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"Zielbild Pflege 2035"

Wie die Charité die Rolle der Pflege neu definiert

Interprofessionelle Führung an der Charité: Oberärztinnen Julia Herzig-Nichtweiß und Petra Hühnchen (v. li.) sowie pflegerischer Stationsleiter Tom Amende.

Das "Zielbild Pflege 2035" der Charité – Universitätsmedizin Berlin will die Rolle der Pflege neu schärfen: weg von der reinen Versorgung, hin zu mehr Verantwortung in Steuerung, Wissenschaft und Systemgestaltung. Im Interview spricht die stellvertretende Pflegedirektorin der Charité, Stephanie Schönbeck, über konkrete Veränderungen im Pflegealltag, neue Rollenprofile und die Frage, woran sich der Anspruch messen lassen muss.

 

Frau Schönbeck, die Charité spricht vom "Zielbild Pflege 2035". Was unterscheidet dieses Zielbild von bisherigen Pflegekonzepten?

Das Zielbild Pflege 2035 ist für uns mehr als ein klassisches Konzeptpapier. Es beschreibt nicht nur, was Pflege heute leistet, sondern welche Rolle sie künftig im Gesundheitssystem einnehmen muss und will. Der Unterschied liegt aus meiner Sicht vor allem darin, dass wir Pflege nicht nur aus der aktuellen Krisenperspektive betrachten – also Fachkräftemangel, Arbeitsverdichtung, Finanzierungsdruck oder Entlastungsdebatten –, sondern als eigenständige, wissenschaftlich fundierte und gestaltende Profession. Wir sagen damit sehr bewusst: Pflege ist nicht nur Teil der Versorgung, Pflege gestaltet Versorgung. Das Zielbild verbindet dabei Haltung, klinische Praxis, Pflegewissenschaft, Bildung, Management und Systemverantwortung zu einem professionellen strategischen Gesamtbild.

"Pflege ist nicht nur Teil der Versorgung, Pflege gestaltet Versorgung."

Es macht sichtbar, dass Pflege weit mehr ist als eine unterstützende Berufsgruppe im Versorgungsgeschehen: Sie ist ein wesentlicher Faktor für Patientensicherheit, Versorgungsqualität, Innovation und die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems. An der Charité schaffen wir damit einen gemeinsamen Orientierungsrahmen, der Rollen, Kompetenzen, Entwicklungspfade und Verantwortungsräume zusammenführt. Wichtig ist mir: Wir erfinden Pflege damit nicht neu. Pflege war immer professionell, verantwortungsvoll und nah an den Patientinnen und Patienten. Aber wir schaffen einen klareren Rahmen, damit diese Professionalität strukturell sichtbarer, verbindlicher und entwicklungsfähiger wird.

Gestaltende Pflege: Mehr Verantwortung im Pflegealltag

Im Zielbild ist von einer "gestaltenden" Pflege die Rede. Was bedeutet das für den Arbeitsalltag von Pflegefachpersonen?

Gestaltende Pflege bedeutet für mich zunächst: Pflegefachpersonen sollen ihre fachliche Perspektive aktiv einbringen – nicht erst dann, wenn Entscheidungen bereits getroffen sind, sondern dort, wo Versorgung geplant, gesteuert und weiterentwickelt wird. Im Alltag heißt das zum Beispiel, dass Pflegefachpersonen den Pflegeprozess eigenverantwortlich steuern, Risiken frühzeitig erkennen, Patientinnen, Patienten und Angehörige beraten, Übergänge koordinieren und im interprofessionellen Team auf Augenhöhe mitentscheiden. Es geht nicht darum, zusätzliche Aufgaben einfach "oben drauf" zu legen. Es geht darum, vorhandene Kompetenz gezielter einzusetzen und Verantwortung dort zu verorten, wo sie fachlich hingehört. Gestaltend heißt auch: Wenn Pflegefachpersonen sehen, dass ein Prozess für Patientinnen oder Patienten nicht gut funktioniert, dann sollen sie die Möglichkeit und den Auftrag haben, dies zu benennen und zu verändern. Gute Pflege ist nicht nur die Durchführung einer Maßnahme. Gute Pflege erkennt Zusammenhänge, priorisiert, kommuniziert, schützt, koordiniert und verbessert Versorgung – für unsere Patientinnen und Patienten.

