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Neue Analyse

WIdO sieht starke Fehlanreize durch Pflegebudget

Das Wissenschaftliche Institut der AOK kritisiert: Seit der Einführung des Pflegebudgets steigen die Kosten zu schnell, während die Fallzahlen sinken und Pflegepersonaluntergrenzen gerissen werden.

Das seit 2020 geltende Pflegebudget hat zu deutlich steigenden Pflegepersonalkosten in den Krankenhäusern geführt. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Die Analyse basiert auf Daten der Jahre 2019 bis 2025.

Kosten steigen schneller als andere Krankenhausausgaben

Das Finanzvolumen des Pflegebudgets lag 2020 bei 19,4 Milliarden Euro und erhöhte sich bis 2024 auf 26,1 Milliarden Euro. Die jährlichen Zuwächse beschleunigten sich zuletzt: Während die Steigerungen 2021 und 2022 bei rund sechs Prozent lagen, betrugen sie 2023 und 2024 8,4 beziehungsweise 10,5 Prozent. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Pflegepersonal stiegen damit stärker als alle übrigen Krankenhausausgaben. 2024 seien die Pflegepersonalkosten der Kassen um 2,4 Milliarden Euro gestiegen, was 0,13 Beitragssatzpunkten entspreche.

Für 2025 erwartet das WIdO einen weiteren Zuwachs des vereinbarten Pflegebudgets um acht Prozent; für 2026 liegen Forderungen der Krankenhäuser demnach zwölf Prozent über dem Wert von 2025.

Personalzuwachs trotz sinkender Fallzahlen

Mit dem Kostenanstieg ging ein deutlicher Personalaufbau einher. Zwischen 2019 und 2024 erhöhte sich die Zahl der festangestellten Vollkräfte im Pflegedienst um mehr als 50.000 auf rund 350.600. Das durchschnittliche Personalwachstum lag damit seit Einführung des Pflegebudgets bei 3,4 Prozent pro Jahr; vor 2019 waren es 0,7 Prozent. Dem gegenüber sind die Fallzahlen in den Kliniken ab 2020 gesunken, kritisiert das Wido. „Es stehen also immer mehr Pflegekräfte zur Versorgung von immer weniger Patientinnen und Patienten in den Kliniken zur Verfügung“, so Scheller‑Kreinsen.

Unterschiede gibt es demnach auch bei der Qualifikationen: Während Pflegefachkräfte in somatischen Kliniken zwischen 2019 und 2024 um zehn Prozent zunahmen, stieg die Zahl der Pflegehilfskräfte um 75 Prozent. Besonders deutlich wuchs der Anteil der ausgebildeten Altenpflegekräfte im Krankenhaus: Ihre Zahl hat sich seit 2019 zweieinhalbfacht. Gleichzeitig verlangsamte sich das Personalwachstum in Pflegeheimen und ambulanten Diensten. Dort ging die Dynamik seit 2019 zurück, obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen weiter steigt. „Das Wachstum des Pflegepersonals verteilt sich also zunehmend ungleich auf die Sektoren“, erklärt Scheller‑Kreinsen.

Keine Verbesserung der Personaluntergrenzen

Trotz des Personalaufbaus konnten nicht alle Krankenhäuser die Pflegepersonaluntergrenzen (PpUG) einhalten. 2021 wurden sie in 13,4 Prozent aller Schichten nicht erreicht, 2022 und 2023 stieg der Anteil auf über 15 Prozent. 2024 lag er bei 14,3 Prozent.

Parallel erhöhte das Pflegebudget die Komplexität der Budgetverhandlungen: Ende Oktober 2025 lagen erst für 41 Prozent der Kliniken Vereinbarungen für 2025 vor; für 2023 fehlten bei 14 Prozent der Häuser weiterhin Beschlüsse. Zwischen 2021 und 2023 waren zudem mehrfach Bereinigungen nötig, um Doppelfinanzierungen zu vermeiden. Ihr Umfang: 775 Millionen Euro.

Das WIdO kritisiert vor allem das Prinzip der Selbstkostendeckung. „Das vielleicht größte Problem des Pflegebudgets ist, dass das Prinzip der Selbstkostendeckung dringend notwendige Veränderungen der Krankenhausstrukturen wie beispielsweise ene stärkere Ambulantisierung von Leistungen hemmt“, so Scheller‑Kreinsen. Eine Weiterentwicklung der Finanzierungsmechanismen sei erforderlich, um den Einsatz von Pflegepersonal effizienter auszurichten.

Das Wido hat für seine Analyse die Daten aus 969 Krankenhäusern berücksichtigt. Das entspricht einem Anteil von 70 Prozent aller Kliniken, die ein Pflegebudget vereinbaren müssen. Öffentlich-rechtliche und freigemeinnützige Kliniken sind etwas über-, private Kliniken unterrepräsentiert. 

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