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Deutscher Fachpflegekongress | Deutscher OP-Tag

Wie Krankenhäuser die Krisen meistern können

DGF-Mitglied Stefan Wilpsbäumer; Pflegedirektor des Universitätsklinikums Münster, Thomas van den Hooven; stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs OP-Organisation im Uniklinikum Münster, Carolin Werner; pflegerische Bereichsleiterin am Universitätsklinikum Leipzig, Sylvia Köppen; Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis; stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung, Michael Isfort; DGF-Vorsitzender Lothar Ullrich (v. li.)

Personalbemessung, Arbeitsbedingungen, Vorbehaltsaufgaben der Fachpflegenden, Krankenhaus- und Finanzierungsreform – das Themenspektrum der Auftaktveranstaltung des 9. Deutschen Fachpflegekongresses und Deutschen OP-Tags war breit gefächert.

van den Hooven: "PPR 2.0 nur noch fakultativ"

Vor mehr als 300 Zuschauerinnen und Zuschauern erörterte das Moderatorenduo Lothar Ullrich, erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF), und Fachjournalistin Brigitte Teigeler mit 6 Expertinnen und Experten die Frage: "Wie machen wir unsere Intensivstationen und Funktionsbereiche krisenfest?"

Einig war sich das Podium, dass die derzeitige Ausgestaltung des Personalbemessungssystems PPR 2.0 ungeeignet ist, um den tatsächlichen Pflegebedarf adäquat abbilden zu können. Die pflegerische Bereichsleiterin am Universitätsklinikum Leipzig, Sylvia Köppen, kritisierte:

"Wir erfassen mit keinem System den Bedarf der Patienten."

PPR 2.0 sei nur noch fakultativ, bemängelte der Pflegedirektor des Universitätsklinikums Münster, Thomas van den Hooven. Dass nun auch noch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) die Letztentscheidung obliege, sei "nun wirklich ein Witz".

"Wir als Pflege müssen alle gemeinsam aufstehen und sagen: jetzt ist Schluss!"

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung, Michael Isfort, sieht keinen zwingenden Bedarf eines Personalbemessungsinstruments. So sei es der Ärzteschaft gelungen, innerhalb von 20 Jahren 68 % mehr Vollzeitkräfte "in die Krankenhäuser zu bringen". Dank einer gut organisierten Berufsgruppe. Diese fehle der Pflege.

Verkürzte Ausbildungszeit keine Option

Eine deutliche Absage erteilten sowohl Ulrich als auch Köppen der Idee, dem Fachpersonalmangel mit einer verkürzten Ausbildungszeit zu begegnen:

"Niemand würde das Medizinstudium verkürzen, damit mehr Ärzte an Bord kommen."

Van den Hooven macht für die Probleme in der Pflege insbesondere die Arbeitsbedingungen verantwortlich: Begriffe wie Werte und Partizipation hätten an Bedeutung verloren. Hinzu komme die Überalterung auf den Intensivstationen. Hauptkündigungsgründe in einer ländlich geprägten Region wie Münster seien zudem weite Anfahrtswege der Pflegenden und die damit verbundenen Aufwendungen. Mitarbeiterbindung verlange daher eine nachhaltige Perspektive.

Teamkultur verbessern

Pflegende benötigten Arbeitsbedingungen, die es ihnen ermöglichten, ihren Beruf kompetent auszuüben, ergänzte DGF-Mitglied Stefan Wilpsbäumer. Die Personalausstattung müsse dem tatsächlichen Personalaufwand gerecht werden. Dazu brauche es ein besseres Verhältnis von Pflegenden zu Patientinnen bzw. Patienten. Neben dieser Quantität und Qualität des Personals sieht Wilpsbäumer eine Verbesserung der Teamkultur als unabdingbar:

"Wir müssen mehr in ein Miteinander investieren."

Auch müsse der Pflegeberuf aufgewertet werden, indem fachweitergebildete Pflegende auch jene Tätigkeiten ausüben dürften, für die sie sich weitergebildet hätten.

Mehr Kooperationen unter Kliniken

Die stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs OP-Organisation im Uniklinikum Münster, Carolin Werner, erklärte, Pflegende müssten zunächst einmal zeitliche Freiräume erhalten, um sich fortbilden zu können. Zudem sprach sie sich für mehr Kooperationen unter Kliniken aus.

Unbequeme Fragen seien nun zu klären, sagte Isfort.

"Wir werden es nicht schaffen, mehr Personal aufzutreiben."

Umgekehrt gingen in den kommenden 10 Jahren allein wegen Überalterung 30 % des heutigen Pflegepersonals verloren. Übertherapie könne sich das System daher nicht mehr leisten. Auch sei zu überlegen, welche Leistungen die Pflege künftig noch anbieten könne. Daher sei Vernetzung sehr wichtig. Statt in Krankenhaus-Inseln müssen in Versorgungregionen gedacht werden.

Karagiannidis: Mehr Selbstreflexion angeraten

Die Pflege selbst müsse Antworten finden, "sonst machen das andere für uns", so Isfort und ergänzte:

"Wir haben einen Gesundheitsminister, der sich in seiner Pflegeexpertise noch nicht offenbart hat."

Für mehr Selbstreflexion warb hingegen der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis.

"Ich rate davon ab, zu sagen, die Politik müsse handeln."

Pflege und Medizin trügen Mitschuld am jetzigen System. Sie könnten aber selbst an ein paar Stellschrauben drehen und Prozesse steuern. Dazu gehörten Festlegungen, welche Patientinnen und Patienten stationär zu behandeln seien und welche Betroffenen in welchem Lebensalter mangels Prognosen noch intensivmedizinisch und -pflegerisch zu behandeln seien.

"Wir müssen die Behandlungszahlen reduzieren."

Bund und Länder müssten die Kliniken finanziell unterstützen, um Reformen anstoßen zu können. Dazu gehöre auch, Klinikstandorte umzuwandeln, nicht unbedingt zu schließen.

Der 9. Deutsche Fachpflegekongress und Deutscher OP-Tag findet in Münster statt – erstmals wieder in Präsenz und mit mehr Teilnehmenden als vor der Pandemie. 470 Anmeldungen und mehr als 100 Referentinnen und Referenten zeigten den riesigen Bedarf an Fortbildung nach Corona, so DGF-Vorsitzender Ullrich.

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