• 12.07.2019
  • PflegenIntensiv
Qualitätszirkel auf der Intensivstation

Das Team einbeziehen

Checklisten können die Sicherheit beim Transport eines Intensivpatienten erhöhen. Zur Erstellung einer solchen Liste bieten sich Qualitätszirkel an.

PflegenIntensiv

Ausgabe 3/2019

Seite 46

Mittels Qualitätszirkeln auf der Intensivstation lassen sich Pflegende aktiv in Entwicklungs- und Strukturprozesse, wie den Aufbau und die Weiterentwicklung einer Abteilung, einbinden. Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel einer 2015 neu eröffneten Intensivstation des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen.

Im Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW) werden seit vier Jahren im Rahmen eines sog. Qualitätszirkels auf einer Intensivstation verschiedene organisatorische Themen durch Pflegende bearbeitet (Textkasten: Qualitätszirkel).

Diese Themen im Qualitätszirkel bringen im HDZ NRW zum einen die Teilnehmenden selbst als eigene Fragen- und Problemstellungen zur gemeinsamen Lösungsentwicklung mit ein. Zum anderen stammen sie von Teammitgliedern der Intensivstation. Zur Bearbeitung der Themen können die sechs Schritte des Evidence-based Nursing helfen [1]:

  • Aufgabenklärung
  • Fragestellung
  • Literaturrecherche
  • kritische Beurteilung der Literatur
  • Implementierung und Adaption
  • Evaluation

Als praktisches Beispiel aus dem HDZ NRW ist die Entwicklung verschiedener Checklisten zu nennen. Diese stellen auch in turbulenten Situationen Sicherheit für alle an der Patientinnen- und Patientenversorgung zuständigen Professionen und letztendlich vor allem für die Betroffenen dar [2]. So erarbeiteten die Teilnehmenden im Qualitätszirkel eine Checkliste für den innerklinischen Transport von Intensivpatientinnen und -patienten. Bei der Bearbeitung dieses Themas galt es, neben den entsprechend klinikinternen Vorgehensweisen und Empfehlungen aus der Fachliteratur (externe Evidence) v. a. die Praxiserfahrungen der Mitglieder (interne Evidence) zu berücksichtigen.

Daraus entstand eine auf die speziellen Bedürfnisse und Abläufe im HDZ NRW angepasste Checkliste zum täglichen Gebrauch. Ein erster Praxistest zum Einsatz des Instruments verlief über drei Monate. In dieser Zeit hatten die Pflegenden und alle weiteren an der Patientenversorgung beteiligten Berufsgruppen die Gelegenheit, eine Rückmeldung zur Nutzbarkeit der Checkliste zu geben. Die Ergebnisse wurden gebündelt und im Rahmen einer Sitzung des Qualitätszirkels bearbeitet. Dadurch sind für die finale Entwicklung der Checkliste alle interessierten Mitarbeitenden der Abteilung mit eingebunden worden.

Die Abteilungsleitung der Intensivstation im HDZ NRW reicht ebenfalls Aufgaben bzw. Fragestellungen an den Qualitätszirkel weiter. Auf diese Weise lassen sich die Mitglieder an der Entwicklung und Steuerung einer Abteilung beteiligen [3]. Empfehlungen und Ergebnisse eines Qualitätszirkels, die anschließend in der Praxis umgesetzt werden, tragen zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden bei. Dies ist darin begründet, dass die Interessen der Mitarbeitenden berücksichtigt werden. Sie wurden durch ihre Mitarbeit im Qualitätszirkel aktiv an einer Lösungs- bzw. Ergebnisfindung beteiligt.

Qualitätszirkel

 

Es gibt verschiedene Definitionen für den Begriff „Qualitätszirkel“. Dabei handelt es sich um ein Führungsinstrument, das folgende Ziele erweitert:

 
  • Optimierung der pflegerischen Versorgungsqualität
  • Verbesserung der Arbeitsabläufe
  • Einbindung der Mitarbeiter in die Entwicklung einer Abteilung oder Organisation
 

Lernprozesse entstehen im Qualitätszirkel durch die zunehmend effektive Zusammenarbeit in der Gruppe. Das benötigt zunächst jedoch ausreichend Zeit [2].

Ein Qualitätszirkel ist eine kleine Arbeitsgruppe, die aus acht bis zehn Mitarbeitenden besteht. In vorab fest- gelegten Abständen, z. B. einmal monatlich, kommen die frei­willig Teilnehmenden zusammen und bearbeiten qualitätsrelevante Problem- und Fragestellungen aus der Praxis. Die Freiwilligkeit ist besonders wichtig.

Eine Verpflichtung zur Mitarbeit beeinflusst die Teilnehmenden möglicherweise negativ. Die Leitung des Qualitätszirkels übernimmt ein/e Moderator/-in. Er/sie steuert u. a. die in der Gruppe aufkommenden Diskussionen zur Lösungsfindung, bündelt die Ergebnisse und führt ein Protokoll zu jeder Sitzung. Entwickelte Gruppenergebnisse leitet er/sie an die Abteilungsleitung weiter [5].

