Pflegeauszubildende im öffentlichen Dienst erhalten mit bis zu 1.491 Euro im ersten Ausbildungsjahr die höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen unter den untersuchten Branchen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor.
Demnach stiegen die tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen im Ausbildungsjahr 2025/26 branchenübergreifend um durchschnittlich 3,9 Prozent. In den Pflegeberufen des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen lag die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr bei 1.491 Euro, bei den Ländern bei 1.441 Euro. Damit führe die Pflege das Ranking der untersuchten Tarifbereiche an, teilte die Hans-Böckler-Stiftung vergangenen Freitag mit.
Vergütung deutlich über 1.000 Euro
Nach Angaben des WSI erhalten Auszubildende in den Pflegeberufen bei Bund und Kommunen im zweiten Ausbildungsjahr 1.552 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 1.653 Euro. Bei den Ländern liegen die Vergütungen bei 1.507 beziehungsweise 1.613 Euro.
WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten sieht darin einen Beitrag zur finanziellen Absicherung von Auszubildenden: "In den meisten Tarifbranchen liegen die Ausbildungsvergütungen heute auch im 1. Ausbildungsjahr über 1.000 Euro im Monat und übertreffen damit den Bafög-Höchstsatz für Studierende."
Arbeitgeberverband verweist auf Ausbildungszahlen
Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) wertet die Ergebnisse als Beleg für die Attraktivität der Pflegeausbildung. AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz konstatierte am Montag: "Spitzenvergütung, die meisten neuen Ausbildungsverträge und hervorragende Beschäftigungsaussichten: Die Pflege ist Ausbildungsberuf Nummer eins."
Zugleich verknüpfte der Verband die aktuellen Zahlen mit Forderungen nach mehr Handlungsspielraum für Pflegefachpersonen. Diese sollten ihre Qualifikation "eigenverantwortlich und bedarfsgerecht einsetzen können, statt durch starre Quoten und Personalschlüssel ausgebremst zu werden", sagte Halletz.
WSI sieht Unterschiede zwischen tarifgebundenen und tariflosen Betrieben
Das WSI weist darauf hin, dass nicht alle Auszubildenden von den hohen tariflichen Vergütungen profitieren. Rund 45 Prozent absolvierten ihre Ausbildung in Betrieben ohne Tarifvertrag. Dort seien die Vergütungen häufig niedriger. Schulten verdeutlichte: "Ohne Tarifvertrag erhalten Auszubildende oft deutlich niedrigere Vergütungen und müssen mitunter sogar mit der völlig unzureichenden Mindestausbildungsvergütung von derzeit 724 Euro im Monat auskommen."