 

Ab wann erhalten Pflegefachpersonen mehr Gestaltungsspielraum – und wie zeigt sich das im Alltag?

Das Zielbild ist kein Schalter, den man an einem bestimmten Datum umlegt. Es ist ein Entwicklungsweg. Aber es ist auch kein ferner Zukunftstraum. Viele Elemente setzen bereits heute ein: mit klareren Rollenprofilen, mit dem "Scope of Practice", mit der Stärkung akademisierter Pflege in der direkten Versorgung, mit Projekten zur Prozesssteuerung und mit der systematischeren Verbindung von Pflegewissenschaft und Praxis. Sichtbar wird mehr Gestaltungsspielraum dort, wo Pflegefachpersonen klarere Zuständigkeiten haben, wo Entscheidungen transparenter getroffen werden und wo pflegerische Expertise in Gremien, Qualitätsprozessen, Fallbesprechungen und Prozessentwicklungen verbindlich eingebunden ist.

"Gestaltungsspielraum entsteht nicht durch ein schönes Wort im Papier, sondern durch Strukturen, Vertrauen und gelebte Verantwortung."

Für die Mitarbeitenden muss das konkret spürbar werden: durch definierte Handlungsrahmen für alle Ausbildungsniveaus, durch mehr Sicherheit bei delegierten und vor allem eigenverantwortlichen Tätigkeiten, durch bessere Entwicklungsperspektiven und durch Führungskräfte, die Beteiligung nicht nur zulassen, sondern aktiv einfordern. Gestaltungsspielraum entsteht nicht durch ein schönes Wort im Papier, sondern durch Strukturen, Vertrauen und gelebte Verantwortung.

Evidenzbasierte Pflege: Wie Pflegewissenschaft in die Praxis kommt

Ein zentrales Schlagwort im Zielbild ist die Evidenzbasierung. Wie werden evidenzbasierte Pflege und Pflegewissenschaft in die klinische Praxis integriert? 

Evidenzbasierte Pflege bedeutet für mich, dass Patientinnen und Patienten charitéweit nach aktuellen pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen und verlässlichen Qualitätsgrundsätzen versorgt werden – immer verbunden mit klinischer Expertise und den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten. Dafür darf Pflegewissenschaft nicht neben der Praxis stehen. Entscheidend ist eine wechselseitige Verbindung: Klinische Fragestellungen, Versorgungsrisiken und nicht mehr zeitgemäße Routinen müssen dort aufgenommen werden, wo sie entstehen – im unmittelbaren Versorgungsgeschehen. Diese Fragen werden strukturiert in fachliche und wissenschaftliche Prozesse eingebracht, Erkenntnisse werden aufbereitet und in Standards, Schulungen sowie konkrete Veränderungen der Versorgung übersetzt. Akademisierte Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine wichtige Brückenfunktion.

"Pflegewissenschaft darf nicht neben der Praxis stehen."

Sie verbinden klinische Erfahrung mit wissenschaftlicher Kompetenz, bringen pflegewissenschaftliche Erkenntnisse in die Versorgung ein und unterstützen Teams bei der Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen. Im Kern bedeutet das für mich: Praxis und Pflegewissenschaft stehen nicht in einer einseitigen Beziehung. Sie entwickeln gemeinsam Lösungen für klinisch relevante Fragen und schaffen die Grundlage dafür, die Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Das "Zielbild Pflege 2035" betont auch neue Rollenprofile und Karrierewege. Was ist hier konkret vorgesehen?

