Umgestaltung des Moduls sollte dabei die theoretischen Ansätze des Projektmanagements mit dem beruf- lichen Handeln anhand fachpraktischer Lehrfilme verbinden.
Kompetenzorientierte Aufgabenverteilung
Zunächst musste hierfür das nötige Equipment bereitgestellt werden. Für die Videoaufnahmen standen die Tabletcomputer der Weiterbildungsstätte zur Verfügung, auf die im Vorfeld eine Software zur Videobearbeitung installiert wurde. Für die musikalische Untermalung der Videos wurde eine Lizenz für nichtkommerzielle Musik im Internet erworben. Zudem wurden Selfiesticks, Stative und Richtmikrofone angeschafft. Auch die Nutzung des eigenen digitalen Endgeräts oder des Smartphones war zugelassen.
Die theoretische Einführung in das Modul übernahmen die Verantwortlichen aus der Abteilung Projektportfolio und Prozessmanagement der Uniklinik Köln. In einer zweitägigen Unterrichtsveranstaltung wurden den Teilnehmenden die Grundlagen des Projektmanagements, die Planung und die Organisation von Projekten und der anschließende Transfer auf die Lehrvideos nähergebracht.
Im Anschluss wurden Projektteams gebildet, die aus fünf bis sechs Personen bestanden. Innerhalb der Teams musste eine Auswahl für das Projektthema bzw. die Wahl des Lehrvideos getroffen werden. Eine Auswahl an Vorschlägen stellte die Weiterbildungsstätte zur Verfügung. Die Auswahl fiel auf folgende fachrelevante Handlungsfelder: Intensivtagebuch, praktisches Handling der Bauchlage, nichtinvasive Beatmung, Übernahme eines Patienten aus der zentralen Notaufnahme sowie die Erstellung eines Imagefilmes für die Fachweiterbildung an der Uniklinik Köln. Die Teilnehmenden des Operationsdienstes entschieden sich für die Themen hygienische/chirurgische Händedesinfektion und das Richten eines chirurgischen Grundtischs.
Um den Herausforderungen der technisch anspruchsvollen Erstellung von Lehrvideos zu begegnen, wurden Experten der Uniklinik Köln in die Unterrichtsveranstaltung eingeladen.
Zunächst wurden die Teilnehmer über Aspekte des Datenschutzes informiert. Vorab hatte die Weiterbildungsstätte festgelegt, dass keine anderen Beschäftigten, Angehörigen oder Patienten der Uniklinik in den Lehrvideos zu sehen sein sollten. Die Lehrvideos sollten allein dem Gebrauch und der Veröffentlichung im Rahmen des Weiterbildungskontextes zur Verfügung stehen.
Des Weiteren referierte ein Kollege aus der Abteilung der Unternehmenskommunikation über den richtigen Umgang mit den digitalen Endgeräten und die Kameraführung. Er gab Tipps zum Positionieren von Schauspielern, zur anschließenden Vertonung, zum Schnitt der Filmaufnahmen und zur zielgerich-teten Entwicklung eines Drehbuchs.
Innerhalb der Projektteams erfolgte eine kompetenzorientierte Aufgabenverteilung: Jedes Projektmitglied musste bestimmte Teilaufgaben und Rollen übernehmen. Für die Projektplanung und anschließende Entwicklung des Drehbuchs stellte die Weiterbildungsstätte zwei Tage Unterrichtszeit zur Verfügung. Vor allem die Erstellung des Drehbuchs war ein zentrales Element im Rahmen des Zeitmanagements. Die Teilnehmer mussten vor Drehbeginn bestimmen, welche Sequenzen und Positionen der Schauspieler aufeinander folgen. Das methodische Vorgehen und die Darstellung der fachpraktischen Handlungsschritte waren dabei obligat. Ebenso legten die Teams den Text der Schauspieler sowie die Kameraposition und die Lichteinstellung fest.
