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  • 07.06.2018
  • Die Schwester Der Pfleger

Infektionsprävention

Händewaschen – wann, wie, wo?

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 5/2018

Seite 36

In der Pflege steht die Desinfektion der Hände im Vordergrund, das Waschen hat an Bedeutung verloren. Dennoch gibt es Anlässe, die ein Waschen der Hände erforderlich machen.

Der beste Schutz vor Infektionen ist, die Hände häufig zu reinigen. Da Pflegefachpersonen Maßnahmen zur Händehygiene ein ganzes Berufsleben lang täglich mehrfach durchführen müssen, sind Verträglichkeit und Sicherheit besonders wichtig.

Gesunde und intakte Haut an den Händen des Personals spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle: Ist die Haut einmal geschädigt, lässt sie sich nur schwer oder gar nicht desinfizieren. Auch sinkt die Compliance zur Händehygiene, wenn bereits Hautschäden bestehen – das erhöht das Risiko von Übertragungen. Zudem wird vorgeschädigte Haut leicht bakteriell infiziert und damit zum Reservoir für pathogene Erreger.

Desinfizieren oder waschen?

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt, die Hände lieber zu desinfizieren als zu waschen. Denn unter dem Waschen mit Wasser und Flüssigseife oder seifenfreien Tensiden leidet die Haut mehr als bei der Händedesinfektion. Beim Waschen werden Hautfette aus der Hornschicht herausgelöst und weggespült. Die Haut kann diese Substanzen nur verzögert ersetzen. Damit kommt es zur Entfettung – die Haut trocknet also aus. Zwar lösen auch Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis Hautfette aus der Hornschicht heraus. Da die Hände nach dem Desinfizieren nicht abgespült werden, gehen diese aber nicht verloren. Sie werden bei der heute üblichen Einreibemethode wieder in die Haut gerieben. Zusätzlich sind ihnen rückfettende Substanzen zugesetzt.

Die gebräuchlichen Händedesinfektionsmittel auf Basis von Ethanol, Propanol oder Isopropanol sind gut verträglich. Sie erzeugen jedoch auf vorgeschädigter Haut ein brennendes Gefühl. Es wäre aber genau der falsche Ansatz, auf die Desinfektion zu verzichten und stattdessen die Hände nur zu waschen. Denn dadurch würde der Haut zusätzlich Fett entzogen.

Auch ist es ungünstig, die Hände direkt nach dem Waschen zu desinfizieren. Das in der Hornschicht ein-gelagerte Wasser verdünnt dann das Desinfektionsmittel. Noch ungünstiger ist laut RKI die umgekehrte Reihenfolge, also die Hände zuerst zu desinfizieren und dann zu waschen. Laut dem RKI ist dieses Vorgehen „aus Sicht des Hautschutzes kaum an Schädigung zu überbieten, da Hautfette zunächst durch den Alkohol angelöst und dann durch die Waschung fortgespült werden“.

Wann ist ein Waschen der Hände erforderlich?

Ein Waschen ist immer dann erforderlich, wenn die Hände einer groben Verunreinigung ausgesetzt oder verschmutzt sind. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man für andere Personen Mahlzeiten vorbereitet und diese anreicht. Denn wer kann schon einen Brotaufstrich auftragen, mundgerechte Stücke herstellen und diese anreichen, ohne in Kontakt mit den Lebensmitteln zu kommen? Auch nach anderen Tätigkeiten in der Küche sollten die Hände gründlich gewaschen werden, zum Beispiel, wenn man rohes Geflügel/Fleisch zerlegt oder Eier aufschlägt.

