Die rheinland-pfälzische Pflegekammer hat vor einem Anstieg der Gewalt in der Pflege in Hessen gewarnt. Hintergrund ist die Entscheidung des hessischen Landtags, die Mindestvoraussetzungen für eine Altenpflegehelferausbildung herabzusetzen. Künftig ist kein Hauptschulabschluss mehr nötig, um mit der Ausbildung zu starten.
"Es ist äußerst bedenklich, wenn der Einstieg in die Altenpflege ohne ausreichende Mindestqualifikation erfolgen kann", sagte Kammervorstandsmitglied Hans-Josef Börsch am Dienstag. Die Anforderungen an die Pflegenden seien hochkomplex und anspruchsvoll. In der Altenpflege müssten Kompetenzen wie verstehende Demenzdiagnostik, gewaltfreie Kommunikation und professioneller Umgang mit herausforderndem Verhalten Grundvoraussetzung für dort tätige Mitarbeiter sein. Professionalität und ein hohes Maß an Selbstreflexion seien wesentlich für Gewaltprävention. Das gelte sowohl für Gewalt gegen Pflegebedürftige als auch gegen Pflegende.
Die rheinland-pfälzische Kammer bediene sich "dumpfer Klischees", kritisierte indes der hessische Landesvorsitzende des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Jochen Rindfleisch-Jantzon. "Wer angesichts einer kombinierten Schul- und Berufsausbildung für geflüchtete Menschen vor einer Zunahme der Gewalt in der Pflege warnt, diskriminiert die ausbildungswilligen Geflüchteten, setzt sie auf unerträgliche Weise herab und holt sich – ob gewollt oder fahrlässig – Applaus aus der ganz rechten Ecke ab, während alle anderen darüber entsetzt mit dem Kopf schütteln."
Pflegende häufiger mit Gewalt konfrontiert als Ärzte