Um ausreichend Möglichkeiten für Drehorte und Szenen zu schaffen, wurden Schulungsräume der Weiterbildungsstätte sowie Räumlichkeiten des interprofesionellen Skills Lab der Uniklinik Köln gebucht. Leerstehende Zimmer der Intensivstationen, Einleitungsräume der Anästhesiepflege und Säle der Operationsabteilungen konnten nach Rücksprache und vorzeitiger Anmeldung zusätzlich genutzt werden. Die Organisation von Materialien wie Dienstkleidung und Anschauungsmaterial, je nach Thema des Lehrvideos, organisierten die Teilnehmer aus den Praxiseinsätzen selbst.
Vier bis sechs Stunden Videomaterial – für fünf Minuten Film
Für den letztendlichen Dreh der Lehrfilme, den abschließenden Filmschnitt sowie die Vertonung und das Einsprechen der Off-Text-Schilderungen standen drei weitere Unterrichtstage und ein Tag Selbststu- dium zur freien Verfügung. Um ausreichend Schnittmaterial bereit zu halten, war es notwendig, einzelne Sequenzen der Lehrvideos mehrfach zu drehen. Für etwa fünf Minuten fertiggestellten Film mussten ungefähr vier bis sechs Stunden Videomaterial produziert werden.
Die Präsentation der fertiggestellten Videos erfolgte im Rahmen der Modulabschlussprüfung. Die Bewertungskriterien beruhten hierbei auf der Vorstellung der Projektplanung und der anschließenden Vorführung des Films. Ein weiterer Parameter war die fachlich-methodische Qualität der Handlungsschritte innerhalb der Lehrvideos.
Im Anschluss an die Modulabschlussprüfung fand eine „Oscar-Verleihung“ statt, die neben der Notenfindung auch der Wertschätzung der Teilnehmer und ihrer intensiven Arbeit mit den Lehrvideos galt. Prämiert wurden: bester Film, bester Hauptdarsteller/ -darstellerin, bestes Drehbuch und beste Regie.
Die anschließende Evaluation des Moduls ergab, dass die Akzeptanz für das Thema Projektmanagement durch die eigenständige Entwicklung der fachpraktischen Lehrvideos deutlich gestiegen war. Die Medienkompetenz war dank der Arbeit mit dem elektronischen Lehrformat sichtlich gereift, da neue Handlungselemente wie Kameraeinstellungen, Schnitt und Vertonung in den Unterricht integriert wurden. Die Sozialkompetenz innerhalb der Gruppe wurde aufgrund des hohen Maßes an Eigenverantwortung gestärkt. Budget und Personalaufwand für die Erstellung der Lehrvideos blieben gering, da die Videoprojekte in der Unterrichtszeit geplant und erstellt werden konnten. Lediglich die Kosten für das Equipment und die Software kamen zum Tragen.
Lehrvideos für Unterrichtszwecke genutzt
Ein künftiger Vorteil ist, dass die produzierten Lehrvideos für Unterrichtszwecke genutzt werden können. Denn beim Erlernen von praktischen Fähig- und Fertigkeiten spielen Lehrvideos in der beruflichen Weiterbildung mittlerweile eine immer wichtigere Rolle. Durch didaktische Aufbereitung können zu einem späteren Zeitpunkt interaktive Elemente wie Quizfragen, Entscheidungsaufforderungen und anschließende Gruppenarbeitsphasen integriert werden.
So haben die Videos auch noch über den Weiterbildungskontext hinaus eine Relevanz. Ziel ist es, das vorhandene Videomaterial den nächsten Kursen zur Verfügung zu stellen, um so eine übergreifende Plattform mit fachrelevanten, qualitätskontrollierten Videos an der Weiterbildungsstätte vorzuhalten.
Denkbar ist auch, ausgewählte Videos den Praxisanleiterinnen und Praxisanleitern der Intensivstationen und operativen Abteilungen zu Anleitungszwecken bereitzustellen oder Angehörige über Handlungsschritte und pflegerische Maßnahmen zu informieren.