Weitere klassische Indikationen: Nach dem Besuch der Toilette und nach dem Naseputzen ist selbstverständlich das Waschen der Hände erforderlich. Alternativ kann hier aber auch eine Händedesinfektion erfolgen, vor allem bei akuter Rhinitis oder einem gastrointestinalen Infekt. Auch nach dem Streicheln von Haustieren oder dem Kontakt mit Gegenständen, die von vielen Personen berührt werden (z. B. Haltegriffe im Bus), ist ein Waschen der Hände indiziert. Und natürlich sollte sich jeder die Hände waschen, wenn er persönlich das Bedürfnis danach verspürt.

Ist ein Händewaschen bei bestimmten Erregern erforderlich?

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) empfiehlt das Waschen der Hände bei Kontamination mit bestimmten Krankheitserregern wie Bakteriensporen, Würmern (Helminthen) oder Parasiten (z. B. Kryptosporidien). Wer Patienten mit einer Clostridium-difficile-Diarrhö versorgt, sollte sich laut KRINKO nach Ablegen der Einmalhandschuhe die Hände desinfizieren und sie zusätzlich gründlich waschen.

Der Grund: Clostridium difficile-Bakterien gehören zu den bakteriellen Sporenbildnern. Alkoholische Händedesinfektionsmittel sind jedoch gegenüber Bakteriensporen nicht wirksam. Deshalb wird ein Händewaschen nach der hygienischen Händedesinfektion empfohlen, um die auf der Haut befindlichen Sporen mechanisch zu entfernen. Eine Händekontamination mit Sporenbildnern ist laut RKI die einzige Rechtfertigung für eine Händedesinfektion mit nachfolgender Händewaschung.

Gleiches gilt für eine unerwartete massive Verunreinigung von Einmalhandschuhen oder eine Kontamination der Hände im Rahmen einer Patienten-versorgung (vgl. Bundesgesundheitsblatt 09/16, S. 1200). Dabei sind besonders Nagelfalze, Fingerkuppen sowie die Fingerzwischenräume zu bearbeiten, da dort typische Reservoire für Krankheitserreger zu erwarten sind.

Wie sollte ein Waschplatz ausgestattet sein?

Laut der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) soll ein Handwaschplatz kaltes und warmes Wasser vorhalten. Zudem sollte das Waschbecken „tief ausgeformt“ sein und auf einen Überlauf verzichten. Benachbarte Arbeitsflächen sind mittels Spritzschutz abzuschirmen, um Kontaminationen vorzubeugen. Empfohlen sind zudem wandmontierte Spender für die Entnahme der Flüssigseife, des Händedesinfektionsmittels sowie der Einmalhandtücher. Wichtig ist, so die KRINKO weiter, dass der Wasserstrahl nicht direkt auf den Abfluss gerichtet ist, um so die Entstehung von erregerhaltigen Aerosolen zu minimieren (vgl. Bundesgesundheitsblatt 9/16, S. 1198).

Welche Flüssigseife sollte verwendet werden?

Der Verbund für angewandte Hygiene (VAH) gibt eine Liste geprüfter Produkte für das Waschen und Desinfizieren der Hände heraus. Für den Gesundheitsbereich wird die Verwendung solcher Produkte dann empfohlen, wenn mit Lebensmitteln umgegangen wird. Der Zugang zur Liste ist nicht barrierefrei, allgemeine Informationen gibt es auf der Website. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) verweist in ihrer Ausführung auf die Verwendung einer Flüssigseife, die aus einem Spender zu entnehmen ist. Das Produkt sollte eine gute Hautverträglichkeit aufweisen. Weitere Kriterien werden nicht benannt (vgl. Bundesgesundheitsblatt 09/16 S. 1199).

Zudem sollte die Entnahmevorrichtung desinfizierend gereinigt werden und ein „Wiederbefüllen“ des Spenderreservoirs nur nach einer solchen Reinigung erfolgen. Der Grund: Es konnten Kontaminationen mit verschiedenen Krankheitserregern festgestellt werden.

Literatur über die Verfasserin

TIPP

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in unserem Modul „Maßnahmen der Standardhygiene“ (Pflichtunterweisungen).