Das Besondere an "Pflege 2035" ist, dass wir nicht nur einzelne neue Rollen oder Karrierewege beschreiben, sondern die Frage stellen: Welche Verantwortung übernimmt die Pflegeprofession künftig konkret – in der direkten Versorgung, in der Anleitung und Bildung, in der Steuerung von Prozessen und in der Pflegewissenschaft? Für Pflegefachpersonen ist daran zentral: Berufliche Entwicklung soll nicht automatisch aus der Patientenversorgung herausführen. Die klinische Praxis selbst muss ein Ort sein, an dem fachliche Vertiefung, mehr Verantwortung und sichtbare Karriere möglich sind. Gleichzeitig braucht es klare Wege in Bildung, Management und Wissenschaft – nicht als getrennte Welten, sondern als Funktionen, die auf die Versorgung zurückwirken. Unser Anspruch mit "Pflege 2035" ist, diese Bausteine stärker miteinander zu verbinden: Qualifikation, Rolle und Verantwortung sollen nachvollziehbar zusammenpassen. Eine Pflegefachperson soll erkennen können, welche Entwicklungsperspektiven es gibt, welche Verantwortung damit verbunden ist und welchen Beitrag diese Rolle für Patientinnen, Patienten, Teams und Qualität leistet.

Prozessorientierung: Wie Pflege den Patientenpfad steuert

Ein weiteres Handlungsfeld ist die Prozessorientierung. Was bedeutet das für Pflegende an der Charité?

Prozessorientierung heißt für uns: Pflegefachpersonen betrachten Versorgung nicht nur aus der Perspektive einzelner Tätigkeiten, sondern entlang des gesamten Patientenpfads. Genau darin liegt eine große Stärke der Profession. Pflegefachpersonen sind in vielen Bereichen diejenigen, die Patientinnen und Patienten am kontinuierlichsten begleiten – von der Aufnahme über Diagnostik, Therapie und Pflegeprozess bis zur Entlassung oder Weiterleitung in andere Versorgungsbereiche. Diese Kontinuität schafft eine besondere Prozesskompetenz. Pflegefachpersonen erkennen früh, wenn Informationen fehlen, Übergänge unsicher werden, Risiken entstehen oder Patientin beziehungsweise Patient und Angehörige nicht ausreichend eingebunden sind. Sie sehen nicht nur einzelne Prozessschritte, sondern deren Wirkung auf den Alltag der Patientinnen und Patienten. Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag dazu, Versorgung sicherer, koordinierter und stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Im Zielbild geht es darum, diese Stärke systematischer zu nutzen. Prozesskompetenz soll nicht allein von individueller Erfahrung abhängen, sondern in Rollen, Standards und Steuerungsroutinen sichtbar werden: etwa bei Übergaben, im Entlassmanagement, in der Gestaltung von Patientenpfaden oder bei der Frage, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt verfügbar sein müssen. Pflegefachpersonen bringen hier nicht nur Rückmeldungen aus dem Alltag ein, sondern übernehmen Verantwortung für die Weiterentwicklung von Versorgungsprozessen. Digitalisierung, Daten und KI werden diese Kompetenz noch konsequenter stärken, etwa indem Risiken früher sichtbar werden, Informationen verlässlicher verfügbar sind oder Prozessbrüche schneller erkannt werden. Sie ersetzen aber nicht die professionelle Einschätzung der Pflegefachpersonen. Sie schaffen bessere Voraussetzungen, damit pflegerische Urteilskraft im Versorgungspfad wirksamer wird.

Im Zielbild wird Pflege als "Systemgestalterin" beschrieben. Welche Rolle nimmt Pflege damit über die Charité hinaus ein?

