Vertreterinnen und Vertreter der Pflege sollten genauso wie jene aus Ärzteschaft und Katastrophenschutz in kommunalen Krisenstäben sitzen. Das forderte die stellvertretende Pflegekammerpräsidentin von Niedersachsen, Nora Wehrstedt, am Montag.
Wehrstedt reagierte damit auf 15 Todesfälle in niedersächsischen Pflegeheimen innerhalb kürzester Zeit aufgrund von COVID-19. Das Fachwissen von Pflegerinnen und Pflegern müsse ebenso gehört werden wie das von Virologinnen und Virologen sowie Rettungskräften.
Ministerium verhängt Aufnahmestopp für Heime
Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung hatte wegen der Todesfälle am Montag einen Aufnahmestopp für Alten- und Pflegeheime in Niedersachsen erlassen. Zahlreiche weitere Heimbewohnerinnen und -bewohner hätten sich mit dem Coronavirus infiziert.
Ausnahmen vom Aufnahmestopp gibt es nur, wenn
- die Einrichtung eine 2-wöchige Quarantäne der neuen Bewohnerin/des neuen Bewohners gewährleisten kann oder
- wenn die Neuaufnahme in einer singulären Kurzzeitpflegeeinrichtung oder Reha-Einrichtung erfolgt, die gezielt für diese Funktion hergerichtet wurde.
"Spätestens jetzt wird deutlich, dass die Berufsgruppe der Pflegenden eine Schlüsselposition in der Gesellschaft einnimmt. Wenn nicht umgehend gehandelt wird, werden nach der Krise tausende weitere Personen aus der Pflege aussteigen, weil sie sich als Menschen zweiter Klasse fühlen", warnte Wehrstedt weiter. Deshalb müssten Pflegefachpersonen in dieser Zeit besonders gefördert werden. So schließt sich die Pflegekammer u. a. einer Forderung der Gewerkschaft Verdi an, systemrelevanten Berufsgruppen in der gegenwärtigen Situation 500 Euro pro Monat als steuerfreien Zuschlag zu gewähren. "Der Zuschuss muss aber auch zu hundert Prozent staatlich refinanziert werden. Sonst wird das nichts", ist sich Wehrstedt sicher.
Bonuszahlungen sollten steuer- und sozialversicherungsfrei sein
Auch die Pflegekammer in Rheinland-Pfalz befürwortet Bonuszahlungen. Das deutlich erhöhte Infektionsrisiko für Pflegende müsse im wahrsten Sinn des Wortes "Wert" geschätzt werden.
Pflegefachpersonen gehörten mit zu den am höchsten gefährdeten Personen derzeit und wiesen zudem seit der Corona-Krise eine deutliche Zunahme der Belastung auf. "Beruflich Pflegende sind sich über die Systemrelevanz ihres Jobs bewusst und nehmen daher aktuell Urlaubssperren und 12-Stunden-Dienste in Kauf", teilte die Kammer ebenfalls am Montag mit.
Deshalb sollte Pflegefachpersonen – je nach Beschäftigungsumfang und unabhängig von ihrem Einsatzfeld – ein Belastungsbonus in Höhe von 500 Euro zugesprochen werden. Zusätzlich verdienten sie einen Risikobonus, auf den all jene Anspruch haben sollten, die nachweislich in der direkten Versorgung von Corona-Infizierten eingesetzt würden. "Das Ganze ist von der Gemeinschaft zu finanzieren", sagte Kammerpräsident Markus Mai.
"Es ist gut, dass die Bundesregierung sich bereits Gedanken über die Steuerfreiheit von Bonuszahlungen macht. Das geht aber noch nicht weit genug. Belastungs- und Risikobonus müssen auch sozialversicherungsfrei sein, damit das Geld auch in voller Höhe bei den Beschäftigten ankommt."
Die Bonuszahlungen müssten über gesetzliche Regelungen gesichert werden, welche in die allgemeine Refinanzierung von Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern und weiterer Einrichtungen flössen. Alternativ müssten tarifliche Vereinbarungen erfolgen, die dann ebenfalls voll refinanziert sein müssten, so Mai weiter.