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Notsituation in der Kinder-Intensivmedizin

Personalumverteilung gefährdet Patientensicherheit

Experten lehnen Ad-hoc-Umsetzen von Personal aus anderen Tätigkeitsbereichen in die Pädiatrie aufgrund unterschiedlicher Kompetenzen und fehlender Einarbeitungszeit ab.

Der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angeführte Vorschlag, Pflegefachpersonen aus anderen Abteilungen in der Kinderheilkunde einzusetzen, stößt weiterhin auf deutliche Kritik.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, der Deutsche Pflegerat und die Pflegegewerkschaft BochumerBund haben den Ansatz bereits abgelehnt. Nun haben u. a. auch die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) und der Frankfurter Gesundheitsökonom Thomas Busse den Vorschlag zurückgewiesen.

Die DGF mahnte, dass sich die Kompetenzen für die Intensivpflege von Erwachsenen zu denen in der Neonatologie und Pädiatrie unterscheiden. Neben einem hohen Anteil an spezialisiertem Fachwissen benötige ein Einsatz von Pflegefachpersonen in anderen Bereichen eine ausreichende Einarbeitungszeit. Ohne diese könnten die entsprechenden Kompetenzen nicht abgerufen und sicher eingesetzt werden, schreibt die Fachgesellschaft in einer Pressemitteilung von Dienstag.

Pflegefachpersonen könnten nicht sach- und fachgerecht handeln, wenn sie ad hoc in anderen Bereichen eingesetzt würden. Eine solche Umverteilung führe zudem zu moralischer Mehrbelastung und könne einen Berufsausstieg zur Folge haben. Intensivpflege sei ferner ein hochtechnisierter Bereich. Pflegefachpersonen dürften Medizinprodukte erst nach einer entsprechenden Unterweisung anwenden und bedienen.

Busse: Vollkommene Verkennung der Lage

Der Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht der Frankfurt University of Applied Sciences, Thomas Busse, kritisierte ebenfalls die geplante Verlegung von Klinikpersonal zur Bewältigung von Engpässen in Kinderkrankenstationen, berichtete der Informationsdienst Wissenschaft (idw) am Donnerstag. Busse sagte:

"Eine solche Entscheidung zeugt von einer vollkommenen Verkennung der Lage. Zielführender wäre es, Überlegungen anzustellen, wie Arbeitsplätze in der Pflege kurzfristig attraktiver gestaltet werden können."

Als Beispiele nannte er eine Steuerbefreiung für Nachtdienste oder die Entbürokratisierung der Arbeitsanforderungen.

Der Bundesgesundheitsminister vermittle den Eindruck, als könne die Politik die Einsatzplanung von Pflegepersonal beeinflussen. Dies sei nicht der Fall und stattdessen die originäre Aufgabe eines jeden Krankenhauses.

Ferner suggeriere Lauterbach, "dass Erwachsenenstationen aktuell ausreichend Personalkapazitäten und das spezifische Qualifikationsniveau aufweisen würden, um spontan auf einer Kinderstation eingesetzt werden zu können", so Busse weiter. Dies zeige wenig Wertschätzung gegenüber dem Pflegeberuf.

DGF: Politische Hilflosigkeit

Deutliche Worte findet die DGF auch für die temporäre Aussetzen der Pflegepersonaluntergrenzen:

"Das Unterlassen der Prüfung zur Einhaltung von Personaluntergrenzen scheint eine Interventionsparadoxie der politischen Hilflosigkeit zu sein."

Der Gesellschaft werde so eine falsche Sicherheit vermittelt. Eine Umverteilung von Pflegefachpersonen führe nicht gleichzeitig dazu, dass mehr personelle Ressourcen in der neonatologischen und pädiatrischen Intensivpflege zur Verfügung stehen. Die Behandlungskapazitäten in anderen Bereichen einzuschränken, verstärke die in diesen Tätigkeitsfeldern bestehenden Probleme und gefährde dort die Patientensicherheit.

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