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  • 09.04.2019
  • Dekubitus

Methode "Visuelle Dekubitusinzidenz"

Auf einen Blick feststellen, wer dekubitusgefährdet ist

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 10/2018

Seite 24

Um das Bewusstsein der Pflegenden für das individuelle Dekubitusrisiko der Patienten zu schärfen, haben zwei Mitarbeiter des Roten Kreuz Krankenhauses Bremen die Methode „Visuelle Dekubitusinzidenz“ entwickelt. Dafür gewannen sie den Deutschen Wundpreis auf dem Deutschen Wundkongress 2018.

Die Entstehung eines Dekubitus hat für die Betroffenen gravierende Folgen: Der Krankenhausaufenthalt verlängert sich um das 2,8-Fache, was nicht nur für den Patienten belastend ist, sondern auch mit erhöhten Kosten einhergeht. Hinzu kommen die immensen physischen und psychischen Belastungen, die mit einem Dekubitus einhergehen und die die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. Die Patienten leiden zudem unter Wundschmerzen, sind durch regelmäßige Verbandwechsel in ihrer Unabhängigkeit eingeschränkt und können an diversen Freizeitaktivitäten nur eingeschränkt teilnehmen. In besonders ausgeprägten Fällen, die mit übermäßigem Wundexsudat oder üblem Geruch einhergehen, kommt es sogar vor, dass Betroffene sich zunehmend isolieren und Depressionen entwickeln.

Eine denkbar leichte Methode

Um die Dekubitusgefahr und damit den beschriebenen negativen Begleiterscheinungen vorzubeugen, wurde am Roten Kreuz Krankenhaus Bremen die Methode „Visuelle Dekubitusinzidenz“ entwickelt. Im Fokus stand dabei vor allem das Anliegen, Leid für den Patienten zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhöhen. Zudem sollte das Bewusstsein der Pflegenden geschärft werden, wie elementar die Dekubitusprophylaxe ist.

Das Verfahren sollte möglichst simpel sein und sich so einfach wie möglich in den Arbeitsalltag des Behandlungsteams einbinden lassen. Zudem galt es, den Mehraufwand bei der Umsetzung der Methode so gering wie möglich zu halten. Denn nur so ist eine nachhaltige Akzeptanz der Pflegenden zu erreichen.

Die Visuelle Dekubitusinzidenz visualisiert – wie der Name schon sagt – das individuelle Dekubitusrisiko eines Patienten. Die Pflegenden können auf einen Blick feststellen, welche Patienten dekubitusgefährdet sind. Insbesondere für Pflegende, die nicht primär für einen jeweiligen Patienten zugeteilt sind oder einen Patienten nur übergangsweise betreuen, gibt die Visuelle Dekubitusinzidenz mit einem Blick auf das Identifikationsarmband Aufschluss über den Zustand der zu betreuenden Person.

In Zeiten zunehmender Arbeitsverdichtung und kurzen Verweildauern verschafft diese Herangehensweise eine Art Sicherheit. Eine engmaschige Evaluation ist dennoch eine unabdingbare Voraussetzung.

Wie erfolgt die Umsetzung?

Die Umsetzung der Visuellen Dekubitusinzidenz erfolgt denkbar einfach: Die zuständige Pflegefachkraft erhebt bei Aufnahme eines Patienten mittels Braden-Skala das individuelle Dekubitusrisiko und bringt daraufhin einen farbigen Klebepunkt auf das sich am Handgelenk befindende Patientenidentifikationsband an. Die Farbe grün steht für „keine Gefährdung“, gelb bedeutet „Risiko vorhanden“ und rot steht für „Dekubitus vorhanden“.

Das Patientenidentifikationsarmband erhält jeder stationäre Patient, um Verwechslungen zu vermeiden. Es sollte den kompletten Krankenhausaufenthalt am Handgelenk verbleiben. Dreimal täglich wird das Dekubitusrisiko neu erhoben und der Klebepunkt, falls nötig, angepasst. Diese Vorgehensweise ermöglicht, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Die Erfassung kann problemlos in den Krankenhausalltag eingebaut werden und nimmt keine unnötige Zeit in Anspruch.

In Anlehnung an den Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ wurden ein Schaubild zur Visuellen Dekubitusinzidenz (Abb. 1) und eine entsprechende Verfahrensanweisung entwickelt, die den Kollegen als Hilfestellung zur Verfügung steht. Die Methode kann auch von Auszubildenden und Pflegehilfskräften angewendet werden, wobei das fachliche Hintergrundwissen vorhanden sein muss.

Positive Resonanz

Erste Rückmeldungen von Patienten und Pflegenden zeigten eine positive Resonanz. Der Nutzen der Methode wurde zudem durch eine kleine Studie bestätigt, bei der die Inzidenzraten von 147 Patienten erfasst wurden. Das Ergebnis: Bei keinem Patienten trat eine Verschlechterung des Befundes ein. Außerdem nahmen die Patienten die Idee positiv auf, motivierten sich gegenseitig und übernahmen Selbstverantwortung für sich und ihren Körper. Die Visualisierung rückte das Dekubitusrisiko stets für alle Beteiligten in das Bewusstsein.

Lars Gröne ist Abteilungsleitung Allgemein-, Unfall- und Gefäßchirurgie im Roten Kreuz Krankenhaus Bremen. Mail: groene.l@roteskreuzkrankenhaus.de

Anne-Marie Schlamm ist Fachtherapeutin Wunde ICW im Roten Kreuz Krankenhaus Bremen. Mail: schlamm.a@roteskreuzkrankenhaus.de