Huang und Kollegen untersuchten in ihrer Metaanalyse „Timing of Tracheostomy in Critically Ill Patients“, ob Intensivpatienten von einer frühzeitigen Tracheotomie profitieren. Das Ergebnis ist eindeutig.
Patienten werden in der Regel dann tracheotomiert, wenn damit zu rechnen ist, dass sie längere Zeit beatmet werden müssen. Die Tracheotomie ist als perkutane Dilatation auf Intensivstationen weit verbreitet. Sie bietet gegenüber der endotrachealen Beatmung den Vorteil des gerin-geren Atemwegswiderstands und des geringeren Totraums. Dadurch muss weniger Atemarbeit vom Patienten aufgewendet werden, was den Verbrauch von Analgetika und Sedativa reduziert.
Vor oder nach zehn Tagen tracheotomieren?
Bislang gab es widersprüchliche Aussagen über den optimalen Zeitpunkt einer Tracheotomie. In einer aktuellen Metaanalyse von Huang et al., die im März 2014 in der wissenschaftlichen Online-Fachzeitschrift „Plot One“ veröffentlicht wurde, wurde dieser Frage nachgegangen. Es wurden ausschließlich randomisiert kontrollierte Studien eingeschlossen. Es wurden neun Studien gefunden, die diesen Qualitätskriterien genügten.
Als Frühtracheotomie wurde eine Tracheotomie definiert, die innerhalb von zehn Tagen nach endotrachealer Intubation erfolgte. Als Spättracheotomie wurde ein Eingriff nach zehn Tagen festgelegt. Insgesamt wurden 2072 Patienten eingeschlossen, die zwischen 2002 und 2013 in einer der beiden Gruppen randomisiert worden waren.
Als primäres Outcome wurde die Mortalität auf der Intensiv- oder Normalstation sowie die 90-Tage-Mortalität untersucht. Im Vergleich von früher mit später Tracheotomie ergaben sich hier keine signifikanten Unterschiede – auch dann nicht, wenn ein Zeitraum von vier Tagen versus größer als vier Tage verglichen wurde.
Als sekundäre Outcomes standen die Dauer der Beatmung, die Aufenthaltsdauer und das Auftreten Beatmungs-assoziierter Pneumonien auf dem Prüfstand. Auch hier zeigte sich keine signifikante Überlegenheit eines frühen Vorgehens. Die Autoren schränkten jedoch ein, dass die Heterogenität der Studien relativ groß war. Das lag teilweise daran, dass unterschiedliche Definitionen für die Diagnose einer Pneumonie verwendet wurden und dass die Vorgehensweise der Mundpflege und der Tracheotomie auf den Stationen unterschiedlich war. Letztere wurde chirurgisch oder als perkutane Dilatation vorgenommen.
Übliches Prozedere bestätigt
Die Metaanalyse bestärkt das auf den meisten Intensivstationen in Deutschland übliche Prozedere: In etwa 70 Prozent der Fälle werden Patienten in der zweiten Beatmungswoche tracheotomiert (Kluge et al. 2008. Anesth Anal 107: 1639– 43). Die vorliegende Metaanalyse ergab keine Evidenz für einen Vorteil einer frühen Tracheotomie.