Am Krankenhaus Köln-Merheim startet am 1. Oktober 2018 eine zweijährige Fachweiterbildung, die auf die Pflege von Patienten mit extrakorporalen Herz- und Lungenersatzverfahren fokussiert. Über die Hintergründe sprachen wir mit Prof. Dr. Christian Karagiannidis, der das ARDS- und ECMO-Zentrum am Klinikum Köln-Merheim leitet und an der Universität Witten/Herdecke die deutschlandweit einzige Professur für extrakorporale Lungenersatzverfahren innehat.
Herr Professor Karagiannidis, wie kam es zu dieser Fortbildung?
Deutschland ist das einzige Land der Welt, in dem an sehr vielen Kliniken – vom Maximalversorger bis hin zum kleinen Krankenhaus – ECMO durchgeführt wird. Die Sterblichkeit der Patienten ist hierzulande jedoch deutlich höher als im internationalen Vergleich. Ein Grund hierfür ist die fehlende strukturierte Ausbildung von Pflegenden und Ärzten. Um die zu ändern, haben wir im vergangenen Jahr unsere ECMO-Akademie gegründet und sind sehr froh, dass die zweijährige Fachweiterbildung für Intensivpflegende in diesem Herbst startet. Dieses Leuchtturmprojekt stellt eine deutschlandweit einmalige Weiterbildung dar, die in erster Linie die Qualifikation der Absolventen verbessern soll.
An welche Personen richtet sich das Angebot?
Eine abgeschlossene Fachweiterbildung in der Anästhesie- und Intensivpflege ist wünschenswert, stellt aber keine zwingende Voraussetzung dar. Prinzipiell können sich alle interessierten Pflegenden bewerben. Sollte eine nur geringe Intensiverfahrung vorliegen, erfolgt eine einjährige Einarbeitung – gefolgt vom Durchlaufen des Curriculums.
Ist eine zweijährige Weiterbildung speziell für das Thema ECMO nicht etwas hoch angesetzt?
Die klinische Erfahrung am Patienten ist eminent wichtig. Man muss eine gewisse Zahl von Patienten betreut haben, insbesondere um seltene Komplikationen erkennen und behandeln zu können. Zudem erfolgt der Unterricht einmal wöchentlich, sodass wir bei dem Umfang des Curriculums genügend Zeit brauchen.
Wie sieht das Curriculum aus?
Das Curriculum lehrt alle Aspekte extrakorporaler Herz- und Lungenersatzverfahren, wie unter anderem die umfassende technische Lehre aller auf dem Markt verfügbaren Systeme und die pflegerische Versorgung in allen Aspekten.
Wer hat das Curriculum entwickelt?
Das Curriculum ist unter meiner Federführung als Teil der Professur für extrakorporale Lungenersatzverfahren an der Universität Witten/Herdecke entstanden, wird aber zusammen mit einer hauptamtlichen Pflegekraft entwickelt und geleitet.
Welche Aufgaben sollen die Absolventen bei ECMO-Patienten übernehmen?
Diese Frage ist im Vorfeld schwierig zu beantworten. Sicherlich kommt es sehr stark auf die lokale Organisation der Station und den Umgang miteinander an. Prinzipiell sollte meiner Ansicht nach aber vermehrt eine Aufgabenteilung nach Qualifikation erfolgen und auch die Vergütung muss deutlich mehr an Wissen und Fähigkeiten der Mitarbeiter angepasst werden, als dies im Moment der Fall ist. Eine solche Zusatzausbildung kann auch dazu genutzt werden, um mit den Krankenhausträgern über eine bessere Vergütung zu verhandeln. Pflegende dürfen hier deutlich mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen. Nach Evaluation des Curriculums sind zudem auch eine Integration in ein Masterprogramm oder auch eine staatliche Anerkennung ein mittelfristiges Ziel.
Herr Professor Karagiannidis, vielen Dank für dieses Gespräch.