Mehrere Perspektiven zur Lösungsfindung

Die Arbeitsgruppe besteht aus insgesamt zehn Personen, je fünf Frauen und Männer. Da die Gruppe sich auch in den Punkten Qualifikation, Berufserfahrung und Alter der Teilnehmenden heterogen zusammensetzt, werden in die Diskussionen verschiedene Blickwinkel zur Lösungsfindung eingebracht. Für die monatlichen Treffen steht ein Besprechungsraum innerhalb der Abteilung zur Verfügung.

Im HDZ NRW haben die Teilnehmenden des Qualitätszirkels bereits viele Themen bearbeitet. Insbesondere die Erstellung von Checklisten für die pflegerische Praxis hat einen großen Stellenwert eingenommen. Dazu gehört neben der Checkliste für den innerklinischen Patientinnen- und Patiententransport u. a. jene zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Aufnahme eines Patienten aus einer überweisenden Klinik. Neben dem standardisierten Monitoring am Bettplatz werden dazu z. B. auch weiterführende Materialien zur Blutabnahme oder Anlage eines zentralen Venenkatheters benötigt.

Die Vorbereitung ist komplex und erfordert eine gute Organisationsstruktur seitens der Pflegenden. Darauf werden neue Mitarbeiter vor allem im Rahmen des Einarbeitungskonzepts auf der Intensivstation umfassend vorbereitet [4]. Die Abarbeitung der Checkliste stellt darüber hinaus sicher, dass der Bettplatz und die Umgebung für alle möglichen Herausforderungen vorbereitet sind. Insbesondere Pflegende in Teilzeitbeschäftigung kommen nicht täglich mit diesen Situationen in Berührung. Grundsätzlich profitieren aber alle Pflegenden von den Checklisten.

Ein größeres Projekt bestand in der Neugestaltung des Informationsflyers für Angehörige von Intensivpatienten. Dabei handelt es sich um ein Faltblatt, das innerhalb der Intensivstationen sowie in den dazugehörigen Warteräumen ausgestellt wird. Angehörige erhalten so eine kurze Information zu den Besuchszeiten, der Umgebungsstruktur der Patientinnen und Patienten, Tipps zum Verhalten auf der Intensivstation, Informationen zur Klinik und wichtige Telefonnummern. Für die Überarbeitung wurde u. a. die Wittener Liste zur Beurteilung von Broschüren herangezogen [6]. Der Flyer ist inzwischen auf allen Intensivstationen in der Versorgung von erwachsenen Patientinnen und Patienten im HDZ NRW implementiert und zusätzlich über das Internet abrufbar [7].

Win-win-Situation für alle Abteilungen

Qualitätszirkel bieten eine hervorragende Möglichkeit, das pflegerische Team in die Optimierung von Abläufen einer Abteilung einzubinden. Darüber hinaus könnten zusätzlich auch alle weiteren an der Patientenversorgung beteiligen Professionen entsprechend mitwirken. Qualitätsrelevante Fragestellungen werden im Rahmen eines moderierten Gruppenaustauschs bearbeitet und gelöst. Im HDZ NRW werden u. a. die bereits entwickelten Checklisten auch weiteren Abteilungen zur Verfügung gestellt. Dazu wurde eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe gebildet. Auf diesem Weg profitieren viele Berufsgruppen von den Arbeitsergebnissen des Qualitätszirkels einer Abteilung. Daraus folgt eine Steigerung der Qualität in der Patientenversorgung und eine Verbesserung der Patientensicherheit.

[1] Behrens J, Langer G. Evidence- based Nursing und Caring. Methoden und Ethik der Pflegepraxis und Versorgungsforschung. 3. überarbeitete und ergänzte Aufl. Bern: Huber; 2010: 324

[2] Schmidt S. Das QM-Handbuch. Qualitätsmanagement für die ambulante Pflege. 2. aktualisierte und erweiterte Aufl. Berlin: Springer; 2010: 11–39, 144–147

[3] Hößl I, Behr T, Jaschke C. Motivation im Alltag – Der Mitarbeiter im Spannungsfeld zwischen gelebter und nicht gelebter Kultur. In Bechtel P, Friedrich D, Kerres A (Hrsg.). Mitarbeitermotivation ist lernbar. Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen motivieren, führen, coachen. Berlin: Springer; 2010: 49–67

[4] Krüger L, Mosel J. Begleitung über zwei Jahre. PflegenIntensiv 2018; 27 (2), 36–39

[5] Rischar K, Totze C. Qualitätszirkel. Effektive Problemlösung durch Gruppen im Betrieb. 5. Aufl. Renningen: expert; 2002: 21–46

[6] Wittener Liste zur Broschürenbeurteilung. Im Internet: patientenedukation.de/sites/default/files/downloads/Wittener_Liste.pdf; Zugriff: 29.05.2019

[7] HDZ NRW. Informationen für Angehörige. Herzchirurgische Intensivstationen. Im Internt: www.hdz-nrw.de/fileadmin/downloads/kliniken/Chirurgie/Flyer_Intensivstation_CH_web.pdf; Zugriff: 29.05.2019

Checklisten können die Sicherheit beim Transport eines Intensivpatienten erhöhen.

Zur Erstellung einer solchen Liste bieten sich Qualitätszirkel an.

Lars Krüger, B. A.

Pflegewissenschaftler,

Fachgesundheits- und

Krankenpfleger, Praxisanleiter

Herz- und Diabeteszentrum

Nordrhein-Westfalen (HDZ),

Chirurgische Intensivstation 3

lkrueger@hdz-nrw.de

Autor

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