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  • 22.05.2019
  • Die Schwester Der Pfleger

Erhebung der Pflegekammer Niedersachsen

Einblicke in Ausblicke

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 4/2019

Seite 48

Mit dem ersten Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen legt die Pflegekammer des Bundeslandes eine Bandbreite an Daten vor, die es in der Form zuvor noch nicht gegeben hat. 

Bislang fehlte es an weitreichenden Daten und Erkenntnissen der äußerst heterogenen Berufsgruppe, um fundierte und nachhaltige Entscheidungen im Sinne der Pflegenden und der Pflegebedürftigen treffen zu können. Die Ergebnisse der Erhebung sind die Grundlage dafür, dringenden Handlungsbedarf in der Pflege sowohl der Politik aufzuzeigen als auch in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Nur auf Grundlage valider Daten ist es möglich, auch künftig eine qualitativ hochwertige, professionelle pflegerische Versorgung zu gewährleisten und die erforderlichen Rahmenbedingungen hierfür sicherzustellen.

DATEN FÜR DIE KÜNFTIGE AUSGESTALTUNG DER PFLEGE

Bis zum 8. November 2018 wurden 60.000 von geschätzt 90.000 Pflegefachpersonen in Niedersachsen vollständig als Kammermitglieder registriert. Zur Registrierung gehört neben dem Einreichen eines unterschriebenen Meldebogens auch der Nachweis der Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung. Auf Grundlage dieser Stichprobe wurde ein erster Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen erstellt. Bislang gab es in dieser Breite noch keine Datenerhebung zu dieser Thematik – weder im Land Niedersachsen noch auf Bundesebene. Somit existieren erstmals verlässliche Daten in großer Zahl zur regionalen Verteilung der Pflegefachpersonen, zur Entwicklung der Bildungsabschlüsse sowie zur Altersstruktur der Pflegefachberufe in Niedersachsen.

Die Ergebnisse liefern eine wesentliche Grundlage, um auf die Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen, unter denen die professionell Pflegenden in Niedersachsen arbeiten. Die Pflegekammer (Kasten) hat durch die Erhebung der Daten die Möglichkeit, mit politischen Entscheidungsträgern darüber zu sprechen, welche Lösungsansätze für die Zukunft der Pflege in Niedersachsen wichtig sind. Beispielsweise geht es darum, darüber zu informieren, wie sich künftig der Bedarf an Pflegekräften entwickelt und wo es aktuell Personalengpässe gibt, damit politische Entscheidungen getroffen werden können und Versorgungslücken entgegengesteuert werden kann.

GROSSE UNTERSCHIEDE IN DER REGIONALEN VERTEILUN

Die im Folgenden vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf 60.000 vollständig registrierte Mitglieder. Der Anteil an weiblichen Pflegefachpersonen in Niedersachsen überwiegt deutlich und liegt bei über 85 %. Mit fast 65 % bildet die Gesundheits- und Krankenpflege die größte bisher registrierte Berufsgruppe, die Altenpflege umfasst etwa ein Viertel, die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bildet die kleinste Gruppe.

In der regionalen Verteilung der Pflegfachpersonen weist beispielsweise die flächenmäßig größte Region Lüneburg in allen 3 Berufsgruppen der Pflege die wenigsten derzeit registrierten Personen im Verhältnis zur Fläche auf. Auf einen Quadratkilometer kommt hier hochgerechnet lediglich eine Pflegefachperson. In der Region Hannover sind es 2,7 und in der Region Weser-Ems knapp 2. Diese Zahl ist insbesondere in Relation zur Bevölkerungsdichte in den einzelnen Regionen von Bedeutung. Anhand von Rechenprognosen ist anzunehmen, dass im Durchschnitt etwa 11 Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner in Niedersachsen entfallen. Allerdings sind die regionalen Unterschiede groß: Auf den einwohnerstarken Landkreis Harburg kommen beispielsweise prognostisch mit knapp 6 die wenigsten registrierten Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner. Der Kreis Göttingen hat diesbezüglich mit hochgerechnet 16 die meisten Pflegefachpersonen. Insgesamt weisen die kreisfreien Städte in Niedersachsen gemessen an Fläche und Bevölkerungszahl die meisten Pflegefachpersonen auf.

Für den künftigen Bedarf an Pflegefachpersonen ist auch die aktuelle Altersverteilung in der Berufsgruppe von Bedeutung.

