• 29.07.2025
  • Themennewsletter
Akademisierung

Klinische Pflegewissenschaft stärken

Die Universitätsmedizin Göttingen richtet zum 1. August 2025 erstmals eine Professur für Pflegewissenschaft ein. Zum Wintersemester geht zudem der Bachelorstudiengang „Praxisorientierte Pflegewissenschaft“ an den Start.

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2025

Seite 46

Die Universitätsmedizin Göttingen richtet zum 1. August 2025 erstmals eine Professur für Pflegewissenschaft ein. Zum Wintersemester geht zudem der Bachelorstudiengang „Praxisorientierte Pflegewissenschaft“ an den Start.

Die neue Professur für Pflegewissenschaft ist in der Klinik für Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) unter der Leitung der Fachärztin für Neurologie und Geriatrie, Christine von Arnim, angesiedelt. Ziel ist, klinische, praxisorientierte Pflegeforschung voranzutreiben. Zum Wintersemester geht zudem der erst kürzlich ohne Auflagen akkreditierte Bachelorstudiengang „Praxisorientierte Pflegewissenschaft“ an den Start. Pflegewissenschaftlerin Sandra Strube-Lahmann von der Charité – Universitätsmedizin Berlin war als externe Beraterin an der Konzeption und Entwicklung der curricularen Strukturen eng beteiligt.

Orientierung an Primärqualifikation. „Praxisorientierte Pflegewissenschaft“ ist ein additiver Studiengang – das heißt, das Studium baut auf einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Pflegefachberuf auf. Obwohl es sich nicht um einen primärqualifizierenden Studiengang handelt, ist dieser eng am Pflegeberufegesetz (PflBG) sowie an der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV) orientiert. Ziel ist dabei die Vergleichbarkeit und Standardisierung des Kompetenzerwerbs trotz unterschiedlicher Studiengangstypen. Dementsprechend decken sich die Qualifikationsziele des Studiengangs mit denen hochschulisch ausgebildeter Pflegefachpersonen nach dem PflBG.

Curriculare Ausrichtung an CanMEDS. Das Curriculum des Studiengangs wurde am kanadischen Referenzmodell CanMEDS (Canadian Medical Education Directives for Specialists) ausgerichtet. Das Modell besteht aus sieben Rollen, die jeweils durch professionsspezi­fische Kompetenzen abgebildet werden (Abb. 1). Diese curriculare Ausrichtung soll die Studierenden darauf vorbereiten, vielfältige Aufgaben und Verantwortlichkeiten in ihrem künftigen Tätigkeitsfeld zu übernehmen. Die Rolle als Pflegeexpertin oder Pflegeexperte steht dabei im Hauptfokus. Pflegeexpertinnen und Pflege­experten wird eine umfassende Problemlösekompetenz zugeschrieben: Sie müssen eine Pflegesituation anhand der vorhandenen Potenziale und Risiken analysieren sowie entsprechende Lösungsansätze entwickeln. Im Laufe des Studiums sollen die CanMEDS-Rollen studienphasenübergreifend immer wieder aufgegriffen und mittels hochschulischer Praxisaufgaben anwendbar gemacht werden. Ziel ist es, die einzelnen Rollen mit ihren Anforderungen in die direkte Versorgung zu transferieren, zu erleben und aktiv zu gestalten. Dabei sollen die theoretisch erworbenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen gezielt angewendet und im geschützten Rahmen reflektiert werden. Insgesamt dienen die Rollen als Lehr- und Lerngegenstand für differenziertes und individuelles akademisches Praxislernen.

Erwerb zusätzlicher Zertifikate möglich. Es besteht die Möglichkeit, in den angebotenen Schwerpunktbereichen nach Absolvierung des fünften Semesters, aller praktischen Studienzeiten und weiterer mündlicher, praktischer und schriftlicher Prüfungen das Zertifikat der Fachweiterbildungen Intensiv- und Anästhesiepflege oder Onkologische Pflege gemäß Niedersächsischer Verordnung über die Weiterbildung in Gesundheitsfachberufen zu erwerben. Die zentralen Inhalte, Qualifikationsziele und Kompetenzen dieser beiden Fachweiterbildungen sind in die Studienmodule des jeweiligen Schwerpunktbereiches integriert.

Zudem kann in enger Kooperation mit der Bildungsakademie der UMG das Zertifikat zur Praxisanleiterin oder zum Praxisanleiter erworben werden.

Der Studiengang kann auch ohne Erwerb dieser Zertifikate absolviert werden. Dabei muss von den Studierenden eine der beiden Fachweiterbildungsrichtungen als Schwerpunkt gewählt werden, wobei zusätzliche Praxiseinsätze und Prüfungen nicht erforderlich sind und ein staatlich anerkannter Weiter­bildungsabschluss nicht erlangt wird.

Ausblick

Studienformate wie der beschriebene Studiengang können einen Beitrag zur Professionsentwicklung in der Pflege leisten und damit die vom Wissenschaftsrat geforderte Akademisierungsrate von 20 Prozent unterstützen. Zudem kann der Studiengang gerade mit Blick auf die spezialisierten Versorgungsbereiche einen Beitrag zur Stärkung der Versorgungsqualität und Patientensicherheit leisten.

Autoren

WEITERE FACHARTIKEL AUS DEN KATEGORIEN