Pflege gestaltet Versorgung jeden Tag. Wenn wir Pflege als Systemgestalterin beschreiben, geht es darum, diese Gestaltungskraft auch dort stärker wirksam zu machen, wo über Versorgungsmodelle, Strukturen, Qualität, Digitalisierung und Finanzierung entschieden wird. Pflegefachpersonen wissen aus ihrer kontinuierlichen Verantwortung im Versorgungsverlauf sehr genau, was Patientinnen, Patienten und Angehörige brauchen und welche Rahmenbedingungen gute Versorgung ermöglichen. Diese Expertise muss früher und verbindlicher in Entscheidungen einfließen – nicht als nachträgliche Rückmeldung, sondern als Teil der Gestaltung. Als Universitätsmedizin wollen wir pflegerische Perspektiven deshalb sichtbarer, belegbarer und wirksamer machen: durch Forschung, Daten, Modellprojekte, neue Rollen, pflegesensitive Qualitätsindikatoren und Beteiligung in relevanten Gremien. Das "Zielbild Pflege 2035" beschreibt damit den Anspruch, dass die Berufsgruppe ihren Einfluss auf die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems systematisch ausbaut.

"Scope of Practice": Neue Kompetenzen für akademisierte Pflegefachpersonen

Sie erwähnten, dass Sie für Ihr Pflegepersonal einen eigenen "Scope of Practice" entwickelt haben. Was hat es damit auf sich – und warum ist er wichtig?

Der "Scope of Practice" ist für uns der verbindliche Handlungsrahmen für Pflegefachpersonen mit Bachelorabschluss. Er beschreibt nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern vor allem, welche Verantwortung mit dieser Rolle verbunden ist: Auf welcher Qualifikations- und Kompetenzgrundlage Pflegefachpersonen mit Bachelorabschluss handeln, welche Entscheidungen sie innerhalb ihres definierten Verantwortungsbereichs treffen und wo die Grenzen ihres Handelns liegen. Das war notwendig, weil akademisierte Pflegefachpersonen bereits über erweiterte Kompetenzen verfügen, diese in der klinischen Praxis bislang aber nicht immer ausreichend klar in Rollen, Zuständigkeiten und Verantwortung übersetzt waren. Der Scope schafft hier Orientierung und Handlungssicherheit – für die Pflegefachpersonen mit Bachelorabschluss selbst, für die Teams, für Führungskräfte und für die interprofessionelle Zusammenarbeit. Er macht sichtbar, welchen spezifischen Beitrag Pflegefachpersonen mit Bachelorabschluss leisten und wie sich ihre Rolle innerhalb der pflegerischen Versorgung verortet. Damit schafft er Transparenz über Verantwortlichkeiten und unterstützt eine nachvollziehbare Aufgaben- und Rollenverteilung im Team. Wichtig ist mir: Der Scope ist kein Abgrenzungsinstrument gegenüber beruflich qualifizierten Pflegefachpersonen. Auch sie tragen eine zentrale Verantwortung für den Pflegeprozess und die Versorgung. Der Scope beschreibt vielmehr eine spezifische, erweiterte Rolle innerhalb einer klareren Rollenarchitektur. Er ist damit ein erster Baustein; auch die Verantwortungsbereiche beruflich qualifizierter Pflegefachpersonen und weiterführender Rollen wie Advanced Practice Nurses müssen nachvollziehbar beschrieben werden. Der Scope ist deshalb auch ein Kulturinstrument. Er macht deutlich, dass pflegerisches Handeln nicht von informellen Absprachen oder einzelnen Personen abhängt, sondern auf Qualifikation, Kompetenz und verbindlich definierter Verantwortung beruht.

Strategiepapiere stoßen in der Pflegepraxis nicht immer auf Vertrauen. Woran lässt sich messen, ob "Pflege 2035" tatsächlich positive Veränderungen bringt?