PFLEGENDE STEIGEN VORZEITIG AUS DEM BERUF AUS

Im Durchschnitt sind die Berufstätigen in der Pflege 45 Jahre alt. Die Altersklasse der 19- bis 35-Jährigen macht mit 27 % den geringsten Anteil der Pflegefachpersonen aus. Die Altersklasse der über 50-Jährigen ist mit 38 % am stärksten vertreten. Bei den über 60-Jährigen verringert sich die Zahl der Beschäftigten signifikant. Auffallend sind die erheblich abfallenden Zahlen der 61- bis 65-Jährigen. Diese Altersklasse verringert sich gegenüber den 51- bis 60-Jährigen um mehr als 75 %. Dies ist ein wichtiges Ergebnis, denn es weist darauf hin, dass viele professionell Pflegende vorzeitig aus ihrem Beruf aussteigen. Es ist davon auszugehen, dass in 15 Jahren mehr als zwei Fünftel der heute tätigen Pflegefachpersonen ihren Beruf nicht mehr ausüben werden. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die meisten Pflegefachpersonen über dem 60. Lebensjahr eher in Teilzeit beschäftigt sind und sich damit ein noch höherer Bedarf an Fachkräften ergibt. Bis 2033 werden voraussichtlich 35–43 % der aktuell in Niedersachsen tätigen Pflegefachpersonen nicht mehr im Pflegefachberuf tätig sein. In diesem Zusammenhang sind verschiedene Szenarien denkbar (Pflegekammer Niedersachsen KDÖR):

  • in Bezug auf die regulären Renteneintritte,
  • anhand von Quotenberechnungen des Statistischen Bundesamts sowie
  • anhand von Quotenberechnungen aus den Daten der Pflegekammer Niedersachsen.

Grundlage für eine qualitativ hochwertige pflegerische Versorgung ist eine gute Ausbildung. Neben sehr gut ausgebildeten Pflegefachpersonen bedarf es auch Pflegefachpersonen mit spezifischen und wissenschaftlich orientierten Fähigkeiten und Kenntnissen, erworben in einer hochschulischen Ausbildung. Wichtig ist deshalb, auch das Ausbildungsangebot im pflegerischen Bereich an Hochschulen zu stärken. Die derzeitigen Angaben der vollständig registrierten Pflegefachpersonen in Niedersachsen zeigen eine sehr geringe Akademisierungsquote in den Pflegefachberufen auf. Aktuell liegt der Anteil von Pflegefachpersonen mit einem Studienabschluss bei 3 % und befindet sich damit deutlich unter den 10–20 %, die der Wissenschaftsrat in Deutschland fordert.

ARBEITSBEDINGUNGEN ATTRAKTIVER GESTALTEN

Die großen Unterschiede in der regionalen Verteilung der Fachpersonen aller Berufsgruppen der Pflege haben wesentliche Auswirkungen auf die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung in Niedersachsen. Dies gilt besonders für die ambulante Pflege. Denn je weniger Pflegefachpersonen im Verhältnis zur Fläche vorhanden sind, desto länger sind die Wege zu den Patienten und die damit verbundene Zeit, um eine pflegefachliche Leistung zu erbringen. Pflegebedürftige müssen somit länger warten, bis sie eine Pflegeleistung in Anspruch nehmen können. Hier sind tragfähige Konzepte zur Deckung des Personalbedarfs zu entwickeln.

Weiterhin ist wichtig, die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass die über 50-jährigen Pflegefachpersonen weiterhin im Beruf arbeiten können und nicht vorzeitig aus dem Beruf aussteigen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind Anreize zu schaffen, dass bereits ausgestiegene Pflegende sich eine Rückkehr in der Beruf vorstellen können. Ferner sind Rahmenbedingungen so zu setzen, dass aktuell Teilzeitbeschäftigte sich vorstellen können, den Umfang ihrer Berufstätigkeit aufzustocken. Um Nachwuchs in der Pflege zu gewinnen, müssen die Vorzüge des Berufs mehr beworben werden. Zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten, vor allem in Form eines Studiums, können das Interesse bei jungen Menschen wecken.

Der vorgestellte Bericht bildet eine fundierte Grundlage, um diesen Handlungsbedarf auch in der Öffentlichkeit mit wichtigen Akteuren im Gesundheitswesen zu diskutieren.

WEITERE ERHEBUNGEN VORGESEHEN

Diese ersten Ergebnisse beziehen sich auf etwa zwei Drittel aller in Niedersachsen tätigen Pflegefachpersonen. Weitere Berichte mit zusätzlichen Auswertungen sind in Planung und werden regelmäßig erscheinen. Der Bericht steht auf der Internetseite der Pflegekammer Niedersachsen zum Download zur Verfügung.

Zusätzlich zu quantitativen Erhebungen, wie in diesem Beitrag vorgestellt, sind auch qualitative Untersuchungen geplant: Die Mitglieder werden eingeladen, in Interviews und Gruppendiskussionen über ihre Tätigkeiten, Fortbildungsinteressen und -bedarfe sowie über die Rahmenbedingungen ihres Berufs zu sprechen.

Pflegekammer Niedersachsen. Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen 2018. Im Internet: t1p.de/55jj; Zugriff: 23.01.2019

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