Die politische Debatte über eine Einschränkung des Teilzeitrechts sorgt in der beruflichen Pflege für erhebliche Unruhe. Der Wirtschaftsflügel der CDU (die Mittelstands- und Wirtschaftsunion; kurz MIT) will den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit deutlich beschränken. Ein Antrag, der auf dem CDU‑Bundesparteitag im Februar beraten werden soll, fordert, dass freiwillige Teilzeit ohne familiäre oder pflegebezogene Gründe künftig nicht mehr möglich sein soll. Für den Anspruch solle eine "besondere Begründung" notwendig werden, etwa Kindererziehung, Pflege Angehöriger oder Weiterbildung. Freiwillige Teilzeit aus individuellen Gründen werde als "Lifestyle‑Teilzeit" bezeichnet.
MIT‑Vorsitzende Gitta Connemann begründete den Vorstoß mit dem Fachkräftemangel: "Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten." Ergänzende Sozialleistungen seien für Ausnahmesituationen gedacht, "nicht als Normalfall", berichtete die Tagesschau. Zuletzt hatte auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, kritisiert, dass Menschen, die freiwillig weniger arbeiten, um mehr Freizeit zu haben, weniger in die Sozialsysteme einzahlen, aber die vollen Leistungen beziehen.
Pflegeverbände: Teilzeit ist Schutzmechanismus, keine Komfortentscheidung
Aus der Pflege kommt deutlicher Widerspruch. Der Deutsche Berufsverband für Pfelgeberufe (DBfK) warnt vor einer falschen Deutung der Arbeitsrealitäten. Teilzeit sei für viele Pflegefachpersonen "eine Schutzreaktion auf Überlastung, Schichtdienst und fehlende Planbarkeit – nicht Ausdruck von Bequemlichkeit". Dies gehe aus einer früheren DBfK‑Befragung hervor, deren Ergebnisse weiterhin Gültigkeit hätten.
DBfK‑Präsidentin Vera Lux sagte: "Wer mehr Arbeitsstunden will, muss zuerst die Arbeitsbedingungen so verbessern, dass Pflege gesund leistbar ist." Solange Überstunden, häufiges Einspringen und unzuverlässige Dienstpläne den Alltag bestimmten, sei eine Aufstockung für viele keine Option. "In Vollzeit zu arbeiten, bringt viele Pflegefachpersonen an die Grenzen."
Auch der Bayerische Rundfunk berichtete von ähnlichen Erfahrungen aus der Praxis. Eine Pflegefachperson betonte: "Ich schaffe Vollzeit in der Pflege nicht, körperlich und seelisch." Ihre Tochter in der Pflegeausbildung teile diese Einschätzung. Die Aussage unterstreiche, wie belastend der Beruf sei.
Uneinigkeit selbst innerhalb der Union
Kritik kommt sogar aus den eigenen Reihen der CDU. Vertreter der Arbeitnehmergruppe betonen, man müsse zuerst die Rahmenbedingungen in Kinderbetreuung und Pflege verbessern, bevor man Einschränkungen beim Teilzeitrecht diskutiere. Viele Beschäftigte empfänden Teilzeit aufgrund struktureller Probleme als "Teilzeitfalle".
Laut Arbeitsmarktdaten des IAB ist die Teilzeitquote zuletzt auf über 40 Prozent gestiegen – unter anderem, weil viele Beschäftigte in Branchen mit hoher Teilzeitquote arbeiten, darunter das Gesundheits- und Sozialwesen.