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  • 29.01.2018
  • Forschung

Dualer Weg zur Professur

Zwischen Hörsaal und Klinik

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 2/2018

Seite 83

Das NRW-Landesprogramm „Karrierewege FH-Professur“ unterstützt promovierte Berufsanfänger auf dem Weg zur Professur. Über drei Jahre sind sie zeitgleich an einer Hochschule und in einem externen Unternehmen tätig. In der Pflegewissenschaft kann dadurch ein sinnvoller Brückenschlag gelingen.

Daniela Hayder-Beichel tanzt, beruflich gesehen, auf zwei Hochzeiten. Seit November 2017 arbeitet sie an 2,5 Tagen pro Woche an der Hochschule Niederrhein in Krefeld und baut zurzeit den dualen Studiengang Pflege auf, der ab dem Sommersemester 2018 startet. Das heißt unter anderem, das Curriculum zu gestalten, die Akkreditierung vorzubereiten und Info-Veranstaltungen mit den künftigen Studierenden durchzuführen. Die restliche Woche ist die promovierte Pflegewissenschaftlerin in den Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach tätig. Hier wirkt sie in diversen Projekten mit: Sie setzt den Expertenstandard Kontinenzförderung um, führt Evidence Based Nursing ein und entwickelt Einsatzgebiete für akademisierte Pflegende in der Klinik. „Ich habe also zwei Arbeitsplätze, und die sind wirklich spannend“, sagt Hayder-Beichel.

Was auf den ersten Blick nach einem schwierigen Spagat klingt, ist Teil eines Förderprogramms „Karrierewege FH-Professur“ des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW). Mit diesem Programm sollen Nachwuchskräfte auf dem Weg zur FH-Professur unterstützt werden. Denn vielen fehlt nach der Promotion die erforderliche dreijährige Berufserfahrung außerhalb des Lehrbetriebs. Das Land leistet damit Starthilfe und fördert insgesamt 80 Stellen für angehende Professoren und Professorinnen. „Die Hochschule Niederrhein hat im Rahmen des Programms bislang sechs Stellen bewilligt bekommen, eine davon im Bereich Pflegewissenschaft“, berichtet Antje Hambitzer, Transferbeauftragte der Hochschule in Krefeld, die sich über weitere Bewerbungen engagierter Pflegewissenschaftler freuen würde.

Hayder-Beichel erfüllt eigentlich die Voraussetzungen, um direkt eine Professur an einer Hochschule zu bekommen. Die 42-jährige Pflegewissenschaftlerin hat schon vor Jahren zum Thema „Harninkontinenz im Alltag von Betroffenen“ promoviert, anschließend das Zentrum für Wissenstransfer im Gesundheitswesen gegründet und ist als Autorin, Dozentin und Sachverständige Gutachterin tätig. Dennoch hat sie sich für den dualen Weg zur Professur entschieden: „Ich fand das Projekt einfach spannend und sehe große Chancen, um Theorie und Praxis besser zu verknüpfen.“

Die gelernte Krankenschwester freut sich zudem, mal wieder Praxisluft schnuppern zu können. „Ich bin immer noch eine leidenschaftlich Pflegende“, sagt Hayder-Beichel, die nach ihrem Examen einige Jahre in Bereichen der Intensivpflege tätig war. „Mit dieser Stelle kann ich beide Welten verbinden: die Praxis und die Wissenschaft.“ Einen weiteren Vorteil sieht sie darin, die Pflegewissenschaft in der Klinik sichtbar zu machen – für Kollegen, Patienten und Angehörige. Sie hat die Chance, die Praktiker vom Nutzen der Pflegewissenschaft zu überzeugen und für deren Anerkennung zu werben. „Leider werden duale Nachwuchsprogramme in Deutschland bisher kaum gedacht“, bedauert Hayder-Beichel. Dabei bieten diese einen sinnvollen Brückenschlag in die Praxis und könnten ein zukunftsträchtiges Modell sein. Bisher ist sie allerdings noch ein Exot.