Auch für Angehörige stellt der Aufenthalt auf einer Intensivstation eine Krise dar. Umso wichtiger ist es, Familien professionell in das Geschehen zu involvieren – ohne Vorbehalte, ohne Restriktionen. Dabei gilt es auch, den Betroffenen einen ansprechenden Rückzugsraum anzubieten. Einige Kliniken gehen hier mittlerweile mit positiven Beispielen voran.
Im Zuge des Projekts „Angehörigenfreundliche Intensivstation“ sind mittlerweile mehr als 300 Intensivstationen vom Pflege e. V. ausgezeichnet worden (Infos dazu unter www.stiftung-pflege.de). Wenn Intensivstationen eine Zertifizierung anstreben, geht es zunächst darum, sich von streng reglementierten „Besuchszeiten“ zu verabschieden und eine Willkommenskultur für Angehörige aufzubauen.
Die Chance nutzen, Familien zu unterstützen
Bei der Zertifikatverlängerung begutachtet der Pflege e. V., ob weitere Schritte zur Unterstützung von Familien unternommen wurden. Dabei spielt immer auch die Gestaltung des Wartebereichs einer Intensivstation eine Rolle. Geschützte Rückzugsorte sind wichtig, da es immer wieder zu Situationen kommt, in denen Angehörige das Patientenzimmer temporär verlassen müssen. Zum Teil befinden sich Wartezonen außerhalb der Stationen; im ungünstigsten Fall sitzen – oder stehen – die Angehörigen auf dem Stationsflur, beobachten die Abläufe und machen sich in dieser Zeit ihre eigenen Gedanken.
Zu bedenken ist dabei: Intensivstationen sind für Außenstehende ein unbekanntes Terrain – geheimnisumwittert und angstmachend. Angehörige halten sich meist nur kurz auf einer Intensivstation auf, doch die Erlebnisse bleiben „in den Kleidern hängen“. Der Aufenthalt auf einer Intensivstation stellt somit nicht nur für Patienten, sondern auch für Angehörige eine Krise dar – sie machen sich Sorgen, ihr Alltag ist unterbrochen. Pflegende und Ärzte sollten die Chance nutzen, Familien zu unterstützen und so das Image der Intensivpflege aufzubessern.
Ein Wartebereich sollte als beruhigender Rückzugsraum konzipiert werden. Dabei spielt das Ambiente eine zentrale Rolle. Bequeme Sitzmöglichkeiten sind wichtig, Getränke sollten zur Verfügung stehen, Informationsmaterial, Zeitschriften und Bücher sollten ausliegen. Bilder mit schönen Motiven und ein Wandanstrich in einer „warmen“ Farbe sind einer behaglichen Atmosphäre zuträglich.
Natürlich herrscht in Kliniken Raumknappheit – häufig wird um jede Besenkammer gekämpft. Deswegen sind der Mut und die Beharrlichkeit engagierter Mitarbeiter bewundernswert, die immer wieder die Not der Angehörigen deutlich machen. Ihnen gelingt es stets aufs Neue, mit einfachen Mitteln einen kleinen Wartebereich herzurichten.
Mit gutem Beispiel vorangehen
Im Angehörigenraum des Klinikums Traunstein ist es z. B. sogar möglich, auf einem Sofa die Beine auszustrecken. Auch das Landeskrankenhaus Zwettl in Niederösterreich geht mit gutem Beispiel voran. Hier wurde kürzlich ein Bild des sog. Hoffnungsspaziergangs des Pflege e. V. aufgehängt.
Pflegende sind dazu aufgerufen, sich die Warte- gelegenheiten ihrer Abteilung bzw. Klinik genauer anzusehen und – sofern nötig – Veränderungen herbeizuführen. Dies kann gerne auch im Rahmen von Abschlussarbeiten nach Weiterbildungen, als Bachelor- oder Master- bzw. Doktorarbeiten (inklusive einer Befragung der Wartenden) erfolgen. Der Pflege e. V. wird gute Beispiele verbreiten.