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  • 29.06.2018
  • Forschung

Händehygiene

Pionier der Händedesinfektion

Vor 200 Jahren wurde Ignaz Semmelweis geboren. Der passionierte Arzt wurde zu Lebzeiten mehr verachtet als verehrt. Dabei war er der Begründer der modernen Händedesinfektion. Millionen Menschen verdanken seinen Erkenntnissen ihr Leben – auch heute noch.

 In den 1840er und 1850er-Jahren war es nahezu lebensgefährlich, als schwangere Frau in eine Klinik aufgenommen zu werden. Denn Viele bezahlten ihren Aufenthalt auf den Geburtshilfe-Stationen mit dem Leben. Damals galt die schlechte Luft der Großstadt oder ein Milchstau in der Brust lange als Ursache für ihren Tod. Erst die Erkenntnisse des ungarischen Gynäkologen Ignaz Semmelweis brachten die Wende.

Erst Leichen seziert, dann Babys auf die Welt geholt

Seine Beobachtung: Auf Geburtshilfe-Stationen, auf denen die Patientinnen von geistlichen Schwestern oder Hebammen betreut wurden, war die Sterblichkeit weitaus geringer als auf Stationen, auf denen Ärzte Kontakt zu den werdenden Müttern hatten. Die Mediziner hatten vorher oft Leichen seziert und kamen "mit an der Hand klebenden Cadavertheilen", so Semmelweis in seinen Aufzeichnungen, zu den Frauen. Das einfache Händewaschen mit Seife, wenn es denn überhaupt gemacht wurde, nützte wenig.

Deshalb zog Semmelweis 1847 die Schlussfolgerung: Wer Patientinnen untersucht, muss sich vorher gründlich mit Chlorkalk die Hände reinigen. Tatsächlich starben in den folgenden Wochen deutlich weniger Mütter. Die Sternstunde der Händedesinfektion war geboren. Doch die Umsetzung in die Praxis war schwierig. Dass Keime Infektionen auslösen, war damals noch längst nicht gängige Lehrmeinung. Die Vorstellung, dass Ärzte mit ihren eigentlich helfenden Händen den Tod brachten, konnten und wollten viele Kollegen nicht akzeptieren.

Hände fünf Minuten in Chlorkalk baden

Auch die Prozedur der Händedesinfektion selbst war seinerzeit unangenehm: Mindestens fünf Minuten lang sollten Ärzte und Pflegende ihre Hände in die aggressive Chlorkalk-Lösung halten und so für keimfreie Haut sorgen.

Kritiker dieser Methode nannte Semmelweis Ignoranten und Mörder. In offenen Briefen griff er selbst renommierteste Mediziner an. Er schrieb: "Für mich gibt es kein anderes Mittel, dem Morden Einhalt zu tun, als die schonungslose Entlarvung meiner Gegner."

Eine berufliche Anerkennung bleibt Semmelweis zeitlebens verwehrt. Sein Vertrag am Allgemeinen Krankenhaus in Wien wird 1849 nicht mehr verlängert. Er geht nach Budapest und kann auch dort die Sterblichkeit von Wöchnerinnen in zwei Kliniken senken.

Semmelweis heiratet spät die fast 20 Jahre ältere Maria Weidenhoffer, mit der er fünf Kinder bekommt. Obwohl ihm das Thema so am Herzen liegt, veröffentlicht er seine Forschungsergebnisse zum Kindbettfieber erst umfassend im Jahr 1861. Zu dieser Zeit fühlt sich der Chirurg und Geburtshelfer wohl schon lange als unverstandener Einzelkämpfer.

Vorreiter der modernen Antisepsis

Sein Leben endet tragisch. Er stirbt im Alter von 47 Jahren in Wien. Die Umstände seines Todes sind allerdings nicht gänzlich geklärt. Als gesichert gilt, dass Semmelweis im Sommer 1865 wohl gegen seinen Willen in eine Nervenheilanstalt bei Wien eingeliefert wird. Möglicherweise leidet der Mediziner an einer Krankheit, die ihn jähzornig und unberechenbar macht. Spekulationen reichen von einer nicht ausgeheilten Syphilis bis hin zu einer frühzeitigen Alzheimer-Demenz. Womöglich wird er schließlich bei einem gescheiterten Fluchtversuch so schwer von den Wärtern geschlagen, dass er am 13. August 1865 seinen Verletzungen erliegt.

Sein wissenschaftliches Erbe wirkt aber noch heute nach: Seit 2008 wird die Botschaft von Semmelweis für mehr Hygiene mit der Kampagne "Aktion Saubere Hände" verbreitet. 

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