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Personalleasing

Zeitarbeit: Studie sieht "indirekte Kritik" am System

Wechsel in die Zeitarbeit – ein Schritt, den eine neue Studie als stillen Protest gegen belastende Arbeitsbedingungen deutet.

Pflegefachpersonen in Deutschland suchen zunehmend bessere Arbeitsbedingungen und mehr Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – und finden diese offenbar häufiger in der Zeitarbeit. Während Leiharbeit in vielen Branchen als prekär gilt, wird sie in der Pflege zunehmend als Ausweg aus Überlastung und unplanbaren Schichtsystemen wahrgenommen.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin Isabelle Riedlinger. Sie hat in ihrer Dissertation untersucht, warum Pflegende eigenmotiviert aus festen Anstellungen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen in die Zeitarbeit wechseln. Ihr Fazit: Der Schritt sei "eine Form von Emanzipation und indirekter Kritik am bestehenden Pflegesystem".

"Zeitarbeit ist keine Lösung für die strukturellen Probleme"

Pflegende – größtenteils Frauen – sähen sich mit einer Branche konfrontiert, die sich stark an wirtschaftlichen Kriterien orientiere, während Versorgungsqualität und Arbeitsbedingungen gleichzeitig weiter sänken. Traditionell erwartetes Verhalten wie Selbstaufopferung verschärfe den Druck zusätzlich: Personalmangel werde vom Team aufgefangen, Selbstfürsorge bleibe dabei auf der Strecke.

Zudem ermögliche Zeitarbeit es vielen, weiterhin im Pflegebereich tätig zu bleiben, ohne die eigene physische und psychische Gesundheit zu gefährden oder private Care-Aufgaben zu vernachlässigen. Eine strukturelle Lösung sei sie jedoch nicht, betont Riedlinger: Probleme wie Fachkräftemangel und hohe Belastungen blieben bestehen. Der Wechsel könne daher auch als "Sorge um den Pflegeberuf" gelesen werden, der unter den aktuellen Bedingungen zunehmend unter Druck gerät.

Für ihre Analyse wurde Riedlinger mit dem Genderpreis der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg ausgezeichnet. Nach ihrer Promotion forscht sie an der Hochschule München im Projekt "Altersgerecht und gesund leben im Quartier" zu zukunftsorientierten Formen des Lebens im Alter.

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