Ich würde es nicht als grundsätzliches Misstrauen gegenüber Zielbildern beschreiben. Pflegefachpersonen prüfen aber sehr genau, ob strategische Aussagen den Alltag erreichen: in Entscheidungen, in Prioritäten und in den Strukturen, die gute Pflege ermöglichen. Daran müssen wir uns messen lassen. Wirksam wird "Pflege 2035", wenn aus dem Zielbild konkrete Konsequenzen entstehen: Rollen werden klarer beschrieben, Verantwortung wird verbindlicher geregelt, Entwicklungspfade werden sichtbarer, pflegerische Expertise fließt früher in Entscheidungen ein, und Prozesse sowie Versorgungsqualität verbessern sich nachvollziehbar. Eine Schlüsselrolle haben unsere Führungskräfte. Das Zielbild muss in den Alltag übersetzt werden: Welche Prioritäten setzen wir? Welche Qualifikationen bauen wir auf? Welche Verantwortung übertragen wir? Und woran erkennen Teams, dass sich Entscheidungen am Zielbild orientieren? Vertrauen entsteht, wenn Kolleginnen und Kollegen merken: Das Papier bleibt nicht neben dem Alltag stehen, sondern verändert ihn Schritt für Schritt. Gleichzeitig beginnt "Pflege 2035" nicht bei null. Es knüpft an die professionelle Verantwortung an, die Pflegefachpersonen täglich übernehmen. Der nächste Schritt ist, diese Kompetenz noch sichtbarer und verlässlicher in Rollen, Führung, Prozessen und Kultur zu verankern. Wenn pflegerische Expertise nicht nur individuell getragen, sondern strukturell unterstützt und selbstverständlich eingefordert wird, dann ist das Zielbild mehr als ein Papier.

FAQ: "Zielbild Pflege 2035" kurz erklärt

Was ist das "Zielbild Pflege 2035"?

Ein strategisches Konzept der Charité, das die Rolle der Pflege als gestaltende, wissenschaftlich fundierte Profession stärkt.

Was bedeutet "gestaltende Pflege"?

Pflegefachpersonen übernehmen mehr Verantwortung in Planung, Steuerung und Weiterentwicklung von Versorgung.

Was ist der "Scope of Practice"?

Ein definierter Handlungsrahmen, der Kompetenzen und Verantwortung akademisierter Pflegefachpersonen festlegt.

Was verändert das "Zielbild Pflege 2035" schon heute für Pflegefachpersonen – im Denken, im Handeln und im Berufsalltag?

Für beruflich Pflegende bedeutet das Zielbild vor allem Anerkennung und Einladung zugleich. Anerkennung, weil es sichtbar macht, wie anspruchsvoll und wirksam Pflege bereits heute ist. Und Einladung, weil es sagt: Die Zukunft der Pflegeprofession wird nicht irgendwo anders entschieden – wir gestalten sie mit. Viele Pflegefachpersonen wünschen sich, nicht nur gehört zu werden, wenn es schwierig wird, sondern beteiligt zu sein, wenn Versorgung neu gedacht wird. Das Zielbild gibt dafür Sprache, Struktur und Richtung. Es bedeutet aber auch Verantwortung. Professionalisierung heißt nicht nur mehr Handlungsspielraum, sondern auch mehr Verbindlichkeit: evidenzbasiert arbeiten, die eigene Kompetenz weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit anderen Berufsgruppen Lösungen gestalten. Dafür brauchen wir allerdings tragfähige Rahmenbedingungen. Die im aktuellen Gesetzentwurf zur GKV-Beitragsstabilisierung vorgesehene Begrenzung des Pflegebudgets kann gerade jene Strukturen unter Druck setzen, die für die Weiterentwicklung der Pflege notwendig sind. Zwar kann die langfristige Antwort nicht in einer unveränderten Fortschreibung der Selbstkostendeckung liegen. Erforderlich ist vielmehr eine Finanzierungslogik, die pflegerische Leistungen und ihren Beitrag zu Versorgungsqualität und Versorgungsergebnissen differenziert abbildet und angemessen vergütet. Für mich bleibt deshalb die Botschaft: Unsere Profession muss sich nicht kleiner machen, als sie ist. Sie muss ihre Stärke sichtbar und wissenschaftlich fundiert in die Versorgung einbringen. Das "Zielbild Pflege 2035" gibt uns dafür einen gemeinsamen Kompass – für mehr Kompetenz, klare Verantwortung und eine sichere, menschliche und zukunftsfähige Versorgung.

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