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Högel-Prozess

Ermittler belasten Klinikmitarbeiter

Im Mordprozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel haben Anfang Januar erstmals Beamte der Sonderkommission "Kardio" vor Gericht ausgesagt. Sie belasten das Personal der betroffenen Kliniken Delmenhorst und Oldenburg schwer, wie der Norddeutsche Rundfunk und Spiegel online in der vergangenen Woche berichtet haben. In den Einrichtungen soll Högel laut Anklage bis zu 100 Menschen umgebracht haben.

Die Vorwürfe: Unkontrollierter Zugang zum Herzmedikament Gilurytmal – mit dem Högel seine Patienten zu Tode gespritzt haben soll –, Zurückhalten von Informationen bei Vernehmungen, Druck von Vorgesetzten, zu schweigen. Und das, obwohl es Gerüchte gab und Zeugen dem 42-jährigen mutmaßlichen Massenmörder den Spitznamen "Rettungs-Rambo" gegeben haben sollen.

Vorgesetzte sollen Druck auf Mitarbeiter ausgeübt haben

Die Aussagen der Sonderermittler lassen den Schluss zu, dass die Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst nicht besonders aktiv an einer Aufklärung der Tötungsdelikte interessiert waren. Die Polizisten berichteten von Zeugen, die Auffälligkeiten gegenüber Kollegen geäußert haben wollen und von diesen zum Stillschweigen verpflichtet wurden. Vorgesetzte sollen vor Befragungen durch die Beamten Druck ausgeübt haben. Zudem seien alle Zeugen mit einem von der Klinik beauftragten und bezahlten Anwalt zu den Vernehmungen bei der Polizei erschienen. Dies sei, so die Erkenntnisse aus einer Telefonüberwachung, auf Anweisung von Führungskräften geschehen. Die Spezialisten beklagten, dass die Zeugen unkooperativ gewesen seien und Informationen zurückgehalten hätten.

Högel habe seine Überdosen von Herzmedikamenten ungestört spritzen können, weil niemand genau hinsehen wollte, so Chefermittler Arne Schmidt bei seiner Vernehmung. Der enorme Verbrauch dieser Substanzen sei offenbar schon deshalb nicht aufgefallen, weil es preiswerte Arzneimittel waren, die die Bilanzen nicht störten. Bei der Aufklärung in den Krankenhäusern werde seiner Ansicht nach bis heute getrickst und vertuscht.

Högel wurde seit Prozessbeginn am 30. Oktober 2018 zu jedem Todesfall befragt. 43 Taten hat er zugegeben. Für 6 Taten auf der Intensivstation des Klinikums Delmenhorst ist er bereits zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Am 22. Januar sollen Pflegende und Ärzte des Klinikums Oldenburg aussagen.

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