Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) hält eine "komplette Strukturreform der beruflichen Pflege" für unausweichlich. Anders seien die Berufsgruppe nicht zu entlasten und die pflegerische Versorgung künftig nicht mehr sicherzustellen, teilte die VdPB am Dienstag im Nachgang einer gemeinsamen Klausurtagung mit der Gewerkschaft Verdi mit.
Sektorengrenzen überwinden
VdPB-Präsident Georg Sigl-Lehner forderte:
"Wir müssen Pflege neu denken."
Dazu gehöre, die "jahrzehntelang fest zementierten Sektorengrenzen" innerhalb der beruflichen Pflege aufzubrechen. Nur wenn die Versorgungsstrukturen ganzheitlich betrachtet würden – ohne die Pflegenden in Akut- und Langzeitpflege, in stationär und ambulant, in Klinik und Pflegeheim auseinanderzudividieren – "haben wir überhaupt eine Chance, Lösungswege zu finden".
Auf regionale Unterschiede achten
Darüber hinaus sei eine nach Regionen differenzierte Betrachtung der pflegerischen Versorgung ebenso nötig, wie die der Ausbildungskapazitäten für Pflegeberufe.
Dazu Sigl-Lehner:
"Wir wünschen uns natürlich mehr Auszubildende überall, aber wir machen den Beruf nicht attraktiver, wenn wir beispielsweise hochmoderne Pflegeschulen in Orten bauen, die von den Ausbildungseinrichtungen aus kaum zu erreichen sind."
Verdi ergänzte, dass sich auch die Kommunen bei der Bewältigung der demografischen Entwicklung aktiver einbringen müssten. Bislang werde der Ausbau von Pflegekapazitäten dem Markt überlassen und damit dem öffentlichen Auftrag einer angemessenen Versorgung immer weniger gerecht.