Die Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg verzeichnet einen Rekord-Krankenstand von 7,18 Prozent an Rhein und Ruhr. Spitzenreiter: die Pflegebranche.
Arbeitnehmer häufiger, aber kürzer krankgeschrieben
Der höchste Krankenstand sei 2023 mit 9,55 Prozent erneut unter professionell Pflegenden gemessen worden, teilte die Krankenkasse am Mittwoch mit. Im Vergleich zu 2022 (9,37 Prozent) sei dieser Wert noch einmal um 0,18 Prozentpunkte gestiegen und nähere sich damit der Zehn-Prozent-Marke.
Nach AOK-Angaben waren die Arbeitnehmer insgesamt häufiger, aber kürzer krankgeschrieben. Die Arbeitsunfähigkeitsdauer habe sich um sieben Prozent reduziert, von 11,8 auf 11,0 Kalendertage je Krankenschein.
Entlastungsangebote für Pflegepersonal ausbauen
Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, Sabine Deutscher, sagte:
"Die Beschäftigten in der Pflege sind in ihrem Arbeitsalltag immer stärkeren psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt. Das muss berücksichtigt werden, wenn es darum geht, Pflegeberufe attraktiver zu machen. Neben guten Arbeitsbedingungen, einer angemessenen Entlohnung, fairen Dienstplänen und einem positiven Betriebsklima sollte deshalb auch an professionelle Unterstützung für den Umgang mit belastenden Situationen und traumatischen Erlebnissen gedacht werden."
Das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg hat für die aktuellen Zahlen die Arbeitsunfähigkeitsdaten von mehr als einer Million Versicherten in Teilen Nordrhein-Westfalens analysiert.
Einfluss der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Berufstätige Versicherte seien im Durchschnitt 26,21 Tage krankgeschrieben gewesen. 2022 seien das noch 25,52 Tage gewesen. Der Anstieg habe vor allem mit einer Zunahme von Infektionen und psychischen Erkrankungen zu tun.
Die Krankenkasse hält es allerdings für möglich, dass die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eine entscheidende Rolle gespielt hat bei der hohen Zahl an Krankmeldungen. Damit seien möglicherweise mehr Kurzzeiterkrankungen erfasst worden, die vorher häufig gar nicht an die Krankenkasse gemeldet worden seien.