Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg schlägt Alarm: Sparvorgaben des Hamburger Senats könnten nach Angaben der Hochschule bis Ende des Jahrzehnts zum Abbau von mindestens 660 Studienplätzen führen. Bereits konkret betroffen sind zwei pflegebezogene Studiengänge. Wie der NDR berichtet, kann der gemeinsam von HAW Hamburg und Universität Hamburg angebotene Masterstudiengang "Pflege- und Therapiewissenschaften Pflege- und Therapiewissenschaft für das Lehramt an berufsbildenden Schulen" zum Wintersemester nicht starten. 32 Bewerberinnen und Bewerber erhielten bereits eine Absage.
In einem Schreiben an die Studieninteressierten begründen die Hochschulen die Entscheidung mit fehlenden finanziellen Mitteln. Laut einem Sprecher der HAW Hamburg habe die Wissenschaftsbehörde Anfang Juli die bereitgestellten Gelder ohne Vorankündigung gekürzt. Auch der Bachelorstudiengang Pflege sei von den Einsparungen betroffen. Dieser solle jedoch trotz der angespannten Finanzlage durchgeführt werden.
Die Hamburger Wissenschaftsbehörde erklärte dem NDR zufolge, die Hochschule werde angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen ihre Ziele, Leistungen und Kapazitäten voraussichtlich reduzieren müssen. Die HAW Hamburg warnt vor den Folgen für die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte.
Hasseler kritisiert fehlende politische Unterstützung
Scharfe Kritik kommt aus der Pflegewissenschaft. Martina Hasseler, Forschungsprofessorin mit dem Schwerpunkt Digitalisierung Gesundheit und Nursing an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, sieht in der Entwicklung ein alarmierendes Signal. "Das war vorauszusehen. Es fängt an", schreibt sie in einer Stellungnahme in sozialen Medien.
Hasseler kritisiert, dass pflege- und therapiewissenschaftliche Studiengänge in Deutschland trotz des steigenden Bedarfs an wissenschaftlich qualifizierten Fachkräften häufig keine ausreichende politische Unterstützung erhielten. Die Absolventinnen und Absolventen würden zwar für eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung gebraucht, fänden jedoch in den bestehenden Versorgungsstrukturen oft keinen angemessenen Platz. Statt notwendige Reformen voranzutreiben, würden politische Entscheidungsträger und Akteure der Selbstverwaltung nach ihrer Einschätzung vor allem bestehende Systeme absichern.
Die Professorin befürchtet, dass deshalb gerade akademische Qualifizierungsangebote für Gesundheitsberufe den Sparmaßnahmen der Länder zum Opfer fallen könnten. Die Streichung des Masterstudiengangs sei "tragisch und wenig zukunftsgerichtet".
Der betroffene Masterstudiengang sollte unter anderem Fachkräfte qualifizieren, die später selbst Pflegepersonal an beruflichen Schulen ausbilden. Die Entscheidung trifft damit einen Bereich, in dem bereits seit Jahren über einen Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal diskutiert wird.